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Festakt zum 100-jährigen Bestehen / Lob von allen Seiten für großartiges Engagement

Heimatbund immer auf der Höhe der Zeit

Rinteln (ur). Anno 1908 wurde der Heimatbund der Grafschaft Schaumburg im Rintelner Ratskeller unter reger Anteilnahme der Bürgerschaft als Museumsverein gegründet und exakt ein Jahrhundert später konnte Dr. Reinhard Kniewske als amtierender Vorsitzender jetzt zur Festveranstaltung höchst interessierte Zuhörer im wohlgefüllten Saal des selben historischen Gebäudes begrüßen. Dabei gab er seiner besondern Genugtuung darüber Ausdruck, dass neben den Spitzen des kulturellen, gesellschaftlichen und sozialen Lebens auch die Politik in Gestalt der Landtagsabgeordneten Otto Deppmeyer und Heiner Bartling, des Landrats Heinz-Gerhard Schöttelndreier sowie Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz ver treten waren.

veröffentlicht am 16.06.2008 um 00:00 Uhr

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Dr. Kniewske erinnerte daran, dass die Gründerväter damals ausdrücklich formulierten, man wolle "keine Gruft für alte Sachen schaffen, sondern das Selbstbewusstsein der Bürger befördern und beispielsweise die Handwerker stärken in ihrem Ringen um Qualität und Individualität gegenüber der gleichmacherischen Fabrikkultur." Das rege ehrenamtliche Leben im Verein mit seinen zahlreichen Arbeitsgruppen und die professionalisierte Konzeption des Museums selbst belege, dass dieser Wunsch der Gründer auch heute noch Früchte trage. Dr. Klaus-Henning Lemme warf in seinem zur zusätzlichen Festansprache werdenden Grußwort die ketzerische Frage "Brauchen wir überhaupt Heimatvereine" auf und betonte die potenzielle Bedeutung gerade solcher Zusammenschlüsse für die Integration von heute noch Fremden in die Umgebungskultur, wie dies auch schon nach dem Kriege mit den Flüchtlingen geschehen sei. Dies setze eine Besinnung auf die landschaftlichen, kulturellen und baulichen Besonderheiten einer Region voraus - und die Bereitschaft, sich den Veränderungen zu stellen. Dazu zitierte er die folgende chinesische Weisheit: "Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, die anderen aber Mühlen." Landrat Schöttelndreier versuchte sich an einer Interpretation der alten Positionsbestimmung "Für Bildung, Kultur und Vaterland", verwies auf die wechselvolle Geschichte des Schaumburger Landes und hob die Aufgabe hervor, eine gemeinsame Schaumburger Identität zu entwickeln und zu bewahren, "auch wenn in Rinteln aus der speziellen Rand- und Grenzlage heraus mitunter noch einmal Vorbehalte gegenüber Stadthagen zu spüren sind und in manchen Bereichen weiterhin Akzente auf Kooperationen in den lippischen und Hamelner Bereich gesetzt werden." Die Arbeit des Heimatbundes mache imÜbrigen deutlich, welche herausragende Bedeutung dem Ehrenamt bei der Entwicklung von Gemeinschaftsbewusstsein zukomme. Für die Stadt Rinteln übernahm es Bürgermeister Buchholz, die einzigartige Bedeutung des Heimatbundes und des Museums herauszustellen. Mit der Eulenburg verfüge man im Jubiläumsjahr über ein Gebäude, das alles andere als verstaubt wirke mit seinem umfangreichen und gut präsentierten Bestand sowie den sorgfältig vorbereiteten Sonderausstellungen. Mit Führungen und Workshops sei es wohl der wichtigste außerschulische Lernort in Rinteln: "Das von Museumsleiter Dr. Stefan Meyer entwickelte Konzept greift!" In Verbindung mit Stadtbücherei, Jugendmusikschule und Volkshochschule sei rund um das Rathaus ein beachtliches Kulturzentrum entstanden. Mit einem deutlichen Verweis auf aktuelle Debatten zur Stadtplanung erinnerte Buchholz daran, dass Landrat Hoimar von Ditfurth bei der Gründung schon gewusst habe, warum er forderte, der Heimatbund solle sich nicht auf die Anliegen des Bürgertums beschränken, sondern sich "mit Anspruch der Gegenwart und Zukunft zuwenden". Es gäbe in Rinteln eine Tendenz zur Bewahrung des Bestandes, die nicht immer den Herausforderungen der Zukunft gerecht werde: "Nur wer weiß, wo er herkommt, hat auch einen klaren Kompass für die Richtung, in die er will." Mit seinem großen Festvortrag unter dem Titel "Gedanken über Heimat im Jahr 2008" wurde anschließend Prof. Dr. Hansjörg Küster als Präsident des Niedersächsischen Heimatbundes allen hochgesetzten Erwartungen gerecht. Umrahmt wurde die Veranstaltung höchst einfühlsam von Katharina Rundfeldt (Violine), Monica Mühleise (Violoncello) und Arndt Jubal Mehring (Flöte) mit virtuos dargebotenen Sätzen aus dem Werk von Joseph Haydn - und so waren die Gäste auf das Beste eingestimmt auf das anschließende festliche Buffet, mit dem die Küche des Ratskellers einmal mehr Fantasie und Leistungsstärke unter Beweis stellte.



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