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Die Bauarbeiten begannen 1808 / Der erste Architekt warf im Streit das Handtuch / Objekt auf Buchenpfählen gegründet

Happy Birthday: Georg-Wilhelm-Haus hat 200. Geburtstag

Bad Eilsen (tw/gp). Es ist ein großes Jahr für ein noch größeres Gebäude: 2008 feiert das Georg-Wilhelm-Haus seinen 200. "Geburtstag"; 1808 hatten an der - späteren - Bahnhofstraße die Bauarbeiten begonnen. Jetzt blickt das Traditionsobjekt möglicherweise einer neuen Zukunft als "Beauty Campus", als Aus- und Fortbildungsstätte für Kosmetiker entgegen (wir berichteten).

veröffentlicht am 25.03.2008 um 00:00 Uhr

Ein Bild aus alter Zeit: das Georg-Wilhelm-Haus kurz nach seiner

Ein Rückblick: Den Anstoß für den Bau des Georg-Wilhelm-Hauses hatte der rapide Aufschwung des erst 1802 neu eröffneten Fürstenbades gegeben. Berichte über Heilerfolge bei "Lungenschwindsucht, Lähmungen, veralteten Hauskrankheiten und mehreren anderen chronischen Übeln" hatten immer mehr Kurgäste angelockt. Viele von ihnen waren gut betucht und kamen von weither. Da passten die bis datoäußerst bescheidenen Bade- und Übernachtungsmögl ichkeiten nicht mehr ins Bild. "Jedermann und selbst auch Personen von vornehmen Ständen müßen sowohl in Bezug auf Bäder als auch Logis gleich unbequem sich in Bauernhäusern behelfen", heißt es in einer zeitgenössischen Beschreibung. Kein Wunder, dass die fürstlichen Bad-Betreiber schon bald über den Bau eines neuen Logierhauses nachdachten. Zuständig für die Auftragserledigung war der Hofarchitekt Wilhelm Meissner. Meissner war nicht zu beneiden. Seit seinem Dienstantritt als schaumburg-lippischer "Landbaumeister" im Jahre 1797 hatte er sich praktisch nur mit Bad Eilsen beschäftigen müssen. Immer wieder kamen neue Ideen und Änderungswünsche auf den Tisch. Kaum war die Erstausstattung (Bau von Bade- und Logierhäusern, Anlage der Harrl-Allee und Umleitung der Aue) auf den Weg gebracht, musste er sich schon wieder mit Umbau, Ergänzung und/oder Modernisierung befassen. Noch während der Planung des Georg-Wilhelm-Hauses kam es zum Streit. Die Hofkammer warf Meissner mangelnden Diensteifer vor. "Wir können nicht unterlassen zu vermerken, daß der gedachte Landbaumeister, als ein in seinem Fache sehr geschikter und überhaupt talentvoler Mann, alle Achtung verdient", heißt es in einer Aktennotiz, "die wiewohl wir auch pflichtenhalber mit der Behauptung nicht zurückhalten dürfen, daß derselbe in Hinsicht der Thätigkeit und Sorgsamkeit bey Wahrnehmung des Herrschaftlichen Bauinteresses bisher unseren Erwartungen nicht ganz entsprochen hat." Verärgert wegen des Tadels warf der damals 35-Jährige das Handtuch. Dieser unrühmliche Abgang dürfte dazu beigetragen haben, dass Meissner, der nach Meinung der Fachleute ein außergewöhnlich kreativer Kopf war und bei der Gründung Bad Eilsens entscheidende Akzente setzte, hierzulande bis heute kaum Beachtung findet. Das von ihm entworfene Georg-Wilhelm-Haus wurde 1808 unter Regie seines Nachfolgers Johann Abraham Windt gebaut und 1809 fertiggestellt. Auf den Bau wirft Horst Merckens in seinem Buch "Bad Eilsen - Ein Spaziergang durch zwei Jahrhunderte" Schlaglichter. Demnach musste vor dem Bau die Aue einmal mehr verlegt werden. Sie floss bisher links am Georgenbrunnen vorbei und durchkreuzte das Baugelände. Bergleute höhlten ein neues Flussbett unter einer starken Wand aus Tuffstein aus und untermauerten das Ganze. Dadurch entstand eine große natürliche Brücke, die aber auch große Kosten verursachte. Seit dem damaligen Eingriff liegt der Georgenbrunnen links der Aue. Erst nach Abschluss dieser Arbeiten konnte 1808 mit dem Errichten des Georg-Wilhelm-Hauses begonnen werden. Der Baugrund war von Schlamm durchsetzt. Deswegen gründete Windt das Gebäude auf Pfählen aus Buchenholz. Die Mauern wurden aus Ziegeln hochgezogen, die in Eilsen "open air" in Meilern gebrannt wurden. Dabei entstand ein Bau mit Seitenflügeln, Pferdeställen, Küche und Apotheke; an der Südseite schlossen sich Wagenremisen, an der Nordseite Wohnzimmer an. In das ausgebaute Dach wurde eine Uhrkammer eingesetzt. Neben dem Haus, das über 136 Betten verfügte, gab es eine Mistkuhle. Da ob des Gestanks viele Gäste die Nasen rümpften, wurde in späteren Jahren in der Nähe eine (Extra-)Remise gebaut. 1809 war das Haus mit Masse fertig. Im Jahr darauf wurde es verputzt und "dekoriert", was im Sprachgebrauch der damaligen Zeit bedeutete, dass die Möbel hinein geschafft wurden. In den 200 Jahren seines Bestehens hat das Georg-Wilhelm-Haus mehrere Umbauten erfahren: Der Mittelbau wurde aufgestockt, eine große Veranda angelegt und an der zur Bahnhofstraße gelegenen Front Geschäftsräume eingerichtet. Dennoch präsentiert es sich in seinem Kern noch heute als ein klassizistisches Relikt aus alter Zeit.



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