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Wunderbares Double: Martin Lüker überzeugt als Erhard-Rezitator in der "Nachtausgabe"

Heinz Erhard - "das wünschen wir uns alle mal!"

Rinteln (cok). "Einen Heinz-Erhard-Abend - das wünschen wir uns alle mal!", so begann ein kleiner, gerade richtig dicker Mann seine Vorstellung in der "Nachtausgabe" der Volksbank. Er hatte Recht! Alle Plätze waren ausverkauft für das Heinz-Erhard-Programm von Martin Lüker, und nicht selten konnte das Publikum begeistert Satz für Satz mitsprechen.

veröffentlicht am 10.04.2006 um 00:00 Uhr

Überzeugend: Martin Lüker.

Von "Fährt der alte Lord fort, fährt er nur im Ford fort" über König Erl: "Der Knabe lebt, das Pferd war tot" bis hin zur tragischen Geschichte von der kleinen Made, die - "wie schade" - vom Specht gefressen wird, war es ein Feuerwerk von Liedern, Gedichten und abwegigen Witzen aus dem Repertoire desgroßen Komikers, das Martin Lüker präsentierte, Schlag auf Schlag, mit virtuoser Klavierbegleitung und einem verschmitzten, manchmal auch ein bisschen verrückt wirkenden Lächeln. "Vorsicht!", rief er, wenn der Beifall aufbrauste, "sonst haben Sie den Eintritt schon vor der Pause abgeklatscht!" Der studierte Musiker und ausgebildete Sänger stammt aus einem ostwestfälischen Örtchen, das ihm offensichtlich einige Anregungen zu eigenen Dichtungen vermitteln konnte, die er immer wieder ins Programm einstreute, nicht ohne darauf hinzuweisen, das sie im Rahmen der Jugendarbeit im "Evangelischen Ostwestfälischen Melkerbund" entstanden. Eine Hommage an seine trinkfeste Oma Karoline fand sich ebenso darunter, wie erhardtypische Blödeleien, die ebenfalls gut zur Wirkung kamen, weil er auch sie mit eben dem Blödelernst vortragen konnte, der bei Heinz Erhard selbst so überzeugend ist. Überhaupt ging von Lükers Erhard-Inszenierungen eine große Überzeugungskraft aus. Nicht nur konnte er ein wunderbares Double sein, in seiner charmanten Pummeligkeit und dem Hauch von Melancholie, der durch die Absurdität der kalauernden Texte hindurch immer zu spüren war. Er begleitete die Gedichte als ein virtuoser Pianist mit Musikpotpourris, die er sich geschickt aus den bekannten Melodien der großen Klassikkomponisten zusammenstellte. Und als er das unvermeidliche "Wenn ich einmal traurig bin, trink ich einen Korn" vortrug, da sang er nicht, sondern nuschelte und juchzte, kreischteund brüllte - herrlich! Tatsächlich bewies dieser Heinz-Erhard-Abend, wie wohl bekannt und beliebt der Komikerklassiker immer noch ist, aller inflationären Fernsehcomedy zum Trotz. Über 150 Auftritte hat Martin Lüker im Jahr, und die Nachfrage lässt nicht nach.

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