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Hameln im 19. Jahrhundert

Die Geschichte der Stadt Hameln ist lang, abwechslungsreich und hochspannend. Die Leiterin des Hamelner Stadtarchivs, Silke Schulte, hat die Geschichte von den Anfängen bis zum 20. Jahrhundert aufgeschrieben. Und uns erlaubt, sie hier abzudrucken. Teil 2: Im 19. Jahrhundert bekam vieles eine neue Dynamik. Große Bedeutung hatten Bürgermeister Johann Georg Domeier und Pastor Franz Georg Ferdinand Schläger.

veröffentlicht am 16.03.2018 um 15:41 Uhr

Von Silke Schulte

Mit der Demolition der Festung erhielt Hameln endlich die Möglichkeit, sich über den seit dem Mittelalter unverändert gebliebenen Stadtbereich hinaus auszuweiten und es wurden nun großzügige Ausfallstraßen angelegt. Mit Johann Georg Domeier (1770–1850) erhielt Hameln 1817 einen Bürgermeister, der die Stadt mit Tatkraft und Geschick in das neue Zeitalter führte. Durch Verkäufe bisher städtischer Einrichtungen und Rechte gelang es Domeier, die aus den Kriegen herrührenden städtischen Schulden zu tilgen. Domeier war auch maßgeblich an dem Verfassungsreglement für die Stadt Hameln von 1824 beteiligt. Dieses beseitigte die Einrichtung des Stadtschulzen, brachte die Trennung des Stadtgerichts von der reinen Verwaltung und als wesentliche Neuerung die Bildung eines Kollegiums zur Repräsentanz der Bürgerschaft. Eine weitere wichtige Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts war für Hameln der Pastor Franz Georg Ferdinand Schläger (1781–1869), der 1822 nach Hameln gekommen war. Sein Wirken lag vor allem auf dem Gebiet der gemeinnützigen Wohlfahrtspflege und der Volksbildung. So begründete er bereits 1823 eine Sonntagsschule, 1824 eine Töchterschule. 1823 gründete er mit den „Hamelnschen Anzeigen zum Besten der Armen“ die erste Zeitung in Hameln.

Die ersten Industriebetriebe siedelten sich in den 1830er Jahren an: die Papierfabrik Wertheim an der Humme bei Wangelist (1830), die Wollwarenfabrik Marienthal an der Hamel nahe Rohrsen (1831) und die Zementfabrik Wendelstedt & Meyer am westlichen Weserufer nördlich der Münsterbrücke (1833). Trotz dieser positiven Ansätze blieb Hameln noch lange Zeit eine Stadt, in der eher kleine Handwerker- und Gewerbebetriebe das Bild bestimmten. Erst gegen Ende des Jahrhunderts veränderte sich dieses. Elektro- und eisenverarbeitende Industrie, Teppichfabriken und Nahrungsmittelbetriebe wurden zu bestimmenden Faktoren im Wirtschaftsleben Hamelns, was sich später noch mit den in Hameln ansässigen Wesermühlen, der Firma Vogeley und den Vorwerk Teppichwerken zeigte und zeigt.

1848 kam es auch in Hameln zu einigen Unruhen, die sich jedoch im Rahmen hielten. Ein Kind der Revolution ist die Deister- und Weserzeitung, die am 4.7.1848 erstmals erschien und damit eine von sechs Zeitungen in Deutschland ist, die seitdem selbstständig bestehen. Durch die neue Hannoversche Städteordnung von 1851 kam es auch in Hameln zur Aufhebung der seit dem Mittelalter ausgeübten Stadtgerichtsbarkeit, die auf die staatlichen Amtsgerichte überging. 1852 wurde Hameln Sitz eines Obergerichts, das dafür errichtete Dienstgebäude ist noch heute als Altbau des Amtsgerichts in Funktion.

1866 kam Hameln mit dem Königreich Hannover nach fast 700-jähriger welfischer Oberhoheit an Preußen und wurde 1867 selbstständige Stadt in der neuen Provinz Hannover.



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