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Benzinkosten, Strom und Miete zwingen die rund 70 ehrenamtlichen Helfer, das Thema Armut publik zu machen

Hamelner Tafel ist auf 40 000 Euro Spenden angewiesen

Hameln (ul). In seinem Gastvortrag plädierte der Geschäftsführer der Hamelner Ortsgruppe des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Norbert Raabe, dafür, Armut auch im Landkreis Hameln-Pyrmont öffentlich zu machen. Im Jahr 2009 gab es eine steigende Tendenz von 7700 Bedarfsgemeinschaften im Landkreis Hameln-Pyrmont, entnahm Raabe Zahlen der Agentur für Arbeit. Bei 158 000 Bürgern im Landkreis entsprächen 7700 Bedarfsgemeinschaften mit durchschnittlich zwei Personen 15 000 Menschen – zehn Prozent arme Menschen seien das im Landkreis. Darunter seien 1600 Kinder im Alter bis zu sieben Jahren und 1800 Jugendliche im Alter von sieben bis 15 Jahren.

veröffentlicht am 17.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 01:21 Uhr

Die europäische Kommission habe das Jahr 2010 zum „Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung“ erklärt und für Deutschland 15 Millionen Euro Fördergelder bereitgestellt. Raabe hofft, dass sich im Landkreis, ebenso wie in den Städten Göttingen und Osnabrück bereits geschehen, ein runder Tisch Armut bildet, um Fördergelder zu beantragen. Der Vorsitzende der Hamelner Tafel, Hartmut Kahle, motivierte die rund 25 anwesenden Mitglieder zur Jahreshauptversammlung im Expo-Café der Jugendwerkstatt in Schulen, am Arbeitsplatz und im Freundeskreis das Thema Armut anzusprechen. Auch die Tafel brauche finanzielle Unterstützung. Nur mithilfe von Spenden könne die Miete für Lebensmittellager und Büro und die Dependance der Tafel in Bad Münder neben den laufenden Benzinkosten und Versicherungskosten finanziert werden. 111 Mitglieder hat die Hamelner Tafel, das sind 16 mehr als im Jahr 2008.

Die Kundenberechtigungsausweise in der Hamelner Tafel haben sich im vergangenen Jahr von 580 auf 940 fast verdoppelt. Im Schnitt nutzen drei Personen die Waren, die sie mit Berechtigungsschein gegen 50 Cent Gebühr erhalten. So bessern derzeit 2800 Personen ihre staatliche Grundversorgung mit Lebensmitteln der Hamelner Tafel auf. Mit 70 ehrenamtlichen Helfern, sechs Ein-Euro-Jobbern und einem Büroleiter wird der Warenaustausch gemanagt. Kahle: „Wir sind räumlich an der Grenze unserer Möglichkeiten. Wir können ein Außenlager in den Räumen der alten Feuerwache einrichten, das uns die Stadt Hameln solange kostenlos zur Verfügung stellt, bis das Gebäude verkauft ist.“ Für die Lagerverwaltung dort kann Büroleiter Hakan Avci noch Helfer gebrauchen. Mit den 3000 Euro Spendengeldern von Hörern des Lokalsenders Radio Aktiv beim „Wunschpunsch“ und einer Spende des Hamelner Lions Clubs kann nun die Überdachung des Eingangs der Hamelner Tafel realisiert werden.

Aus Emmerthal kommt die Anfrage, ob die Hamelner Tafel auch dort ein Verteilzentrum öffnen könne, um Fahrtkosten nach Hameln für Tafelnutzer zu sparen. „Nur wenn in Emmerthal Räume und Personal zur Verfügung stehen, sei dies möglich“, erläutert Kahle. Kahle betont, dass die Tafel kein Vollversorger für Hartz-IV-Empfänger sei. „Neben den Zusatzlebensmitteln bieten die Ehrenamtlichen Gespräche an, um den Menschen eine Chance zu geben, ein Stück ihres gesellschaftlichen Lebens erhalten zu können.“

Neben der Miete schlagen die Benzin- und Stromkosten heftig als Ausgaben des Vereins nieder, erläuterte die wiedergewählte Kassenwartin Ursula Waltemathe. Für 1700 Euro wurde die Küche umgebaut, ein Spülbecken installiert und ein Geschirrspüler gekauft. Insgesamt beliefen sich die Kosten für 2009 auf 53 303 Euro, im Jahr zuvor lagen sie noch bei 49 212 Euro. Bei Mitgliedereinnahmen in Höhe von 4000 Euro und Kundenbeiträgen in Höhe von 10 000 Euro musste der Verein 40 000 Euro an Spenden aufbringen, um die laufenden Kosten zu decken. Zwar gab es viele Spenden, doch die Summe belief sich insgesamt „nur“ auf 29 300 Euro, das Defizit in Höhe von 10 700 Euro konnte der Verein aus eigenen Rücklagen decken.

In der Dependance der Hamelner Tafel in Bad Münder sieht die Finanzlage nicht rosiger aus: 13 000 Euro Einnahmen stehen 72 796 Euro Ausgaben gegenüber. Allein auf 4300 Euro belaufen sich die dortigen Betriebskosten im Monat. Ein Kraftfahrzeug wurde für knapp 10 000 Euro gekauft, und die Mietkosten stiegen von 2905 Euro im Jahr 2008 auf 9042 Euro, einmalig. Der günstige Mietvertrag konnte nur unter Beteiligung der Kosten für die Fassadenrenovierung erzielt werden.

Zum Bauernmarkt Ende Oktober und beim Weihnachtsmarkt sind die Ehrenamtlichen dabei. Jeweils dienstags bis freitags ist die Tafel für Menschen mit Berechtigungsschein geöffnet. Mit dem seit November eingestellten Büroleiter Hakan Avci und seinem Stellvertreter Klaus Wegener gibt es wieder frisches Obst und Gemüse im Tafelangebot.



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