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Waldjungschar findet im Harrl Relikte der Wegwerfgesellschaft / Höhere Strafen für Umweltsünder gefordert

"Guckt an, was Ihr angerichtet habt!"

Bad Eilsen (sig). Wir sind zu einer Wegwerfgesellschaft geworden. Die heimischen Wälder sind ein Spiegelbild dieses Zustandes. Die Waldjungschar der evangelischen Kirchengemeinde hat sich dieser Tage auf den Weg gemacht, einen Randbereich des Harrls durchzukämmen. Die Jungen und Mädchen benötigten nur wenige Minuten, um Dinge zusammen zu tragen, die den Zorn jedes umweltbewussten Waldbesuchers hervorrufen.

veröffentlicht am 26.02.2008 um 00:00 Uhr

Alfred Matthaei

"Wir brauchten nur einige Schritte zu gehen, und schon hatten wir die Hände voll mit Sachen, die hier hingeworfen wurden", sagte uns ein Junge und zeigte auf eine alte Schultasche sowie eine Stoßstange. Mit rotweißen Bändern markierte die Kinderschar einen Bereich, in dem sie alle Fundsachen niederlegte. Dazu gehörten Autoreifen, zahlreiche Blechdosen, ein Radio,eine Autobatterie, Turnschuhe, Abdeckplatten, Abflussrohre und ein Verkehrsschild mit der Aufschrift "Einfahrt verboten", außerdem mehrere Leerkassetten, Kochtöpfe und einen alten Besen. Auf einer quer gespannten Leine hängen (einst sicherlich elegante) Damen-Tanzschuhe, Handschuhe, eine Männer-Unterhose und vieles mehr. Ungezählt blieb die Menge der Einkaufstüten und Lebensmittelverpackungen sowie Getränke- und Spraydosen. Irgendjemand hatte ein Loch in die Erde gebuddelt und darin viele Flaschen versenkt. Achtlos hingeworfene Bier- und Weinflaschen findet man ohnehin in Hülle und Fülle auf dem Waldboden. Besonders schlimm, dass auch Flaschen mit Altöl dazu gehören. Kopfschüttelnd betrachtete der zuständige Revierförster Alfred Matthaei den Müllberg, vor dem ein Plakat aus Stoff mit dem berechtigten Vorwurf an die Waldbesucher hängt: "Guckt an, was Ihr angerichtet habt! Eure Waldjungschar". Die Leiterin der Gruppe, Bettina Winkelhake, berichtete unserer Zeitung,dass sie beim Spielen im Walde und beim Suchen von Heilkräutern immer wieder auf viel Müll gestoßen sei. "Wir werden noch eine größere Aktion zusammen mit anderen Gruppen der Kirchengemeinde unternehmen, bevor es richtig grünt und die Brut- und Setzzeit beginnt", kündigt die Eilserin an. Der Forstbeamte erklärt dazu, dass der Landkreis Schaumburg für die Entsorgung des gesammelten Mülls zuständig sei. Matthaei: "Wir kümmern uns um die Waldparkplätze und die Bereiche in der Nähe öffentlicher Straßen, und da haben wir schon häufig erlebt, dass Berge von Grünabfall abgelagert werden, unter anderem beim Parkplatz gegenüber dem ,Alten Forsthaus' in Bückeburg." Es sei notwendig, dass die Strafen für Umweltsünder deutlich höher ausfallen, fordert der Revierförster. Der sorglose Umgang mit der Natur beweise einen bedauerlichen Werteverfall. Schon die weggeworfene Zigarettenkippe und der ausgelutschte Kaugummi seien ein Beweis für die Missachtung der Umwelt. Man brauche sich da nicht über Waldbrände in der trockenen Jahreszeit zu wundern, die leider auch künftig immer wieder vorkommen werden.



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