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Starker Anstieg gemeldeter Fälle

Häusliche Gewalt wird polizeilich besser erfasst

Stadthagen (jl). 130 Fälle von häuslicher Gewalt sind bis Ende Oktober in der Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) an der Stadthäger Bahnhofstraße aktenkundig geworden. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2007. Dahinter steckt unter anderem eine neue Taktik der Polizei. Die Beamten dokumentieren Anzeichen von Gewalt gründlicher als zuvor.

veröffentlicht am 13.11.2008 um 00:00 Uhr

Gabriele Dransfeld leitet jetzt die BISS in Stadthagen. Foto: jl

Wie berichtet, ist die BISS seit dem 1. Juli neu aufgestellt: Gabriele Dransfeld berät seitdem Gewaltopfer, von denen sie überwiegend in Folge polizeilicher Ermittlungen aufgesucht wird. Dransfeld stehen für diese Aufgabe in Schaumburg 13 Stunden in der Woche zur Verfügung. Zur bisherigen Zwischenbilanz für dieses Jahr gehören nach ihren Angaben außer den genannten 130 Vorgängen 31 Platzverweise für Gewalttäter sowie knapp zehn Arreste. Auch diese Zahlen sind höher als die von 2007. Die Steigerung ist nach den Worten von Dransfeld kein Indiz für eine absolute Zunahme häuslicher Gewalt. "Eswird mehr hingeguckt", deutete die Sozialpädagogin auf die eigentliche Ursache für die Entwicklung hin. "Es wird mehr dokumentiert und an die BISS weitergeleitet", erklärte Axel Bergmann, der Präventionsbeauftragte der Stadthäger Polizei. Bergmann gehört zusammen mit der Richterin Gönna Freifrau von Blomberg, Kreisfrauenbeauftragte Undine Rosenwald-Metz sowie Awo-Kreisgeschäftsführerin Heidemarie Hanauske zum Koordinationsteam der Beratungsstelle. Bergmann: "Wir haben von anderen Ländern gelernt, die schon längere Erfahrungen haben." Deshalb würden jedes Anzeichen und jede Meldung über häusliche Gewalt aktenkundig gemacht. Das ist nach Einschätzung von Richterin von Blomberg wichtig, damit Täter auch von der Justiz verurteilt werden können. Dazu sei es notwendig, dass jede Verletzung dokumentiert wird. Zudem seien "externe Zeugen" (Polizeibeamte) nötig, damit nicht Prozesse eine "Enttäuschung beim Opfer erzeugen". Von Blomberg: "Wenn jemand die Treppe runterfällt, muss das aktenkundig gemacht werden". Die Polizei führt laut Bergmann seit Jahresbeginn nicht nur gründlicher Protokoll für eine optimal fundierte Beweislage. Die Beamten kontrollieren auch Sanktionen gegen Gewalttäter genauer, um Wiederholungstaten beziehungsweise Eskalationen vorzubeugen. So wird bei Wegweisungen -wenn Täter aufgrund richterlicher Anordnung Distanz zum Opfer halten müssen -nachgeschaut und analysiert, ob es noch ein Gefahrenpotenzial gibt. Dransfeld und das Koordinations-Team wissen aus Erfahrung, dass sich ein Gewaltpotenzial in Ehen oder anderen häuslichen Gemeinschaften oftmals hartnäckig lange halten kann. Viele Opfer erscheinen mehrfach bei der BISS, bis sich ihr Problem so oder so löst. Ein häufiger Grund sei zum Beispiel, dass gequälte Frauen oft nur wollen, "dass die Gewalt aufhört" aber nicht die Beziehung zum Täter infrage stellen.

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