weather-image
20°
2. Diabetikertag informiertüber Umgang mit der Krankheit / Oft wird Diabetes erst spät erkannt

"Gummibärchen sind schlimmer als Schokolade"

Bad Nenndorf (tes). Die Stoffwechselstörung Diabetes befindet sich auf dem Vormarsch. "Acht Prozent der Bevölkerung sind Diabetiker", erklärt Dr. Hans-Rudolf Werner. Tendenz steigend. Das Fatale: "Viele merken es nicht", warnt der Diabetologe mit Schwerpunktpraxis vor den Folgen. Beim 2. Diabetikertag in Bad Nenndorf klärten Fachleute auf und machten Betroffenen Mut.

veröffentlicht am 05.10.2006 um 00:00 Uhr

Auf dem Lehrpfad: Wolfgang Fischer prüft die Nerven in den Füßen

Im Kurhaus haben sich zahlreiche Diabetiker und Interessierteüber den Forschungsstand und neue Angebote zum Thema informiert. Von der Bio-Fettanalyse, Insulinpumpen bis zur elektronischen Fußdruckmessung und den passenden Schuhen reichte das Repertoire. Besonders gut besucht waren die Vorträge zu Grundlagen, Fußpflege und Ernährung. "Diabetes hat viele Facetten", sagte Werner. Ziel des Diabetikertages sei, die Patienten zu motivieren. "Mitarbeit ist entscheidend, um die Folgen für Augen, Gefäße, Füße, Nieren und Herz zu begrenzen", verdeutlichte der Mediziner. Das funktioniere im Einklang von medizinischer Betreuung, Bewegung und Ernährung. Schon eine Gewichtsreduktion von drei Kilo könne Schäden an Nerven und Blutgefäßen verhindern, verwies Werner auf "kohlenhydratreiche und fettarme Ernährung in einem individuellen Kostplan". Der Haken: "Betroffene spüren meist nichts. Sie kommen erst wegen Folgeerkrankungen wie Nervenstörungen zum Arzt", so Werner über den "Zufallsbefund" Diabetes. Die teuren Folgekrankheiten ließen sich nur vermeiden, wenn Diabetes früh erkannt und angemessen behandelt werde. Sein jüngster Patient sei drei Jahre alt. Das bedeutet: ein Leben lang Insulin. "Der kleine DiabeTiger" zeigte in Bilderbuchform, was Kinder beachten müssen, um "mutig wie ein Tiger" gut mit Diabetes zu leben. "Wir wollen die Patienten zu mehr Bewegung anregen", machte Diabetesberaterin Sigrid Simon in einer Schnupperstunde Lust auf Nordic Walking. Beim stündlichen Ernährungsquiz erfuhren die Besucher, "dass Gummibärchen für Diabetiker schlimmer sind als Schokolade", wie Ernährungsberaterin Anne Simon anhand des Fettgehalts verschiedener Lebensmittel im Glasröhrchen demonstrierte. Besucher Wilhelm Bahe suchte nach Alternativen fürs Abendessen. "Immer nur Obst" - das bekomme ihm nicht. Beim Diabetikertag ist er fündig geworden: "Man muss es nur wissen", freute sich der Nenndorfer über Rezepte für "sechs bis acht neue Gerichte". Neues gelernt hat auch Helgard Rotzek: "Die Werte für exotische Früchte." Ihr sind zwei Zehen amputiert worden. Die Ursache für ihre fortgeschrittene Diabetes: "Ich bin erblich vorbelastet." Das Gefühl in den Füßen als Indikator für Diabetes konnte auf einem Lehrpfad getestet werden. Der war kein Problem für Wolfgang Fischer, der seit einem Jahr von seiner Diabeteserkrankung weiß: "Man gewöhnt sich daran, seinen Tagesablauf und die Ernährung auf die Krankheit auszurichten." In der Kurstadt scheint die Versorgung der Diabetiker jedenfalls gut zu funktionieren.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare