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Indianernessel (Monarda)

Häuptling im Staudenbeet

Dass die Blätter der Indianernessel (Monarda) einen ausgezeichneten, aromatischen Tee erbringen, ist so eine Begleiterscheinung dieser ab Juni/Juli verlässlich blühenden Staude, die viele Menschen in ihrer ganzen Vollkommenheit nicht (zu schätzen) wissen.

veröffentlicht am 06.07.2018 um 00:00 Uhr

Die Indianernessel ’Squaw‘ passt hervorragend unter anderem zum Kandelaber-Ehrenpreis. Ihr kräftiges Rot hält lange. Foto: ey

Autor:

Saskia Gamander und Jens F. Meyer
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Und doch trifft es in der Tat zu, dass diese Zierde einen lukullischen Beitrag leisten kann, auch mit ihren Blüten, die auf Obstsalaten sehr dekorativ aussehen. Aus der wilden Art Monarda didyma brühen sich die Ureinwohner Nordamerikas noch heute den fruchtigen und leicht minzig schmeckenden Oswego-Tee zu.

Und doch ist der üppige Augenschmaus, den die Monarden ihren Betrachtern servieren, deutlich höher einzustufen, als ihr Geschmack. Wo die Indianernessel erst einmal Wurzeln geschlagen hat, wird sie auf normal humosem bis feuchtem Boden jeden Sommer farbige Akzente setzen können – in rot, weiß, lila, pink und purpurn.

Es heißt im Allgemeinen, dass Indianernesseln einen vollsonnigen Standort benötigen. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn weil der frische, feuchte und von Sommersonne nicht zu trocken fallende Boden hier die Basis guten Wachstums ist, wird ein halbschattiger Standort, der erst gegen Mittag von ersten Sonnenstrahlen erfasst wird, ein mindestens ebenso gutes Ergebnis erbringen. Erfahrungen haben gezeigt, dass dieser besondere Lippenblütler auch dann, von morgendlichem Schatten versehen, nur in regnerischen Sommern von Echten Mehltau geplagt wird, wobei einige Sorten ohnehin nahezu mehltauresistent gezüchtet worden sind, zum Beispiel ’Squaw‘ und ’Schneewittchen‘.

Im gemischten Staudenbeet sorgen Indianernesseln für kräftige Farbtöne. Das liegt an ihren zerzausten Blütenständen; sie geben der Pflanze auch ihren deutschen Namen, denn sie erinnern tatsächlich an den Kopfschmuck von Indianern. Fast drollig, wie sie aus den Blüten spinxen, und dort, wo ebenso hoch werdende Begleitpflanzen wie Rudbeckia-Sonnenhut, Phlox oder Vexiernelke in direkter Nachbarschaft stehen, scheint es, als wenn ein Indianerstamm auf Lauer liegen würde…

Aus hauptsächlich zwei Arten sind im Laufe der Jahre viele Sorten geworden; Züchter haben hier ab dem 19. und verstärkt im 20. Jahrhundert für enormen Zuwachs gesorgt. Die Art Monarda didyma ist nach wie vor erhältlich und mit ihren burgunder- bis bordeauxroten Blüten eine Bienenweide. In der Spezialisierung und damit einhergehender Sortenwahl können Gartenbesitzer aus dem Vollen schöpfen: Viele Sorten sind robust, winterhart und blühen toll. Allein von der Frage, wo die Indianernesseln schließlich ihren Platz erhalten sollen, hängt die Sortenfrage ab. Denn ’Ou Charm‘ wird nur 50 Zentimeter hoch, ’Prärienacht‘ 85 Zentimeter, und ’Libra‘ kommt sogar auf 150 Zentimeter und wäre damit sicher kein Favorit für den Beetrand.

Ein Komplettrückschnitt nach der Blüte im Sommer ist weder notwendig noch sinnvoll. Erstens wird die Indianernessel nicht, wie dies bei anderen prachtvollen Stauden mitunter der Fall ist, neu austreiben und im Spätsommer ein zweites Mal blühen. Und zweitens dienen die abgeblühten Stängel ab dem Winter den heimischen Vögeln als Nahrungsquelle. Geschnitten wird also erst im Frühling. Alle drei bis vier Jahre will die Monarde geteilt werden; so erhält sie ihre Blühfreudigkeit.



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