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„Umweltminister Sander will das offensichtliche Problem kleinreden und ignorieren“

Grüne kritisieren Sicherheitsmängel im AKW

Emmerthal (red.) Die regionalen grünen Landtagsabgeordneten Ursula Helmhold und Christian Meyer haben die mangelnde Sicherheit des Atomkraftwerkes Grohnde scharf kritisiert. „Es ist ein Skandal, dass die niedersächsische Atomaufsicht unter Minister Sander immer noch keine Antwort auf das Problem der Sumpfsiebverstopfung bis hin zur Kernschmelze hat“, wiesen die beiden Grünen auf die auch von der Bundesatomaufsicht und Reaktorsicherheitskommission kritisierten Sicherheitsprobleme im Atomkraftwerk Grohnde hin.

veröffentlicht am 08.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2009 um 10:20 Uhr

Bei dem ermittelten Problem geht es um mögliche Lecks im Kühlwas

Wie berichtet, hatte das Bundesumweltministerium das Land Niedersachsen aufgefordert, endlich einen angemessenen Sicherheitsnachweis für das Atomkraftwerk Grohnde und andere niedersächsische Atomkraftwerke vorzulegen. „Umweltminister Sander will das offensichtliche Problem offenbar kleinreden und ignorieren“, kritisierte Meyer den mangelnden Nachbesserungswillen des Landes.

Bei dem von der Reaktorsicherheitskommission ermittelten Problem geht es um mögliche Lecks im Kühlwasserkreislauf, bei dem die Sumpfsiebe durch beschädigtes Isoliermaterial verstopft werden können. Folge wäre, dass das Atomkraftwerk im Störfall nicht ordnungsgemäß heruntergekühlt werden könnte und dann eine Kernschmelze mit radioaktiver Verstrahlung des Weserberglandes möglich wird. Die Landesregierung und die AKW-Betreiber haben auf dieses Problem, das in mehreren Atomkraftwerken besteht, keine Antwort.

Für Ursula Helmhold ist Minister Sander „mit seiner Pro-Atom-Haltung daher das größte Sicherheitsrisiko für die Bevölkerung.“ Mit einer Anfrage an den Landtag wollen die beiden Grünen nun eine Antwort der Landesregierung, wie sie den Vorgaben der Reaktorsicherheitskommission nachkommen will.

„Ohne eine Lösung der Sumpfsiebproblematik bietet das Atomkraftwerk Grohnde keinen ausreichenden Schutz gegen eine jederzeit mögliche Kernschmelze und müsse daher aus Sicherheitsgründen für die Bevölkerung abgeschaltet werden,“ fordern die Grünen.

Die beiden Landtagsabgeordneten weisen außerdem auf ein weiteres Problem am Standort Grohnde hin. Am Wochenende war bei einem Castor-Behälter im Zwischenlager Gorleben das Sicherheitssystem mehrfach ausgefallen und ein Druckabfall gemeldet worden, was auf Undichtigkeiten hinweisen könnte.

Da der Defekt nicht behoben werden konnte, überprüft der Hersteller GNS nun generell die Dichtigkeitsüberwachung von Castor-Behältern als systematischen Fehler. Nach Angaben der Grünen wird auch im Atommüll-Zwischenlager Grohnde dieses Überwachungssystem für Atommüllbehälter verwendet. Die Landtagsabgeordneten Helmhold und Meyer forderten daher die Landesregierung auf, auch hier unabhängige Messungen zur Dichtigkeit und Sicherheitsüberprüfung vorzunehmen. Dabei dürfe man sich nicht nur auf die Herstellerangaben verlassen, sondern müsse mit betreiberunabhängigen Messgeräten und Experten die Atommüllbehälter überprüfen. Helmhold: „Die Sicherheit der Bevölkerung vor Atomunfällen muss Vorrang vor allen anderen Überlegungen haben.“

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