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Einbußen für die anderen Nahversorger sind jedoch zu erwarten / Wer übernimmt Aldi-Standort?

Gutachter: Viele Vorteile durch das "Rösertor"

Obernkirchen (sig). Was wird aus dem geplanten Einkaufszentrum "Rösertor"? Eine vorentscheidende Antwort auf diese Frage erwarteten die Mitglieder des Rates und leider nur wenige Zuhörer von einer Untersuchung, die von der Stadt kurzfristig in Auftrag gegeben worden war. Am Donnerstagabend stellte Bürgermeister Oliver Schäfer die Ergebnisse der Erlanger Markt- und Standort-Beratungsgesellschaft (früher Icon Regio) vor. Fakt ist: Auch danach steht der Rat vor einer Entscheidung, die ihm nicht leicht fallen wird.

veröffentlicht am 30.06.2007 um 00:00 Uhr

Aldi und Kik unter einem Dach - das wird es nicht mehr geben, we

Ein wichtiger Hinweis steht an der Spitze der abschließenden Bewertung: "Das Projekt ist in seiner geplanten Version nur teilweise als städtebaulich verträglich einzuschätzen." Begründet wird diese Beurteilung mit der Erwartung, dass durch ein solches Vorhaben ein gewisser Umverteilungsprozess bei Nahrungs- und Genussmitteln nicht zu vermeiden sein wird. In der Summe jedoch - davon sind die Expertenüberzeugt - wird durch diese Investition die Sortimentsstruktur der Bergstadt gestärkt und der Abfluss der Kaufkraft reduziert. Diese Prognose wird unter anderem damit begründet, dass die Einwohner der Bergstadt in jedem Fall einen Schuhmarkt begrüßen würden, der bislang fehlt. Auch die dort geplante Bekleidungsfiliale von Ernstings Family wird sicherlich eine zusätzliche Nachfrage auslösen, selbst wenn 160 Quadratmeter nicht gerade eine sonderlich große Ladenfläche sind und man davon ausgehen muss, dass dann der derzeitige Standort in der Innenstadt aufgegeben wird. Um annähernd diese Größenordnung will sich auch der Aldi-Markt vergrößern, wenn erden Bornemannplatz verlässt und sich am Rösertor ansiedelt. Zusammen mit dem geplanten Rewe-Verbrauchermarkt, für den eine Größenordnung von 1100 Quadratmetern vorgesehen ist, dürfte die hier entstehende Anziehungskraft unvermeidlich zu Lasten anderer Anbieter auf dem Nahrungsmittelmarkt gehen, wie Marktkauf, Lidl und Markant. Wünschenswert für die Obernkirchener Geschäftswelt wäre jedoch, dass die Bergstädter künftig weniger auf Angebote der großen Märkte in den Nachbarstädten Bückeburg und Stadthagen zugreifen. Außerdem wird erwartet, dass der vorgesehene Standort am Rande einer Landesstraße zusätzliche Käufer aus dem Durchgangsverkehr bringt. Das Gutachten kommt letztlich zu dem Schluss, dass die Ansiedlung der Einzelhandelsgeschäfte auf dem ehemaligen Ackemann-Gelände nicht zu einer Dominanz gegenüber den anderen vorhandenen Nahversorgungszentren führe und damit auch keine negativen städtebaulichen Auswirkungen auf die Innenstadt habe. Die Umsatzerwartung für alle Geschäfte beim Rösertor wird mit jährlich 7,2 Millionen Euro angegeben, davon 5,2 Millionen im Bereich Nahrungs- und Genussmittel. Eine für Obernkirchen ermittelte Kaufkraftbilanz zeigt, dass nur drei Bereiche in der Pluszone liegen. Das sind neben Lebensmitteln noch Möbel und Einrichtungsbedarf sowie Haushaltswaren, Glas und Porzellan. Das stärkste Defizit wurde für den Bau-, Garten und Heimwerkerbedarf sowie für Bekleidung und Lederwaren ermittelt. Auf den nächsten Plätzen folgen Elektrowaren, Gesundheits- und Körperpflege, Schuhe sowie Hobby- und Freizeitartikel. In diesen Segmenten könne, so das Gutachten, der ansässige Einzelhandel die vorhandene Kaufkraft nicht binden. Trotz der in den vorgenannten Bereichen ermittelten Unterversorgung kommt das Gutachten zu dem Schluss, dass der Gesamtwert für ein Grundzentrum noch als sehr gut zu bezeichnen sei. Der für das Jahr 2007 prognostizierte Einzelhandelsumsatz wird mit 43,9 Millionen Euro angegeben. Das wäre ein Rückgang von einer Million gegenüber dem zum Vergleich herangezogenen Jahr 2001. Das derzeitige Kaufkraftpotenzial der Bergstadt liegt bei 49,9 Millionen Euro. Damit wären noch zusätzliche Umsatzchancen in einer Größenordnung von rund sechs Millionen Euro vorhanden. Bei einem Vergleich mit den Nachbarorten Bückeburg, Stadthagen und selbst Nienstädt hat Obernkirchen im Einzelhandelsangebot noch einiges aufzuholen. Die Bergstadt liegt auch leicht unter dem Bundesdurchschnitt. In einer Hinsicht unterscheidet sie sich jedoch kaum von vergleichbaren Kommunen: Die Anzahl der Geschäfte ist geschrumpft unddamit auch die die insgesamt genutzte Verkaufsfläche. Sie sank von 18380 Quadratmetern im Jahre 1990 auf zurzeit 15080. Das Gutachten enthält auch eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen. Dazu gehören unter anderem die Einführung einheitlicher Kernöffnungszeiten, die transparentere Gestaltung von Ladeneingängen, attraktivere Schaufenster, modernere Ladeneinrichtungen, ein übersichtlich angeordnetes Warenangebot mit zusätzlichen Blickfängen und ein sinnvoll genutztes Werbebudget, für das zwischen drei und fünf Prozent des Umsatzes veranschlagt werden. Die Anziehungskraft der Bergstadt werde zudem erhöht durch ein durchdachtes Beleuchtungskonzept für die Geschäfte, die historischen Bauten und besonders ansprechend gestaltete Wohnhäuser. Ganz wichtig sei auch die Sauberkeit der Straßen, Bürgersteige und Plätze. Als Ziel geben die Gutachter an, die Kunden durch ein angenehmes und hochwertiges Einkaufsambiente länger zum Verweilen in der Innenstadt zu animieren. Die Beratungenüber das 70-seitige Gutachten gehen indessen weiter. Am 11. Juli steht ein Experte der Erlanger Gesellschaft den Ratsfraktionen Rede und Antwort.

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