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60. Kreishandwerkertag in Holzminden mit Bekenntnissen zu Fusions-Gutachten und Ith-Tunnel

Handwerk beweist im Krisenjahr seine Stärke

Holzminden (rei). Von einer „ernsten Lage“ war beim 60. Kreishandwerkertag in der Stadthalle Holzminden angesichts der größten Wirtschafts- und Finanzkrise die Rede. Aber auch davon, dass das Handwerk diese Krise bisher deutlich besser gemeistert habe als andere. Selbstbewusstsein und Hoffnung prägten daher die Ausführungen des Kreishandwerksmeisters Uwe Hinz.

veröffentlicht am 07.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 21:41 Uhr

65 Jahre bei einem Unternehmen: Karl-Heinz Kasten (2. von links)
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Bestärkt wurden er und seine Kollegen in dieser Haltung durch die anerkennenden und dankenden Worte von Landrat Walter Waske und Holzmindens Bürgermeister Jürgen Daul während des Empfangs im „Haus des Handwerks“ – aber vor allem von Festredner David McAllister während der Kundgebung. Der CDU-Landes- und Landtagsfraktionsvorsitzende bekam übrigens den größten Beifall für sein Bekenntnis: „Die Ith-Querung muss und wird eines Tages kommen.“

Jubilare, Jungmeister, freizusprechende Gesellen, ihre Angehörigen und eine Vielzahl von Ehrengästen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft konnte Uwe Hinz auch diesmal in der Stadthalle begrüßen. Nach einem kurzen Rückblick zog er das Fazit: „Die wirtschaftliche Situation unserer Mitgliedsbetriebe stellt sich im abgelaufenen Jahr in der Gesamtbetrachtung als durchaus zufriedenstellend dar“ – und mit diesem Fazit war vor einem Jahr so sicher nicht zu rechnen. Als einen Grund dafür nannte der Kreishandwerksmeister das Konjunkturpaket II, lobte die mittelstandsfreundlichen Vergaberichtlinien und stellte fest, dass mehr als 70 Prozent der Maßnahmen beim Handwerk angekommen seien.

Bereits beim Empfang im Vorfeld der Kundgebung hatte er an die Verantwortlichen appelliert, auch bei der Verteilung der Fördermittel in 2010 die Fach- und Teillosvergabe vor die Generalunternehmerausschreibung zu stellen.

61 Gesellen wurden freigesprochen. Die Drei neben Kreishandwerks
  • 61 Gesellen wurden freigesprochen. Die Drei neben Kreishandwerksmeister Uwe Hinz (links) sind die Besten des Jahrgangs (von links): Anlagenmechaniker Manuel Grote, Fleischer Angelo Kemmerich und Kraftfahrzeugmechatroniker Jan Gellhaus.
CDU-Landesvorsitzender David McAllister sieht die Talsohle noch
  • CDU-Landesvorsitzender David McAllister sieht die Talsohle noch nicht durchschritten.

Dort hatte er auch das regionale Förderprogramm „Pro Invest“ gelobt, das im besonderen Maße dem regionalen Handwerk nutze. Außerdem war er vor den Vertretern aus Wirtschaft und Politik ausführlicher auf den zu erwartenden Fachkräftemangel eingegangen, der kreative Lösungen für eine arbeits- und wohnortnahe Beschulung erfordere. So seien bereits Gespräche über Kooperationen in der Region Weserbergland aufgenommen worden, berichtete Hinz.

Und beim Empfang kam auch das Thema Kreis-Fusion zur Sprache. „Überlegungen einer möglichen Fusion mit Nachbarkreisen sind anhand konkreter Zahlen, Daten und Fakten und Optionen objektiv zu untermauern“, trat Hinz für das umstrittene Fusions-Gutachten ein. Damit gab er Landrat Walter Waske eine gute Vorlage für sein Grußwort während des Empfangs. „Wir werden bis 2025 jeden vierten Einwohner verlieren“, machte er die Situation deutlich.

Außerdem habe die Wirtschaftskrise die kommunalen Haushalte jetzt voll erreicht und hart getroffen. Waske malte das Szenario einer „Verwaltung der Zukunft“, in der alle freiwilligen Aufgaben gestrichen sind und selbst das Verwalten durch Stellenabbau an Qualitätsverlust leide. „Wir können neue Aufgaben überhaupt nicht anpacken, die für die Zukunft wichtig wären“, sagte er voraus. Aus diesem Grund sei eine Fusion überlegenswert.

Vor Waske hatte übrigens Bürgermeister Jürgen Daul beim Empfang gesprochen und nicht mit Lob für das Handwerk gespart. Es genieße in der Bevölkerung hohes Ansehen und verdiene für seine soziale Haltung Dank.

Doch nun wieder zur Kundgebung, in deren Mittelpunkt ja die Festrede stehen sollte. Und David McAllister enttäuschte die Zuhörer nicht. Zunächst stellte auch er die Stärken des Handwerks heraus, zu denen insbesondere das duale Ausbildungssystem und die Meisterprüfung zählen. Das Handwerk sei gerade in der Krise ein Fels in der Brandung. Zwar gab es in einigen Branchen größere Probleme, aber insgesamt habe es sich besser als alle anderen gegen die Krise gestemmt.

Wobei McAllister nicht nur Hoffnung verbreitete. Insgesamt sei die Lage nicht einfach, ja sogar sehr ernst. Um 4,5 Prozent sei die Wirtschaft in 2009 geschrumpft – „das gab es seit Bestehen der Bundesrepublik noch nicht“. Das größte bisherige Minus lag in den 70er Jahren – Stichwort Ölkrise – bei 0,9 Prozent.

Andererseits sei Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Staaten bisher relativ stabil „durchgekommen“. Trotz des Superwahljahres 2009 habe es ein hohes Maß an Übereinstimmung gegeben, als es um die Instrumente gegen die Krise ging. Dass die Talsohle bereits durchschritten sei, glaube er jedoch nicht, so McAllister: „Wir stehen vor einem schwierigen Jahr.“ Stichwortartig nannte er die größten Herausforderungen der nächsten Zeit: Anstieg der Arbeitslosenzahlen, Kreditfinanzierung, kommunale Haushalte, Reform der Finanzmarktaufsicht, Stabilisierung des Euro, Schuldenbremse, Investitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur, Reform des Steuerrechts, Gesundheitspolitik, Neuregelung der Hartz-IV-Sätze, Energiekonzept, Zukunftsthemen wie „Internet überall“ und Neuordnung der kommunalen Finanzen.

„Es gibt so unendlich viel zu tun“, konstatierte der Landespolitiker und appellierte an die Verantwortlichen der neuen Regierung in Berlin: „Hört endlich auf mit den persönlichen Mäkeleien.“

Doch nicht nur auf Hannover oder Berlin richtete McAllister seinen Fokus. „Ich weiß, dass die schlechte Verkehrsanbindung ein Standortnachteil für Ihre Region ist“, rief er in den Saal. Es sei gut, dass das Land fünf Millionen der Planungskosten für die Ith-Querung bereitstelle, denn der Kreis Holzminden sei dringend auf eine bessere Anbindung angewiesen.



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