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Krimiautor Günter von Lonski findet an der Weser jede Menge Inspirationen /Preis für „RatzFatz“

Hameln – eine Stadt voller herrlicher Tatorte

Hameln. „Was sind das alles für herrliche Tatorte hier am Weserrufer“, ruft der Kriminalschriftsteller Günter von Lonski entzückt aus, springt auf einen Anlegepoller und droht in die braune, gurgelnde Flut zu springen. Auch am wild übers Wehr schäumenden Wasser kann er sich nicht sattsehen. Für ihn ist das Inspiration pur. „Fehlt nur noch eine vorbei treibende Wasserleiche“, murmelt er.

veröffentlicht am 07.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 18.03.2010 um 14:59 Uhr

Tatort Hameln: Krimiautor Günter von Lonski lässt sich von der W

Autor:

Ernst-August Wolf

Günter von Lonski, Jahrgang 1943, hat den alle zwei Jahre vom Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes ausgeschriebenen Rolf-Wilhelms-Literaturpreis 2010 gewonnen. Gesucht wurden diesmal Krimis aus dem Weserbergland. „Das war eine neue Idee, einmal einen Krimi auszuschreiben“, erklärt DRK-Geschäftsführer Lutz Schiffling. Insgesamt 73 Kurzkrimis aus ganz Deutschland flatterten der fünfköpfigen Jury um Wilfried Altkrüger auf den Tisch. „Jede Menge Lesestoff, auch wenn der jeweilige Fall auf höchstens fünf Schreibmaschinenseiten aufgeklärt werden musste.“ Schnell war klar, dass Günter von Lonskis Geschichte „RatzFatz“ das Rennen machen würde.

Es geht darin um eine junge Frau, die sich mit ihrem Laptop in der Fußgängerzone zwar illegal aber höchst originell in eine Firma „einhackt“ und sich so mit allerlei Druckmitteln den ersehnten Praktikumsjob verschafft. „Könn’se glauben oder nicht“, brummt von Lonski, „aber die war auf einmal da und da wusste ich, dass das meine Geschichte ist.“ Der Gedanke an seine moderne Rattenfängerin habe ihn nicht mehr losgelassen. „Klar, dass das eine Frau sein musste, denn die sind dynamischer, zielstrebiger und kreativer“, stellt der Autor fest.

Entdeckt habe man seine Fähigkeit zum Schreiben beim Studium an der Kunstakademie in Berlin, berichtet der aus dem Duisburger Arbeitervorort Lahr stammende gelernte Werbetexter. „So mal eben 30 Seiten auf eine halbe eindampfen, das war eine harte aber gute Schule“, erinnert er sich. Krimis, Romane, Kinder- und Jugendbücher, sowie Sachbücher, Theaterstücke, am liebsten aber Satiren und Glossen produziert der Vielschreiber, der vor fünf Jahren „der Liebe wegen“ nach Arnum bei Hannover zog. Dabei koste es ihn immer wieder Überwindung, sich an den Schreibtisch zu setzen. „Ich mache den PC an und spiele meist erst mal ein Spiel, dann noch eins, wenn der Druck dann steigt, dann trinke ich zwei Tassen grünen Tee und nach den ersten Worten läuft’s.“

Wenn er dann den passenden Erzählkern erwischt hat, dann reißen ihn seine Figuren einfach mit. Wie etwa sein „Alter Ego“, der Ermittler Ludger Lage, der in einem alten Wohnwagen am Campingplatz am Arnumer See haust. Aber auch die „Hamelner Geschichte hatte plötzlich so einen Groove, der mich einfach mitgerissen hat“, gesteht von Lonski. Das sei das Schönste beim Schreiben, wenn „die Geschichten und Figuren mich mitnehmen auf Wege, die ich nie vermutet hätte.“

Günter von Lonskis „RatzFatz“ kommt ohne bluttriefende Gewalt aus. Überhaupt sind seine Kriminalgeschichten von besonderer Art, fallen aus jeglichen Klischees. Weder sind es Krimi-Puzzles im Stile der „Whodunits“ einer Agatha Christie, noch sind es actiongeladene „Hard-boiled Stories“. Von Lonski führt die für das Genre gänzlich untypischen Stilmittel der Ironie und des Humors ein. „Das war bei Kriminalgeschichten und Romanen bislang selten oder gar nicht zu beobachten“, stellt auch sein Verleger Dietrich zu Klampen fest. Krimis, auch die immer beliebter werdenden Regional- und Lokalkrimis, zeichneten sich durchweg durch „eine Abwesenheit von Humor“ aus. Günter von Lonski habe, darin ist sich zu Klampen mit der Herausgeberin seiner bislang acht Titel umfassenden Lokalkrimi-Reihe, der Bestsellerautorin Susanne Mischke, einig, „dieses Schema mit seinen skurrilen Mini-Krimis endlich einmal durchbrochen.“

Auch die Autorenkollegen und -kolleginnen der im „Syndikat“ zusammengeschlossenen Kriminalschriftsteller bestätigen dem von Lonski, er sei „ein Meister des augenzwinkernden Kurzkrimis“.

Ein Augenzwinkern, das sich auch in seiner modernen Variante der Rattenfängerplage widerspiegelt, in der die Ratten zwar nur virtuell, die junge Rattenfängerin im Gegensatz zum historischen Vorbild am Ende aber ihren wohlverdienten Lohn kassieren kann.

„Uns Juroren hat die Geschichte gleich überzeugt“, sagt Wilfried Altkrüger.

Am Mittwoch, 10. März, ab 19 Uhr findet die Preisverleihung auf der Studiobühne des Theaters statt.

Günter von Lonski ist sich sicher, dass das nicht seine letzte Geschichte um die Rattenfängerstadt gewesen ist. Wie könnte das auch sein, schließlich stecke diese Stadt doch „voller herrlicher Tatorte.“

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