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Karl-Wilhelm Steinmann beklagt gesunkene Zahlungsmoral auch in der heimischen Region

Handwerker-Rechnungen bleiben länger offen

Hameln (HW). Die Zahlungsmoral in Deutschland leidet zunehmend unter der Weltwirtschaftskrise. Rechnungen werden deutlich schleppender bezahlt als noch vor einem Jahr. Und Unternehmen, insbesondere Handwerksbetriebe, bleiben häufiger auf ihren Forderungen sitzen, weil ihren Kunden das Geld ausgeht. Von dieser Tendenz ist auch die heimische Region nicht ausgenommen, egal, ob es sich um die öffentliche Hand, die Industrie oder Privatpersonen handelt.

veröffentlicht am 08.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Es wird nach wie vor gebaut, wie hier im Hottenbergsfeld. Aber a

„Die öffentliche Hand bezahlt zwar, aber der Zahlungsfluss erstickt in der Bürokratie, zumal oft Projektsteuerer eingeschaltet oder Ämter in drei Ebenen damit beschäftigt sind“, hat Karl-Wilhelm Steinmann beobachtet. Der Kreishandwerksmeister verweist dabei auf die sogenannte Verdingungsordnung für Bauleistungen (VB), die den Kommunen vorschreibt, innerhalb von 18 Tagen einen Abschlag und binnen zwei Monaten die Schlusszahlung zu leisten. „Aber mit diesen Fristen gibt es zunehmend Probleme“, sagt der Bauunternehmer aus Emmerthal.

„Die Kunden zahlen zögerlicher“

Doch auch bei den Privatkunden ist die Zahlungsmoral insbesondere im zurückliegenden Jahr schlechter geworden, wie Steinmann berichtet. „Die Leute zahlen zögerlicher. Auch drohen Ausfälle, weil kein Geld mehr da ist. Die kann der Handwerksbetrieb dann abschreiben“, begründet er und fügt an: „Die gesunkene Zahlungsmoral bereitet den Unternehmen zunehmend Probleme, wenn es bei größeren Aufträgen um Bankbürgschaften für Vertragserfüllungen geht. Das kann sogar zum Ausschluss bei der Auftragsvergabe führen.“ Auch an Überbrückungskredite zu kommen, werde immer schwerer, weil Banken und Sparkassen in Zeiten der Wirtschaftskrise genauer hinguckten „und die Risikobereitschaft zunehmend scheuen“, wie der Kreishandwerksmeister berichtet. Die logische Folge seien dann die Insolvenz und der damit einhergehende Verlust von Arbeitsplätzen, was sich im Landkreis Hameln-Pyrmont derzeit aber nicht als Problem darstelle.

„Wir merken, dass in Einzelfällen die sich verschlechternde Zahlungsmoral zu Liquiditätsengpässen bei gewerblichen Kunden führen kann. Wenn die bereits vorhandene Liquidität dieser Kunden nicht ausreichen sollte, prüfen wir jede Kreditanfrage sorgfältig und verantwortungsvoll“, bestätigt Lars Papalla, Leiter Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadtsparkasse Hameln die strengeren Kriterien. Aber auch sein Institut wolle künftig der Verantwortung für die Kreditversorgung gerecht werden und Kunden bei ihren Vorhaben unterstützen, wenn die Bonität es zulässt, versichert er.

Der zögerliche Finanzfluss nach Zustellung der Rechnung habe zwangsläufig auch Auswirkungen auf die Zahlungsmoral der Handwerksbetriebe selbst, bekennt Steinmann: „Das betrifft dann unsere Lieferanten, die ebenfalls länger warten müssen“. Daran habe aber auch Anteil, dass der Kunde mit immer größer werdenden Argusaugen nach Mängeln sucht, um die Rechnung zu drücken. „Das ist eine neue Tendenz, um Geld zu sparen. Das beobachten wir schon länger. Die ist aber nicht durch die Krise ausgelöst, sondern durch dubiose Serien im TV“, sagt der Kreishandwerksmeister, der aber betont: „Löhne und Gehälter werden nach wie vor pünktlich bezahlt – schon allein wegen der Steuern und Sozialabgaben. Das ist das Allerletzte, woran gespart wird.“

„Kettenreaktion, die sich hochschaukelt“

Hans Jäger, Vorsitzender vom Bund Deutscher Baumeister, Bezirksgruppe Hameln-Pyrmont, spricht von einer „Kettenreaktion, die sich hochschaukelt“. Früher seien offene Rechnungen nicht so das Problem gewesen, „weil genügend Arbeit da war“, aber die Auftragslage sei geringer und damit auch die Kapitaldecke dünner geworden. „Heute muss viel öfter zwischenfinanziert werden“, sagt der Architekt.



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