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Wehrbeauftragter: Zu wenig qualifizierte Soldaten / Alkoholskandal: Vorgesetzten fehlt Gespür

"Heeresflieger sind weiter extrem hoch belastet"

Bückeburg (rc). Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages hat in seinem Jahresbericht die "anhaltende extreme hohe Einsatzbelastung der Heeresflieger" bemängelt. Ebenso wie Feldjäger, Ärzte und Sanitätspersonal würden auch die Heeresflieger unter einer "schon chronisch zu nennenden Einsatzbelastung stehen", führte Reinhold Robbe in seinem Bericht aus, den er am Dienstag dem Bundestagspräsidenten Dr. Norbert Lammert überreichte.

veröffentlicht am 22.03.2007 um 00:00 Uhr

Reinhold Robbe

Wie Robbe weiter ausführte, komme ein Mangel an ausreichend qualifizierten und zugleich im Ausland verwendungsfähigen Soldaten insbesondere in Bereichen mit einem hohen Anteil ziviler Fachkräfte hinzu. Diese würden regelmäßig nicht mit in die Einsätze gehen. Dadurch würden erhebliche qualitative Lücken gerissen. Die Forderung des Wehrbeauftragten an das Verteidigungsministerium: "In diesen Bereichen muss die Anpassung der Strukturen an das neue Aufgabenprofil vorangetrieben werden, weil sonst die Einsatzbelastung dauerhaft einseitig bleibt." Zu den Auslandseinsätzen bemängelte Robbe weiter, dass es insbesondere im Hinblick auf die Verlegungszeitpunkte weiterhin große Planungsunsicherheit gebe. Viele Soldaten hätten sich bei ihm beklagt, dass sie erst wenige Tag vor dem Abflug erfahren hätten, wann und wo sie überhaupt eingesetzt würden. Zur Ausrüstung insbesondere der Heeresflieger merkte Robbe in seinem Bericht an, dass die zur Aufgabenerfüllung bereit gestellten Mittel nicht ausreichend für die Aufgabenerfüllung seien. "Die Schere zwischen Auftrag und Material geht täglich weiter auseinander." Besonders hätten die Soldaten die Rückgabepflicht von Zusatzbekleidung sowie persönlicher Ausrüstung beklagt. Eine dauerhafte Ausstattung mit einsatzspezifischer Ausrüstung würde erheblich zur Zufriedenheit der Soldaten beitragen. Bisher scheitere dies aber in vielen Bereichen an einer aus wirtschaftlichen und haushaltsrechtlichenGründen streng einsatz- und versorgungsstärkebezogenen Beschaffung. Zu den Alkoholexzessen und sexuellen Ausschweifungen an der Heeresfliegerwaffenschule im Jahr 2005 merkte Robbe an, dass die Vorfälle zu straf- und disziplinarrechtlichen Verfahren geführt hätten, die noch nicht vollständig abgeschlossen seien. Im Hinblick auf weitere Vorkommnisse wie die derzeit verhandelten Fälle in der Kaserne in Coesfeld oder ähnlich gelagerte Fälle in Zweibrücken oder Wittmund, kritisierte Robbe, dass die beteiligten Soldaten, insbesondere Vorgesetzte, "offenbar kein Gespür für die Grenze zwischen Erlaubtem und Verbotenem und die eigenen Pflichten mehr hatten - oder - schlimmer noch, sich darüber hinwegsetzten". Aus Robbes Sicht sollten diese und andere Vorfälle den Dienstherren dazu bewegen, sich kritisch mit vermeintlichen und wirklichen "Ritualen" im soldatischen Alltag auseinander zu setzen. Die Vorkommnisse, die regelmäßig mit Alkoholexzessen einher gegangen seien, seien Beispiel genug dafür, wie dem Ansehen und dem inneren Gefüge schwerer Schaden zugefügt werden könne. Dieses Phänomen sei nicht auf spektakulärere Fälle wie im Coesfeld, Bückeburg, Zweibrücken oder Wittmund beschränkt. "Es ist auch im Truppenalltag immer häufiger zu beobachten." Unter dem Stichwort "Militärische Führung" werde deutlich, dass der Blick verstärkt auch wieder auf den Kernbereich der Inneren Führung, den Schutz der Rechte der Soldaten und eine zeitgemäße Menschenführung zu richten sei. Die militärische Führung habe den Handlungsbedarf in diesem Bereich erkannt und die Zentrale Dienstvorschrift "Innere Führung" überarbeitet: "Damit wird der Truppe ein wichtiger Leitfaden an die Hand gegeben, wie Innere Führung im Rahmen der Transformation der Bundeswehr gestaltet werden soll." Im Rahmen humanitärer Hilfsaktionen und des Katastrophenschutzes stellten die Soldatinnen und Soldaten ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis: Nach dem schweren Erdbeben in Pakistan beteiligen sich deutsche Heeresflieger bereits seit Oktober 2005 an der Hilfsaktion zur Rettung und Versorgung der Menschen in dem Gebiet.



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