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120 Arbeitsstunden für einen Meter / Erster Teilerfolg: Kohle führende Gesteinsschichten erreicht

Gruppe gräbt sich immer tiefer in den Deister

Feggendorf (nah). Der Eifer der rund 20 Helfer in der Arbeitsgruppe Bergbau des Lauenauer Heimat- und Museumsvereins ist ungebrochen. An Wochenenden und auch an Werktagen nach Feierabend graben sich die Helfer immer tiefer in den Deister. Beflügelt wird der Eifer durch das bevorstehende 175. Jubiläum des Zechenstarts im Jahre 1831 - und durch das Interesse in der Bevölkerung. Viele Spenden sammelten sich anlässlich der Fleckenfete.

veröffentlicht am 18.09.2006 um 00:00 Uhr

Noch fehlen 35 Meter: Florian Garbe am Ende des in den Berg getr

Rechtzeitig bis zum Straßenfest wurde ein erstes Ziel erreicht: Der unterirdische Gang ist an kohle führenden Gesteinsschichten angekommen. So konnte der schwarze Brennstoff in kleinen Stücken geborgen werden. Das zweite große Etappenziel folgt am Sonntag, 8. Oktober. Dann ist wieder "Aktionstag" am Bergwerk, zu dem viele Besucher erwartet werden. Er gilt als äußerer Rahmen für den historischen Gedenktag: 1831 war im Stollen mit dem Abbau der Kohle begonnen worden. Bis auf kürzere Unterbrechungen setzte sich der Betrieb bis 1952 fort. Beim Aktionstag sollen viele Menschen wieder ins Innere der ehemaligen Zeche geführt werden, um ihnen an diesem Beispiel zu zeigen, wie in mehr als 20 kleinen Stollen rund um den Bergzug einst gearbeitet worden ist. 80 Meter lang ist die Strecke bereits. Allerdings folgt sie nicht mehr ganz dem historischen Verlauf: Weil das Gebirge an einer Stelle irreparabel eingebrochen ist, haben die hiesigen Bergleute mit Zustimmung der Fachbehörden eine "Umleitung" gegraben. Es fehlen noch etwa 35 Meter. Dann ist gewissermaßen der Mittelpunkt des Deisters erreicht: Dort führt nämlich die so genannte Grundstrecke quer durch den Bergzug. Der historische Gang dürfte sehr interessant sein: "Mal sehen", sagt Arbeitsgruppen-Leiter Florian Garbe, "was wir dort noch alles finden werden." Garbe aber erläutert auch etwas von den Mühen, die er und seine Helfer bewältigen müssen. Um einen Meter Stollen in den schweren Tonschiefer zu treiben, werden etwa 120 Mannstunden benötigt. Meist können höchstens zwei Leute am Ende des Gangs arbeiten. Ihnen wurde es halbwegs komfortabel eingerichtet: DasLicht liefert ein Generator. Auf Schienen rollen Loren mit Geröll ans Tageslicht. Vergessen sind die Anfänge, als noch mit Schubkarre oder Eimern der Abraum nach draußen geschleppt wurde. Garbe hat sich auch für Türstöcke aus Metall entschieden: Stempel aus Holz, wie sie früher verarbeitet wurden, müssten alle fünf Jahre erneuert werden. "Das hält viel länger", klopft er auf die neuen Streben, die auch Besuchern Annehmlichkeiten bringen. Dank entsprechender Abdichtungen tropft es denen nicht mehr in den Nacken. Und auch die Füße müssen sich nicht mehr lange durch feuchten Untergrund quälen. Schotter lässt etwaige Nässe versickern. Aber mehr Zugeständnisse will der junge Mann, der sich auch beruflich dem Bergbau verschrieben hat, nicht machen. Er möchte den historischen Zustand weitgehend erhalten. Auf dem Vorplatz ist dies schon gut zu erkennen. Grundmauern von Waschkaue und Zechengebäude zeichnen sich ab. Eine Feldschmiede ist errichtetworden, eine Verladerampe funktioniert wie in alten Zeiten. Davon und von vielen Dingen mehr können sich junge und erwachsene Gäste am Sonntag, 8. Oktober, überzeugen. Ab 10.30 Uhr herrscht über und unter Tage Betrieb. Es gibt Führungen für kleine Gruppen. Kinder können Loren schieben oder sich an einer Kohlensiebmaschine betätigen. Eine alte Bohrmaschine wird zu sehen sein, die an einem Transmissionsriemen läuft. Der Heimatverein wird nicht ohne Hintergedanken für das leibliche Wohl sorgen: Denn der Erlös des Tages dient dem weiteren Ausbau des Stollens. Schon am Vorabend wird im Rahmen einer Feierstunde offiziellen Gästen Gelegenheit zu einem Grußwort geboten. Anschließend gibt es ein unter Bergleuten einst übliches "Tzscherper-Essen". Höflich aber weist die Einladung darauf hin, dass die Mahlzeit nicht kostenfrei aufgetischt wird: Die wenigen finanziellen Möglichkeiten der Gruppe wandern ausschließlich in des Deisters Tiefe.

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