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Geldautomat bleibt / Schaper hofft auf künftige Nutzung des Gebäudes für medizinische Versorgung

Grünen-Politiker kauft Sparkassen-Immobilie

GROSS BERKEL. Der Grünen-Politiker Dr. Marcus Schaper ist neuer Besitzer der früheren Sparkassen-Filiale in Groß Berkel. Der Ratsherr verspricht: Der Geldautomat bleibe bestehen – auch bei einer späteren Vermietung. Er verfolgt das Ziel, dass die Immobile als Praxis oder medizinisches Versorgungszentrum genutzt wird.

Immobilie sinnvoll für Groß Berkel nutzen: Dr. Marcus Schaper ist neuer Eigentümer. Foto: cb
Christian Branahl

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Christian Branahl Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Die Wahlwerbung der Grünen neben dem Geldautomaten im früheren Gebäude der Sparkassenfiliale verwundert immer noch einige Einwohner, doch die Botschaft gilt als beruhigend: Auch nach dem Verkauf der Immobilie an der Dorfstraße sollen sie die Möglichkeit haben, im Eingangsbereich Geld abzuheben oder Kontoauszüge auszudrucken. Der neue Besitzer ist mit Plakat und Namen im Hintergrund unübersehbar: Dr. Marcus Schaper, Ratsherr der Bündnisgrünen. Und der Groß Berkeler betont: „Ich möchte eine Nutzung, die hier die Ortsmitte aufwertet – idealerweise als Praxis oder medizinisches Versorgungszentrum.“

Als die Sparkasse im vergangenen Sommer – übrigens unter großem Protest im Ort – die Aufgabe der Geschäftsstelle bekanntgab, hatte sich Schaper schon frühzeitig mit den Verantwortlichen des Institutes in Verbindung gesetzt. „Noch bevor die Immobilie auf den Markt kommen konnte“, meint der Politiker, der sein Interesse am Kauf bekundete. Offenbar im gegenseitigen Einvernehmen. Der Sparkasse sei es wichtig gewesen, das Gebäude „nicht einfach loszuwerden“, sondern dass möglichst die Selbstbedienungsangebote erhalten blieben. Was für ihn ebenfalls selbstverständlich gewesen sei, meint Schaper. Das sei vertraglich festgehalten worden – „darauf habe ich wertgelegt“.

Dass er sich zum Kauf entschlossen habe, begründet der Kommunalpolitiker zum einen mit persönlichen Gründen. „Um ein paar Ecken herum“ gebe es einen familiären Bezug“ zu dem Sparkassengebäude, verweist er auf den alten Hausbalken des Hofes Heidenreich im früheren Schalterbereich. Weiterer – wichtigster – Punkt sei die Überlegung, die gute Liegenschaft mit Parkplatz mitten im Ortskern sinnvoll als Teil der Infrastruktur für die Dorfgemeinschaft weiternutzen zu können. Schaper kündigt an, sich intensiv darum bemühen zu wollen, die 380 Quadratmeter große 1975 errichtete Immobilie auf zwei Geschossen für die Ärzteversorgung sichern zu wollen. Die ersten Gespräche, durchaus mit Interesse, würden laufen. Wobei ihm bewusst sei: „Das steht und fällt mit Medizinern, die auch aufs Dorf wollen.“

Grundsätzlich erleichtert zeigt sich der Groß Berkeler Burkhard Schraps, dass zumindest die Selbstbedienungsangebote der Sparkasse erhalten bleiben. Schraps, der nun nach 30 Jahren seine kommunalpolitische Arbeit für die SPD in Rat und Kreistag beendet, hatte sich im vergangenen Sommer zusammen mit Ehefrau Heide massiv für den Erhalt der Geschäftsstelle eingesetzt und dafür auch eine Unterschriftenaktion gestartet – erfolglos. Und das hat er immer noch nicht verwunden. „Ich habe mich damit abgefunden, bin aber nicht zufrieden“, sagt er. Selbst als Kreistagspolitiker habe er keinen Einfluss ausüben können. „Das ist Geschäftspolitik“, ärgert sich Schraps über die Sparkasse. „Und davon lässt sie sich nicht abhalten.“ Von vielen Älteren wisse er, dass sie die Automaten nicht bedienen, auch nicht so einfach die Geschäftsstelle in Aerzen erreichen könnten. „Mir tut das weh“, sagt Schraps.

Die Sparkasse Hameln-Weserbergland hält an ihrer Strategie fest. Mit der Umwandlung der Geschäftsstelle folge sie „den veränderten Bedürfnissen“ ihrer Kunden, argumentiert Sprecher Bernhard Kruppki. Erleichtert zeigt er sich, dass die Selbstbedienungsstelle in Groß Berkel trotz des Verkaufs erhalten bleibe. „Ein gutes Beispiel“, meint er. „Die Erfahrung hat längst gezeigt: Einerseits verbinden die Kunden ihre tagtäglichen Einkäufe mit der Nutzung der Service-Angebote und der Beratungsmöglichkeiten in den Sparkassen-Beratungszentren der Städte und Gemeinden im Weserbergland und anderseits sorgt die Vielfalt der Kommunikationstechnik für eine gefühlte Nähe bequem von zu Hause aus.“

Besonders für die älteren Kunden hatte die Sparkasse darüber hinaus das Serviceangebot geschaffen, Bargeld nach Anruf in den Beratungszentren der Region mit dem Auto nach Hause bringen zu lassen. Aber das, meint Kruppki über die Resonanz, „wird tatsächlich nur ein- bis zweimal im Monat genutzt“.

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