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Ungewöhnliches Projekt der Stadtjugendpflege wendet sich gegen Vorurteile

" Helle Haare? Bitte hier entlang" - wie Schüler für mehr Toleranz werben

Stadthagen (sk). Schüler der Sekundarstufe II haben am Sonnabend Passanten in der belebten Obernstraße gezeigt, "wo's lang geht". Die willkürliche Wegzuweisung nach Haar- oder Jackenfarbe sollte auf die Problematik von Intoleranz hinweisen, für Toleranz und Demokratie werben. Der Stadtjugendbeauftragte Ralf Cordes hat das Projekt mit Schülern geplant, die 16- bis 19-Jährigen führten das augenfällige Planspiel durch.

veröffentlicht am 26.03.2007 um 00:00 Uhr

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"Sie haben helle Haare und müssen hier lang gehen!" Nadja Wennike (18) eilt einer Frau entgegen, weist bestimmt zur rechten Straßenseite. Die freundliche, aber selbstbewusste Stimme, die eindeutige Gestik und die orangefarbene Warnweste der Ratsgymnasiastin zeigen Wirkung. Die Frau wechselt die Straßenseite. Passanten sindirritiert, folgen im ersten Impuls den erhaltenen Anweisungen. Zielstrebige lassen sich nicht aufhalten. Ein Apotheker "durchbricht" eilend die Schülerbarriere: "Bin bei der Arbeit!" Andere stutzen, fragen: "Warum?" Die Schüler bleiben "geschäftsmäßig" in ihrer Rolle: "Das ist ein Beschluss von oben. Helle Haare bitte da entlang!" "Wer hat das denn beschlossen, Adenauer?", witzelt einälterer Mann und geht seinen Weg. "Das verstehe ich nicht", kontert ein anderer Stadtbesucher. Das findet seine Gesprächspartnerin toll: "Das ist super, dass Sie das nicht verstehen." Warum soll ein Mensch wegen seiner Haar- oder Jackenfarbe oder - im "richtigen" Leben - wegen seiner Hautfarbe, Nationalität, Religion dies oder jenes tun, sprich Vorurteilen unterliegen? Darum geht es hier. Ein paar Meter weiter versuchen Schüler, Handzettel an die Leute zu bringen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Nur wenige Passanten sind verärgert, fühlen sich von den jungen Leuten belästigt. Etliche eilen weiter, einige lassen sich auf einen Dialog ein. Der Aktion zum Thema Toleranz war große Öffentlichkeitswirkung beschieden. An Ständen und Transparenten kann man vorbeigehen. Die Planspieler aber ließen kaum einen Passanten "entkommen". Am 21. April soll eine zweite Veranstaltung zum Thema Toleranz stattfinden, ein Fußballturnier in der Sporthalle des Ratsgymnasiums. Die FirmenExpert, Ruhe-Reisen und Kreft haben, so Cordes, ihre Unterstützung zugesagt.



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