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Produktion in Bückeburg wird drastisch zurückgefahren / Kostendruck zwingt nach Osteuropa

Heinecke& Klaproth streicht 50 Arbeitsplätze

Bückeburg. Branchenintern gilt der Schritt als folgerichtig, wenn nichtüberfällig, für die Mitarbeiter ist er dennoch schmerzhaft: Der Hosenhersteller Heinecke& Klaproth fährt die Produktion in Bückeburg um rund die Hälfte zurück und baut ein Drittel seiner Arbeitsplätze ab. 20 der 153 Mitarbeiter haben ihre Kündigung bereits zum 1. Mai erhalten, weitere 30 Jobs sollen bis Jahresende gestrichen werden.

veröffentlicht am 03.05.2007 um 00:00 Uhr

"m.e.n.s. Heinecke& Klaproth" an der Kurt-Rabe-Straße: Jeder dri

Autor:

Frank Werner

Gestern erfuhren die Mitarbeiter auf einer Betriebsversammlung von der am Wochenende endgültig besiegelten Vereinbarung zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat. "Es ist für viele eine persönliche Katastrophe", sagt Geschäftsführer Peter Klap-roth. Betriebswirtschaftlich indes führe am Personalabbau kein Weg vorbei. Der Modetrend und die Kostenstruktur eines beharrlich in Deutschland produzierenden Bekleidungsherstellers haben Gesellschafter und Geschäftsführung dazu bewogen, die bisherige, streng auf Bückeburg fokussierte Marschroute zu verlassen und einen Teil der Hosenproduktion an Partnerfirmen in Osteuropa zu vergeben. Im letzten Jahr, berichtet Klaproth (der das Unternehmen seit November 2005 führt), habe man noch einmal versucht, sich durch Marketing- und Vertriebsanstrengungen gegen den Konsumtrend zu stemmen, der die klassische Anzughose ("City-Hose") gegenüber Jeans- und Baumwollhosen ins Hintertreffen bringt. Ohne nachhaltigen Erfolg: Seit vier Jahren sei die Nachfrage in diesem Segment spürbar rückläufig. Dazu kommt der stetige Kostendruck: Während die Konkurrenz ihre Produktion schon vor mehr als zehn Jahren nach Osteuropa auslagerte, haben die Gesellschafter des Bückeburger Unternehmens (Rolf Klaproth und Marga Rabe) am Standort festgehalten und auf das eigene Qualitätssiegel gesetzt. Vor 14 Jahren fiel die Entscheidung, von der Friedrich-Bach-Straße in Bückeburg an die Kurt-Rabe-Straße in Bückeburg zu ziehen. Die Mitbewerber interessierten sich schon damals eher für Umzüge in Billiglohnländer. Mittlerweile produziert die Branche auch in China, die deutschen Produktionskosten liegen uneinholbar weitüber denen des Auslands. "Das ist die harte Realität", sagt der Geschäftsführer. Jede in Bückeburg hergestellte Hose werde subventioniert. Im Schnitt der letzten zehn Jahre wurden in Bückeburg 250 000 Hosen produziert, in den letzten Jahren ging die Zahl bereits auf rund 200 000 Stück zurück. Künftig, wenn die Kapazitäten abgebaut sind, sollen noch 110 000 Hosen an der Kurt-Rabe-Straße hergestellt werden. Das Werk mit dann rund 100 Mitarbeitern wandelt sich stärker als bisher vom Produktions- zum Logistik- und Vertriebsstandort. Schon jetzt vertreibt Heinecke& Klap-roth von Bückeburg aus Jeans und Baumwollhosen, die in Tschechien gefertigt werden. In diesem Segment lassen die Preislagen eine deutsche Fertigung noch weniger rentabel erscheinen als bei den "City-Hosen". Ganz aufgeben will man deren Produktion in Deutschland indes nicht: Heinecke& Klaproth will auch weiterhin als Hersteller hochwertiger Herrenhosen firmieren und damit die "Kernkompetenz" desüber 100 Jahre alten Unternehmens fortschreiben. Durch die Teil-Verlagerung nach Osteuropa werde eine Mischkalkulation möglich, man komme bei den Kosten "in ordentliches Terrain", formuliert Geschäftsführer Klaproth die Erwartungen. Mit welchen Firmen in welchen Ländern das Unternehmen kooperieren will, sei vertraglich noch nicht fixiert. Im Gespräch seien unter anderem Firmen in Tschechien und Polen. Sind die Verträge unter Dach und Dach, werde die zweite Phase des Personalabbaus gestartet. Intern haben sich Gesellschafter, Geschäftsführung und Betriebsrat bereits am 20. April auf die einschneidenden Maßnahmen verständigt. Betroffen von den Kündigungen sind vor allem Mitarbeiter der Produktion. Ein Zugeständnis an den Betriebsrat: Die verbleibenden Mitarbeiter erhalten eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2009. Der Personalabbau im großen Stil soll ein "langfristig tragfähiges Fundament" für den Bückeburger Produktionsstandort legen. Das Unternehmen, so heißt es in einer gestern veröffentlichten Erklärung, würde insofern an den "langjährigen strategischen und sozialen Werten der Gesellschafter" festhalten.



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