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Handwerk hofft auf Cemag-Geld

Von Hans-Joachim Weiß

Hameln. Spätestens zum 1. Oktober soll das Insolvenzverfahren über die Hamelner Unternehmensgruppe Cemag eröffnet werden, kündigte gestern Insolvenzverwalter Dr. Oliver Liersch an. Grund: Die Agentur für Arbeit zahle lediglich für drei Monate Insolvenzgelder an die Beschäftigten. Zurzeit arbeitet der Fachanwalt für Insolvenzrecht daran, den regulären Betrieb sicherzustellen und das Unternehmen zu erhalten. Ob die Gläubiger am Ende voll befriedigt werden können, vermag der Hannoveraner noch nicht zu sagen: „Das ist heute Spekulation. Alle Gläubiger werden auf jeden Fall gleich behandelt“.

veröffentlicht am 23.07.2009 um 18:59 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Das erst kürzlich wieder eröffnete Klüt-Restaurant.

Von Hans-Joachim Weiß

Hameln. Spätestens zum 1. Oktober soll das Insolvenzverfahren über die Hamelner Unternehmensgruppe Cemag eröffnet werden, kündigte gestern Insolvenzverwalter Dr. Oliver Liersch an. Grund: Die Agentur für Arbeit zahle lediglich für drei Monate Insolvenzgelder an die Beschäftigten. Zurzeit arbeitet der Fachanwalt für Insolvenzrecht daran, den regulären Betrieb sicherzustellen und das Unternehmen zu erhalten. Ob die Gläubiger am Ende voll befriedigt werden können, vermag der Hannoveraner noch nicht zu sagen: „Das ist heute Spekulation. Alle Gläubiger werden auf jeden Fall gleich behandelt“.
 Auf den Erhalt der von Insolvenz bedrohten Cemag-Gruppe und darauf, dass es weitergeht, setzen auch die heimischen Unternehmen, die an der Neuerrichtung des Klüt-Restaurants beteiligt waren, und die bislang kaum oder gar kein Geld für ihre Arbeit gesehen haben. Verbunden ist damit die Hoffnung, doch noch für den geleisteten Aufwand entschädigt zu werden und eigene Lieferanten bezahlen zu können.
  „An Entlassungen müssen wir zwar nicht denken, aber es tut weh“, sagt Monika Güse vom Hotel „Stadt Hameln“. Sie hat die Forderung auf einen fünfstelligen Betrag und „aufgrund des Vertragszustandes“ Hoffnung, auf die Summe nicht verzichten zu müssen. Viele Betriebe in Hameln und Umgebung gehen jedoch davon aus, aus privater Tasche dazulegen zu müssen, um die gefährdeten Arbeitsplätze zu sichern. „Mein 71 Jahre alter Mann und ich wollten uns eigentlich im nächsten Jahr zur Ruhe setzen und unserem Sohn einen schuldenfreien Betrieb übergeben. Das hat sich zerschlagen – wir werden weiter arbeiten müssen“, weiß Karla Benze. Ihr Familienunternehmen für Bodenbeläge warte ebenfalls auf einen fünfstelligen Betrag. „Wir haben zwar Abschlagszahlungen erhalten, aber es ist schon ein großer Happen, den wir zu verkraften haben“, klagt die Unternehmerin.  Ähnlich sieht es auch Horst Latzel. „Wir verlieren viel Geld, aber es wird uns nicht in unserer Existenz gefährden. Dazu haben wir uns über Jahrzehnte gut aufgestellt und in den Betrieb investiert, statt protzige Häuser zu bauen“, sagt der Inhaber der Firma für Haustechnik mit etwa 70 Mitarbeitern. Latzel hat nach eigenem Bekunden Forderungen gegenüber Cemag im sechsstelligen Bereich und hofft ebenfalls noch auf ein „gütliches Ende“.
 „Guter Dinge“ ist trotz „Mordsforderung“ auch Peter Ulbrich, Inhaber der Firma Elektro Hanisch, der jedoch die Gebrüder Fard als Demag-Eigentümer „schon immer als harte Vertragspartner“ beschreibt. Er bezeichnet es als „unfair“, dass die heimischen Betriebe zunächst zum „Fertigmachen des Klüts gedrängt wurden und wir dann alle mit reingezogen worden sind.“ Noch kann Ulbrich Entlassungen nicht ausschließen. Der Unternehmer hat zunächst einige Angestellte in den Urlaub geschickt. Trotz fünfstelliger Forderung „fein raus“ ist Stefan Maulhardt. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Bedachungsgesellschaft hat seit langem auf Empfehlung seiner Hausbank eine Warenkreditversicherung, die im Falle des Ausfalls bis zu 90 Prozent des offenen Betrages übernehmen wird. Auf eine solche Versicherung kann auch Björn Joachim zurückgreifen. Zusätzlich hat sich der Inhaber der Aerzener Lala-Bau eine Handwerkersicherungshypothek ins Grundbuch des Klüt-Restaurants eintragen lassen. „Das geht per Eilantrag über das Amtsgericht, wenn ich nachweisen kann, eine berechtigte Forderung auf das Objekt zu haben“, erläutert er. Mit weinendem, aber auch lachendem Auge sieht Joachim der Cemag-Entwicklung entgegen: „Einerseits droht ein langjähriger Kunde wegzubrechen, andererseits war die Handelsmentalität der Gebrüder Fard schon immer sehr schwierig.“



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