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Schaumburger Börsennacht steht im Zeichen der weltweiten Finanzkrise / Neuer Teilnehmerrekord

Hahne: "Es hat uns in die Hölle blicken lassen"

Stadthagen (jl). Knapp 400 Besucher - platzmäßig ist am Freitagabend in der Schalterhalle der Stadthäger Sparkasse am Markt kaum noch etwas gegangen. Was geht noch am Finanz- und Aktienmarkt? Woher kommt die Krise? Wohin geht die wirtschaftliche Entwicklung? Das waren Fragen, die zur Diskussion standen und beleuchtet wurden.

veröffentlicht am 17.11.2008 um 00:00 Uhr

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Um es gleich vorweg zu nehmen: Torsten Windels, der Chefvolkswirt der Nord/LB und Stammgast bei den Schaumburger Börsennächten, sieht für die nähere Zukunft der deutschen Wirtschaft eher Moll als Dur. Windels machte das vor dem Hintergrund der Lage am Finanzmarkt und an den Börsen hauptsächlich an zwei Eckpunkten fest: Nahezu unbemerkt "von uns" habe die deutsche Wirtschaft in den vergangenen zwei bis drei Jahren ihre Exportposition deutlich ausgebaut - und damit ihre Abhängigkeit von Störungen auf den Märkten vergrößert. Zweiter Punkt: Windels sieht etwa im Vergleich USA - Deutschland gravierende Nachteile für die deutsche Wirtschaft, weil das Konjunkturprogramm der Bundesregierung ein weitaus geringeres Volumen habe als das der US-Regierung. Windels legte auch an anderen Punkten dar, dass die Verursacher der Finanzkrise in den USA weniger unter den Folgen zu leiden haben als andere Länder. Ein Punkt sei es, dass große Projekte momentan kaum noch zu finanzieren seien, weil Banken anderen Banken - als Folge der Krise - kaum noch Kapital zur Verfügung stellen. Der Referent machte zudem deutlich, dass die Verursacher nach dem großen Crash - der noch nicht beendet sei - ziemlich unbekümmert weitermachen, etwa indem amerikanische Banken staatliche Finanzspritzen benutzten, um "Dividenden auszuschütten". Sparkassen-Vorstandssprecher Hans-Heinrich Hahne machte im Interview mit Moderator Uwe Graells deutlich, dass ihn und Kollegen die Pleite von Lehman Brothers wie der Super-Kulturschock getroffen hat: "Es hat uns in die Hölle blicken lassen", betonte er. Noch immer sei es ein Rätsel, warum die "Amerikaner nichts gemacht haben". Windels hatte klipp und klar festgestellt, dass die staatliche Passivität im Fall der Riesenbank falsch gewesen ist. Bei der Begrüßung hatte der Schaumburger Sparkassenchef die derzeitige Situation so geschildert: "Es gibt 'ne Menge schwieriger Gespräche" - mit anderen Banken und mit Kunden, die fragen, ob ihr Geld "in unseren Tresoren auch sicher ist".

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