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Minutenlanger Beifall in voll besetzter Kirche / Hohes Gesamtniveau

Händels "Messias" in St. Nikolai: Bewegte und bewegende Aufführung

Rinteln (dis). Was für ein "Hallelujah"! Ehrfürchtig zögernd zunächst, dann emphatisch jauchzend! Die Engländer hätten sich wohl von den Plätzen erhoben, um dem Allerhöchsten und "ihrem" Georg Friedrich Händel Reverenz zu erweisen.

veröffentlicht am 19.11.2008 um 00:00 Uhr

Wolfgang Westphal hielt sein Ensemble sicher zusammen und den Sp

Auch wenn bei Wolfgang Westphals englischsprachiger Aufführung am Sonntagabend in der voll besetzten St.-Nikolai-Kirche niemand aufstand, war dennoch das Beeindruckende dieses bekannten Chorus aus Händels Oratorium "Messias" intensiv spürbar. Es ist aber nicht allein das berühmte "Halleluja". Das Oratorium bündelt Jesu Werden, Vergehen und Auferstehen zu einem gigantischen Ganzen. Dieses braucht seine Zeit. Und weil das aus Bibelzitaten montierte Libretto ganz auf Dramatik, ja sogar Handlung verzichtet, kann es sich für die Zuhörer als langwierig erweisen, den Gipfelpunkt des Sakralwerks zu erklimmen. Nicht so in des Kreiskantors Version: Der Schaumburger Oratorienchor, der Jugendchor der evangelischen Singschule, das Detmolder Kammerorchester und die Solisten Ina Westphal (Sopran), Sandra Firrincieli (Alt), Daniel Johannsen (Tenor) sowie Stefan Zenkl (Bass) zeigten, wie mühelos man dieses Ziel zu erreichen vermag, wenn der Spannungsbogen aufrechterhalten wird. Von Beginn an hielt Westphal mit unzweifelhafter Schlagtechnik und dirigentischem Elan seine Ensembles sicher zusammen. Durch diese Führung und lange Probenzeiten bekamen die - dank der vielen jungen Stimmen aufgefrischten - Chorpartien besondere Wirkung und verschmolzen zu einer farbenreichen Einheit. Packend und präzise gelang der großen Sängergarde selbst die tückische Polyfonie des "Denn es ist uns ein Kind geboren". Bewundernswert, welch hohes Gesamtniveau die stark geforderten Vokalisten erreichten. Der sängerische Impetus übertrug sich auf das Detmolder Kammerorchester, das außer im harmonischen Tutti-Klangbild auch in den Solopassagen (B-Trompete) überzeugte. Wandlungsfähig zeigten sich darüber hinaus die Solisten, indem sie jeder Textaussage nuanciert und fein koloriert Nachdruck verliehen. Den Reigen eröffnete Daniel Johannsen, der mit gefühlvoll timbriertem Tenor tröstende Bibelworte vermittelte. Mit markantem Bass ließ Stefan Zenkl tobende Heiden und apokalyptischen Trompetenschall lebendig werden. Schlichte Zuversicht und ansteckende Freude prägten das klar intonierte, ergreifende Bekenntnis von Sopranistin Ina Westphal: "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt". Der schön tragende Sopran hat noch an Volumen gewonnen und überzeugte durch elegante Technik, die sich nicht nur in den Registerwechseln spiegelte. Bliebe Sandra Firrincieli, die mit ausdrucksvollem Alt vom Leiden und Sterben des Erlösers berichtete. Das Publikum reagierte durch minutenlangen Beifall auf dieses Konzert, das eigentlich mehr war: Evangelium in seiner ansprechendsten Form.



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