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Einstimmiger Beschluss: Zum Winterhalbjahr ziehen alle vier Klassen an den Kammweg um

Grundschule: Krainhagen wird geschlossen

Obernkirchen (rnk). Im nächsten Kino-Schocker von Hollywood-Regisseur Steven Spielberg werden sie sich wohl langweilen, denn das kalte, nackte und real durchaus existierende Grauen haben die Mitglieder des Schulausschusses vorgestern kennengelernt. Es hatte nicht die Gestalt eines großen, hellen Fisches oder einer ausgestorbenen Echsenart, sondern kam in Form von sechs Zahlen daher: eine vier und fünf Nullen. Etwa 400 000 Euro - so viel würde die gesamte Renovierung der Grundschul-Außenstelle Krainhagen kosten. Davon müssen 30 000 Euro bis zum Jahresende investiert werden, sonst macht der Landkreis die Schule dicht: Es fehlen dringende Brandschutzmaßnahmen. Dezernatsleiter Bernhard Waterman forderte daher von den Politikern einen grundsätzlichen Beschluss, den er auch erhielt: Die Außenstelle Krainhagen wird zum Winterhalbjahr geschlossen, alle vier Klassen ziehen an den Kammweg nach Obernkirchen um. Watermann bezweifelte allerdings, dass man dann für das marode Schulgebäude einen Käufer finden würde, hatte aber auch eine gute Nachricht: "Das Grundstück selbst liegt recht schön."

veröffentlicht am 21.06.2007 um 00:00 Uhr

Nicht mehr wert als ein schönes Grundstück in Hanglage: Die Auße

Landkreis-Mitarbeiter Bernd Kretschmer hatte nach der Brandschau "bedenkliche Zustände" attestiert, deren Beseitigung "dringend erforderlich" sei und der Stadt dafür eine Frist zum 15. Januar 2008 gesetzt. Die wichtigsten Punkte: Im Erdgeschoss fehlt ein zweiter Rettungsweg, im Keller auch. Außerdem müsse eine Blitzschutzanlage installiert werden. Das allerdings, so erklärt Bauamtsmitarbeiter Rolf Wischhöfer, gehe erst, wenn das Flachdach saniert sei. Kostenpunkt allein hierfür: 35 000 Euro. Schuldirektor Claus-Dieter Gnad verwies zudem erneut auf seine Zahlen: Sinkende Schülerzahlen, eine steigende Zahl an Schulräumen, die in der Grundschule am Kammweg frei stehen würden - sinnvoll sei ein Umzug allemal, da zudem auch über die Ganztagsschule beraten und entschieden werden müsse. Aber: "Wir betreiben beide Schulen, wenn es gewünscht wird. Aber dann muss auch richtig investiert werden." Nach 15 Minuten war die Schließung de facto beschlossen, weitere 75 Minuten benötigte die SPD, um sich diesem Beschluss anzuschließen. Denn für die Sozialdemokraten ist es eine gefühlte Niederlage: Noch im letzten Jahr hatte die SPD - damals noch in der Opposition - einen Schließungsbeschluss mit Hilfe der in Krainhagen wohnenden Politiker anderer Parteien gekippt, jetzt ist man Teil der Mehrheit - und schließt die Schule. Jörg Hake, Werner Harder und Kirsten Battaglia war dann auch deutlich anmerkbar, wie unwohl sich das SPD-Trio in seiner Haut fühlte. Dass Martin Schulze-Elvert (CDU), Gnad und Verwaltungsvize Watermann sich zudem routiniert und geschickt die verbalen Bälle zuspielten und jedes SPD-Argument für den Erhalt der Außenstelle zerpflückten, machte die Sitzung für die Genossen auch nicht einfacher. Battaglia wies daraufhin, dass auch der Ortsteil Möllenbeck in Rinteln eine Außenstelle mit wenigen Kindern in den Klassen habe, Gnad verwies sie auf die Rechtslage: Das könne man nicht vergleichen, weil Möllenbeck mehr als fünf Kilometer von der Grundschule entfernt liege, Krainhagen aber nur anderthalb Kilometer: "Da gelten andere Regeln." Hake störte sich vor allem an dem "Ad-Hoc-Verfahren": Eine Schließung zum 15. Januar sei im Ort "doch gar nicht zu verkaufen". Wäre es nach Schulze-Elvert gegangen, wäre schon in diesem Sommer Feierabend: Zum nächsten Schuljahr, so plädierte er, sollte die Schule komplett umziehen, zumal nur fünf Krainhäger im Sommer dort eingeschult würden. Gnad wies darauf hin, dass die Klassen zusammenbleiben würden - nur Gebäude und Gelände würden sich ändern. Vor allem verwahrte sich der Schuldirektor gegen den Eindruck, am Kammweg würden die Schüler schlechter beschult. Und: Wenn die Außenstelle bestehen bleiben solle, dann müsse investiert werden - Schule sei mehr als nur ein Gebäude. Die Sanierungskosten hatte Wischhöfer zusammengetragen: Das bereits angesprochene Flachdach, neue Fenster im Erdgeschoss (15 000 Euro), einige Feuchtigkeitsprobleme (20 000 Euro), Malerarbeiten und Sanierung der WC-Anlage (jeweils 20 000 Euro) - unter dem Strich müssten fast 250 000 Euro investiert werden, zu denen noch die Kosten für die energetische Gebäudesanierung addiert werden müssten. Wischhöfer: "100 000 Euro mindestens." Dazu kämen noch 30 000 Euro für den Brandschutz. Nach 90 Minuten war der Kompromiss ausgehandelt, denn auch die SPD mittragen konnte und wollte: Es wird in diesem Sommer in Krainhagen noch einmal eingeschult, aber zum Winterhalbjahr ziehen die vier Klassen an den Kammweg um - es gab eine einstimmige Beschlussempfehlung. Gnad hatte zuvor deutlich erkennen lassen, was ihn an diesem Schließungs-Beschluss störte: dass er nicht schon fünf oder sechs Jahre früher gefasst wurde. Zitate



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