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Vor Gericht: Hobby-Gärtnerin wird kriminell / Ein Jahr auf Bewährung, 70 Stunden Arbeit

Haschisch-Plantage im Kellergewölbe

Nienstädt/Bückeburg (ly). Mit besonders großer Hingabe hat eine Nienstädterin (43) zarte Pflänzchen in einem Kellergewölbe ihres Hofes umsorgt. Da wurde akribisch Buch geführt, etwa über den Säuregehalt des Wassers, genau nach schriftlicher Anleitung aufwändig bewässert, gelüftet und beleuchtet. Einziger Schönheitsfehler: Die Pflanzung war eine Haschisch-Plantage, deren Anbau eine Straftat.

veröffentlicht am 10.02.2007 um 00:00 Uhr

Wegen unerlaubten Herstellens von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge hat das Bückeburger Schöffengericht die Nienstädterin jetzt zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Verbunden ist die bereits rechtskräftige Entscheidung mit Auflagen, darunter 70 Stunden gemeinnützige Arbeit. "Vielleicht sollten Sie sich lieber auf Tomaten verlegen", gab Richter Dirk von Behren der Angeklagten mit auf den Weg. Botaniker mag die Plantage überzeugen, Juristen nicht. "Liebevoll, die Pflanzen sehen sehr gesund aus", meinte der Vorsitzende daher nach einem Blick auf die Fotos in der Akte mit unüberhörbarer Ironie. Herstellung ließ sich der Angeklagten nachweisen, Drogenhandel nicht. "Obwohl das Ganze schon sehr anrüchig ist", wie von Behren offenbar in Anspielung auf jene rund 900 Gramm Haschisch und Marihuana meinte, die bei der Frau entdeckt worden waren, "Stoff" für viele "Joints". Hinzu kommt: Eine Feinwaage und Klemmtütchen, ebenfalls sichergestellt, seien "typische Utensilien, wie sie im Drogenhandel benutzt werden". Staatsanwalt Wilfried Stahlhut sah zumindest "die Anfangsstufe zum Drogenhandel", während Verteidiger Christoph Hessel von "gärtnerischem Interesse" sprach. Allzu lange hatte die Freude der Hobby-Gärtnerin mit Faible für Cannabis-Pflanzen nicht gewährt. Erst ein kleiner Teil der Ernte war eingefahren, als die Polizei im Juni vergangenen Jahres zur Hausdurchsuchung kam und auf 56 Pflänzchen stieß. Später sollte sich herausstellen, dass die aus juristischer Sicht nicht geringe Menge, in diesem Fall ein Wirkstoffgehalt von sieben Gramm, mit 124 Gramm weitüberschritten war und mithin auch die Grenze zum Verbrechen. Vor Gericht gab sich die Angeklagte, nach eigener Darstellung eine leidenschaftliche Gärtnerin, eher ahnungslos. "Ich wusste, dass es nicht erlaubt ist", sagte sie und versicherte: "Dass es so schwerwiegend ist, habe ich nicht gewusst." Keine Gedanken will die 43-Jährige sich darüber gemacht haben, was mit all' dem "Stoff" geschehen sollte. "Mit Sicherheit hätte ich aber etwas davon geraucht."

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