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Plädoyer für mehr Gelassenheit im Umgang mit Halloween und für ein lebendigeres Reformationsfest

Halloween: Spiel mit der Furcht vor dem Dunklen

Andreas Kühne-Glaser

veröffentlicht am 31.10.2007 um 00:00 Uhr

Der ausgehöhlte Kürbis ist Symbol des Festes, dessen heutige For

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Superintendent

Ach, was tun wir christliche Kirchen uns schwer mit Halloween! Da haben vor einigen Jahren ein paar findige Kaufleute diesen Brauch aus den angelsächsischen Ländern zu uns geholt und die Medien haben das ihre dazu getan. Und mittlerweile denken die meisten Kinder und Jugendlichen zu dieser Jahreszeit mehr an von Kerzen beleuchtete Kürbisfrazen und Gruselgeschichten als an den Reformationstag, den wir ja auch an jedem 31. Oktober feiern. Aber Hand aufs Herz: Denkt denn diese Altersgruppe jemals Ende Oktober an den Kirchengründer wider Willen Martin Luther? Doch meist nur da, wo sein Wirken in Schule und Konfirmandenunterricht thematisiert wird und Schulgottesdienste dazu gefeiert werden - in diesem Jahr liegt der Reformationstag leider in den Ferien. Das Reformationsfest ist weitgehend ein nüchternen "Kopffest". Obwohl in seinem Mittelpunkt das Gedenken an einen überaus leidenschaftlichen Menschen und sein Ringen um den rechten Glauben steht, der mit seiner Ich-Stärke und Zivilcourage seiner Zeit weit voraus war (und unserer ungleich nahe), fehlt diesem Fest meist die Sinnlichkeit. Anders Halloween. Zwar hat dieser Brauch nur sehr wenig inhaltliche Substanz geschweige denn irgendeine mystische Tiefe, aber er spricht an der Schwelle zur dunklen und kalten Jahreszeit genau die Gefühle an, die wir mit dem Monat November bewusst und unbewusst verbinden: Furcht vor dem Ungewissen und Dunklen. Und er bietet Kindern und Jugendlichen ein Ritual auf spielerische Weise mit diesen Gefühlen umzugehen und sich mit ihnen auseinander zu setzten. Sie schlüpfen mit Hilfe einer Maske oder Bemalung selbst in die Rolle des Dunklen und nehmen ihm damit das Bedrohliche, das sie nun im "trick or treat" ("Süßes - oder es gibt Saures!") an der Haustür gegen die Erwachsenen richten. Wie reizvoll einmal die Rollen zu tauschen und die zu erschrecken, vor denen man selbst immer wieder mal Angst hat! In allem, was einem Angst machen kann, liegt auch etwas Anziehendes und Faszinierendes. Darin finden sich aber auch die Gefahren dieses Festes. Wenn satanische Gruppen Halloween als Tag des Teufels feiern, ist Halloween kein unverbindlicher Spaß mehr. Aber es reicht auch schon, wenn kindliches und jugendliches Halloweenspiel umkippt in aggressive körperliche und seelische Gewalt und das kann eben auch passieren. Dennoch möchte ich zu mehr christlicher Gelassenheit im Umgang mit dem Fest am Vorabend von Allerheiligen ("Allhallows Eve") aufrufen. Umstritten sind seine keltischen Wurzeln und es wird manch Dunkles in dieses Fest projiziert. In seiner heutigen Form stammt es von irischen Einwanderern in die USA. Erzählt wird die Legende von Jack O'Lantern, der durch eine List der Hölle entging, dem aber auch die Tür zum Himmel verschlossen blieb und der seitdem zum ewigen Wandern bestimmt ist, unterwegs mit einer Kerze in einer ausgehöhlten Rübe. Diese Geschichte mag - will man sie mit Ernst betrachten - sinnbildlich für alles auf dieser Welt stehen, in dem Menschen sich als gefangen erleben und keinen Ausweg mehr haben. Insofern steht sie für die Frage nach Heil und Unheil, Gut und Böse. Und von solchen Geschichten gibt es seit Menschengedenken unendlich viele auf dieser Welt. Immer sind sie auch Ausdruck der Suche nach dem, was dem Leben dient und ihm gut tut. Und das versuchen wir ja alle ein Leben lang herauszufinden. Spielerisch wie ernsthaft. Dass ich als Christ dazu Antworten in meinem Glauben an einen Gott gefunden habe, der mich unabhängig von meinem eigenen Tun und Lassen liebt und annimmt, und mir immer wieder Auswege aus ausweglosen Situationen zeigen will und dies auch tut, muss ich zu Halloween (und gerade im Zusammenhang mit dem Reformationsfest) nicht verschweigen, ich muss dieses Fest aber auch nicht verteufeln. Auf dem Hintergrund meines Glaubens kann ich es vielleicht sogar mit Spaß und Fröhlichkeit mitfeiern und darauf achten wo es für falsche Zwecke missbraucht wird. Sein Erfolg bei Kindern und Jugendlichen ist darüber hinaus ein Ansporn an mich und meine Kirche das Reformationsfest wieder sinnenfroher und lebendiger zu feiern.

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