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Hakenkreuze und "Ausländer raus"-Parole: Polizei hält auch Finte für denkbar

Hat der Brand der Schlingmühle einen rechtsradikalen Hintergrund?

Buchholz/Bückeburg (tw). Hat - zumindest - die zweite Brandstiftung in der Schlingmühle (wir berichteten) einen rechtsradikalen Hintergrund? Fest steht: Nachdem beim Großfeuer am Montag, 19. März, 0.38 Uhr, zwei auf die Außenfassade aufgesprayte Hakenkreuze und die Parole "Ausländer raus" entdeckt wurden, hat sich das Fachkommissariat IV (Staatsschutz) der Polizeiinspektion Nienburg in die Ermittlungen eingeklinkt. Im Keller und Erdgeschoss des Gebäudes hatte ein 41-jähriger Vietnamese ein Import/Export-Depot für Lkw-Fahrzeugteile und Textilien ...

veröffentlicht am 23.03.2007 um 00:00 Uhr

Auf der Fassade der Schlingmühle haben die Unbekannten Hakenkreu

Wenngleich: "Bei den ausländerfeindlichen Symbolen kann es sich auch um eine Finte, also eine bewusst falsch gelegte Spur handeln, die uns in die Irre führen soll", erklärt Bückeburgs Kriminalhauptkommissar Bernd Tünnermann. Für Letzteres spricht, dass auch der zweite Brandanschlag nicht - nur - gegen das Depot des Vietnamesen, "sondern gegen das Gebäude als Ganzes gerichtet war", sagt Tünnermann: "Die Schlingmühle sollte zerstört werden." Bleibt vor allem die Frage nach dem Motiv der Täter: Dem Polizeisprecher zufolge kann sich die Brandstiftung einerseits gegen die Eigentümer richten; das ist eine GbR mit Sitz in Berlin/Zeuthen. "Andererseits", so der Beamte, "sollte das völlig verbaute und schwer zu vermietende Gebäude vielleicht auch nur ,weg', weil es einer lukrativen Nachfolge-Bebauung im Weg stehen könnte". So oder so geht die Polizei nicht davon aus, dass es sich bei beiden Taten um das Werk von Profis gehandelt hat, die solche "Arbeiten" gewerbsmäßig im Auftrag ausführen. "Ein Profi", so Tünnermann, "hätte sein Ziel beim ersten Mal erreicht". Davon abgesehen läuft ein und derselbe Täter Gefahr, bei einem zweiten Versuch ein "Muster" zu hinterlassen, dass es der Polizei erlaubt, ihn dingfest zu machen. Doch handelt es sich bei den Brandstiftungen vom 13. Februar und vom 19. März überhaupt um denselben Mann - oder dieselben Männer? Nach dem jüngsten Versuch steht fest: Es müssen wenigstens zwei gewesen sein. "Nachbarn, durch den Brand alarmiert, haben an der Schlingmühle einen dunklen Kleinwagen gesehen, der mit hohem Tempo Richtung B 83 davon gefahren ist", sagt Tünnermann. Kommt hinzu: Ein weiterer Mann - vielleicht der Brandstifter - ist dabei gesehen worden, wie er offenbar versuchte, von diesem Wagen aufgenommen zu werden. Der Polizeisprecher: "Als die Nachbarn ihn ansprachen, machte er auf dem Absatz kehrt und verschwand sofort in der Dunkelheit." DiePersonenbeschreibung: 20 bis 25 Jahre alt, schlank, etwa 1,80 Meter groß, dunkle Haare und dunkle Kleidung. Wenn er einer der Täter war - hat er auch das erste Feuer gelegt? Die Polizei ist skeptisch: "Beim ersten Mal", so Tünnermann, "wurde der Brandbeschleuniger zwischen den Betonwänden verschüttet, was dem Feuer wenig Nahrung gab; außerdem brannte die Lunte nicht richtig". Das Feuer vom 19. März aber sei "kundiger" gelegt worden, nämlich in Nachbarschaft zu einer zum Teil mit Rigips verkleideten Holzdecke sowie in dem Textildepot selbst. Während beim ersten Mal ein 20-Liter fassender Benzinkanister verwendet wurde, kamen die Täter beim zweiten Mal mit einem 10-Liter Gefäß. Und eben das könnte sie jetzt - vielleicht - verraten. Tünnermann: "Bei dem Kanister handelt es sich um ein Modell aus schwarzem Kunststoff, das den Schriftzug des Herstellers (Hünersdorff) trägt." Der Beamte hat alle Tankstellen der Region abgeklappert. Ergebnis: "Ein Allerweltsmodell, das es wie Sand am Meer gibt." Aber: Der in der Schlingmühle gefundene Kanister hat zum Schutz von Kindern einen roten Sicherheitsverschluss. "Und genau davon", sagtTünnermann, der damit eine heiße Spur andeutet, "gibt's nicht so viele". Doch wie auch immer: Nachdem die Täter auch mit ihrem zweiten Versuch, die Schlingmühle zu zerstören, gescheitert sind, geht bei den Nachbarn die Angst um. "Wir teilen uns rund um die Uhr die Nachtwachen", sagt eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Die Frau ergänzt eine Vermutung: "Wir hier sind ganz sicher - Wenn in der ganzen Samtgemeinde die Osterfeuer lodern und alle Wehren vor Ort sind, werden die Täter an der Schlingmühle ein drittes Mal zuschlagen."



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