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Keine Pellets, aber auch aus Holz: Immer beliebter in deutschen Haushalten sind die sogenannten Holzhackschnitzel

Heizen – mit Schnitzeln aus der Lachemer Forst

Hessisch Oldendorf (ubo). Eine schmale Straße führt hinter Wahrendahl durch ein großes Waldgebiet. Sie führt auf einer Anhöhe zu einem riesigen abgesperrten Platz. Dem Besucher bietet sich kein großartiges Panorama, sondern Wald – ringsum. Das Waldgebiet und der Platz gehören der Forstgenossenschaft Lachem, die hier Holz lagert.

veröffentlicht am 16.12.2009 um 10:27 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

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Sofort fällt ein rund fünf Meter hoher, 50 Meter langer Holzstapel auf, daneben ein mächtiger Trecker mit einem zweiachsigen Holzhäcksler. Der Fahrer hat die Fahrerkabine nach hinten gedreht, damit er den Kran bedienen kann, mit dem er einen bis zu 70 Zentimeter dicken Stamm oder mehrere kleine Stämme in eine Öffnung schiebt. Die fünf Walzen ziehen die Stämme stückweise in den Häcksler. Der sonore Motorklang, gemischt mit einem sägend-reißenden Geräusch, hallt in der kalten Luft. Ganz leise hingegen fallen die kleinen Holzschnitzel durch ein rechteckig gebogenes Rohr auf den großen Haufen.

Der riesige Holzhäcksler gehört Unternehmer Horst Schildmeier aus Petershagen und kostet 350 000 Euro. Der Systemschlepper, der 410 PS leistet, schlägt mit rund 190 000 Euro zu Buche. Eine auf den ersten Blick große Investition in ein System, das eigentlich nur Brennholz produziert. Es ist jedoch etwas komplexer: „Es ist nicht egal, ob ein Häcksler nur 60 Prozent oder über 80 Prozent Hackschnitzel in gleicher Größe produziert“, erklärt Horst Schildmeier. Hackschnitzel, die zu einem Wirtschaftsgut geworden sind, trocknen mit einem hohen Anteil kleiner Schnitzel schlecht und führen beim Abnehmer zu Preisabschlägen. Denn seit einigen Jahren erleben die Holzhackschnitzel einen Aufschwung. Im Vergleich zu den bekannteren Pellets sind Holzhackschnitzel in der Anschaffung kostengünstiger, benötigen jedoch einen größeren Lagerraum als die Pellets, weil diese bei geringerer Größe eine höhere Energiedichte haben.

Durch das „Erneuerbare Energien Gesetz“ (EEG), das den Anteil der erneuerbaren Energien von heute 6,6 Prozent auf 14 Prozent bis 2020 steigern soll, erlebt nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Holz „eine Renaissance“. So vermeldete die Landwirtschaftskammer Niedersachsen, dass im Jahr 2008 die Anzahl der Hackschnitzelanlagen um 29 Prozent auf 1800 stieg.

Diesen Trend beobachteten auch die Niedersächsischen Landesforsten. „Der starke Anstieg der Gas- und Ölpreise hat eine Ausweichreaktion vor allem bei den Eigenheimbesitzern ausgelöst“, merkt Stefan Fenner von den Niedersächsischen Landesforsten in Braunschweig an. In den letzten Jahren hat sich die Nachfrage bislang ungenutzter „Waldbiomasse-Sortimente“, also Holzhackschnitzeln oder Holzpellets, entwickelt, sagte Fenner. Die Landesforsten reagieren darauf mit bisher ungenutztem Potenzial. So werden zum Beispiel Äste, die beim Freischneiden von Bäumen an Straßenrändern oder unter Stromleitungen übrig bleiben, verwendet.

Auch die Raiffeisengenossenschaft Leese konnte eine steigende Nachfrage feststellen. „Wir spüren, dass die Nachfrage nach Waldhackschnitzel jedes Jahr steigt. In diesem Jahr wird sich das Volumen auf rund 10 000 Kubikmeter belaufen“, rechnet Jürgen Strelow, zuständig für die Holzvermarktung bei der Genossenschaft, vor. Sie betreibt selbst zwei Anlagen in den Größen von 650 und 300 Kilowatt und betreut Anlagen von Privatpersonen, Gewerbe- und Landwirtschaftsbetrieben.

Einen bundesweiten Handel gibt es nach Ansicht der eta-Holzlogistik noch nicht. Lediglich „Insellösungen“ mit einer effizienten und günstigen Logistik sind im Bereich von Biomasseanlagen zu finden, so die eta.

„Seit einigen Jahren setzen wir vermehrt auch Waldhackschnitzel (Kronenholz-Hackschnitzel und Hackschnitzel aus Kurzumtriebsplantagen) ein, da wir aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen den Einsatz dieser Rohstoffgruppe erhöhen wollen“, erklärt Rudolf Alteheld, Leiter des Zentralholzeinkaufs bei der Firma Glunz in Horn-Bad Meinberg. Allerdings hat die Biomassenutzung des Waldes Grenzen. „Bis zum Jahr 2020 könnte sich bei einem optimierten Ausbau der erneuerbaren Energien deren Verbrauch mehr als vervierfachen.“ Bei einer unterstellten 25-prozentigen Beteiligung von Holz bei den erneuerbaren Energien entspricht das einem Brennholz-Jahresbedarf von über 30 Millionen Kubikmeter. Mehr als die Hälfte des gesamten Holzeinschlages in Deutschland, rechneten Christian Kühn und Christian Krichbaum in ihrer Studie für das „Cluster Forst und Holz“ nach.

So wurden nach den Worten des Forstoberrates Michael Degenhardt vom Forstamt Südniedersachsen Holz, das bisher insbesondere bei der Flächenräumung nach Kahlschlägen, die durch Sturm oder Borkenkäfer verursacht worden sind, Äste und Feinreisig dem Häcksler zugeführt. Ein Ausweg aus dem Engpass der Versorgung mit Holz könnten Kurzumtriebsplantagen (KUP) sein. KUPs sind eine Anpflanzung schnell wachsender Bäume oder Sträucher mit dem Ziel, innerhalb kurzer Umtriebszeiten Holz als nachwachsenden Rohstoff zu produzieren. Allerdings werden diese KUPs im Bereich des Forstamtes Oldendorf derzeit nicht angebaut, erklärt Forstamtsleiter Christian Weigel.

Forstamtsdezernent Dr. Michael Behrndt sagt zum derzeitigen Markt der Hackschnitzel: „Es ist ein neuer Produktbereich, nicht nur für die Landesforsten, der im Kommen ist und weiter ausgebaut wird.“ Die Nachfrage sei intensiv. Das gehandelte Volumen sei noch nicht so groß, aber im Wachsen. „Auf Forstamtsebene befinden wir uns in der fortgeschrittenen Versuchsphase“, sagt Forstamtsdezernent Behrndt. In die gleiche Kerbe schlägt auch Forstoberrat Michael Degenhardt vom Forstamt Südniedersachsen. „Es ist ein wichtiger Zukunftsmarkt“, so Degenhardt. Allerdings konnte auch Degenhardt noch keinen kontinuierlichen Mengenabfluss feststellen. „Derzeit sind viele dezentrale Wärmekraftwerke auf regionaler Ebene in Planung, die Lieferzusagen, Preisgleitklausel zwischen Forstbetriebsgemeinschaften und Betreiber voraussetzen“, so der Forstoberrat. Auch negative Erfahrungen musste Michael Degenhardt machen. „Vorkonzentriertes Material lag zum Teil sehr lange und wurde manchmal gar nicht aufgearbeitet, was die Qualität sinken lässt.“ Stefan Fenner sieht die vonseiten des Naturschutzes geforderten Waldstilllegungen mit den Zielen der Kohlendioxid-Senkung „kontraproduktiv“ und weist auf eine zusätzliche Verknappung des Energieholzangebots, besonders der Buche, hin. Ein Markt entsteht – und es bleibt auch in Zukunft spannend, wohin die Reise des Waldes mit seiner Energie und den Rohstoffen geht.



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