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Tanja Kluge wirft dem Landestagsabgeordneten Oswald Metzger "üble Nachrede" vor

Hartz-IV-Hetze: Anzeige gegen Spitzenpolitiker

Lauenau (bab). Die Hartz- IV-Empfängerin Tanja Kluge hat gestern gegen den Politiker Oswald Metzger Strafanzeige bei der Polizei Lauenau erstattet. Die Anzeige lautet auf Beleidigung, üble Nachrede und Verleumdung. Der baden-württembergische Landtagsabgeordnete, der in der vergangenen Woche gegen die Sozialhilfeempfänger zu Felde zog und seine Mitgliedschaft bei Bündnis 90/ Die Grünen aufgab, will zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen.

veröffentlicht am 30.11.2007 um 00:00 Uhr

Tanja Kluge hat bei der Polizei in Lauenau Anzeige gegen Oswald

"Ich bin wütend geworden aufgrund eines Zeitungsartikels", begründet Kluge ihr Handeln. Fünf weitere Unterschriften von Hartz-IV-Empfängern, die ebenfalls Anzeige erstatten, hat sie bei der Lauenauer Polizeistation vorgelegt. Weitere sollen folgen. Die Ursache für ihre Wut auf die Hartz-IV-Hetze ist unter anderen die Äußerung Metzgers, Sozialhilfeempfänger würden ihren Lebensinhalt darin sehen, "Kohlehydrate oder Alkohol in sich hineinzustopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen" (wir berichteten). Weitere Metzger-Behauptungen, die Kluge auf die Palme bringen: Sozialhilfeempfänger seien keineswegs schöpferisch aktiv und deren Kinder wüchsen verdickt und verdummt auf. "Ich finde es ziemlich dreist, soziale und gesellschaftliche Probleme einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zuzuschreiben", meint Kluge. Statistiken und Studien würden belegen, dass Alkoholismus und Übergewicht ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellen. Zum Beweis hat sie bei der Anzeigenformulierung aus entsprechenden Quellen zitiert. Weil Kluge schnell auf die Beleidigungen reagieren wollte, fehlte die Zeit, noch mehr Unterschriften zusammenzubekommen. Jetzt will sie bis zum 7. Dezember weitere Unterstützer finden. Dann übergibt die Polizei die Anzeige der zuständigen Staatsanwaltschaft in Nürnberg, da Metzger die Aussagen auf dem Grünen-Parteitag in der fränkischen Stadt getroffen hatte. Aus Metzgers Büro hieß es gestern erst, der Politiker sei für eine Stellungnahme zu beschäftigt, da er per Flugzeug von einem Termin zum anderen reise. Kurze Zeit später meldete sich sein persönlicher Mitarbeiter dann noch einmal, um mitzuteilen, dass "sich Herr Metzger zu Strafanzeigen prinzipiell nicht äußert". Die 31-jährige Kluge sucht nun weitere Hartz-IV-Empfänger, die die Anzeige unterstützen. Die Nienstedterin hat zurzeit einen "Mini-Job" auf 400-Euro-Basis als Jugendpflegerin bei der Stadt Rodenberg. "Das mache ich aber als Privatperson", sagt sie zur Anzeige. Trotzdem hat es mit ihrer beruflichen Laufbahn zu tun. Auch vorher war die frisch diplomierte Sozialpädagogin nur in befristeten Arbeitsverhältnissen tätig. "Ich habe 100 Bewerbungen geschrieben", erzählt sie. Obwohl sie gute Zeugnisnoten zwischen eins und zwei habe, gebe es keinen festen Job für sie.



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