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Rolf Wernstedt spricht bei Verabschiedung von IGS-Leiter Wilmers

"Gründungsverbot muss weg!"

Stadthagen (sk). Richard Wilmers (63), der sich für die Einrichtung der Integrierten Gesamtschule Schaumburg (IGS) in Stadthagen jahrelang eingesetzt, diese mit aufgebaut und 16 Jahre lang geleitet hat, ist am Freitag in einer Feierstunde von Kollegen, Schülern, Eltern und Behördenvertretern in den passiven Teil seiner Altersteilzeit verabschiedet worden. Passiv, so der Tenor aller Redner, könne man sich den aktiven Bildungspolitiker Wilmers allerdings nicht vorstellen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 08:57 Uhr

Richard Wilmers (l.) freut sichüber ein Geschenk der Elternvertr

Wie sehr sich der scheidende Schulleiter für demokratische Bildungspolitik eingesetzt hat, verdeutlichte die Anekdote eines Nachbarn von Wilmers, während der Abschiedsfeier auf einer Leinwand präsentiert. Der Sohn des Nachbarn, so der Vater, habe im Gespräch einst geäußert, dass er genau zwei Politiker kennt, Helmut Kohl und Richard Wilmers. Mit der Kamera hatten Lehrerkollegen von Wilmers etliche Meinungen aus der Bevölkerung über den Pädagogen eingeholt, insbesondere in dessen Lieblingsrestaurant, dem griechischen Lokal "Georgs". Der Restaurantinhaber verkündete, bei der Zusammenstellung der neuen Speisekarte werde man eine "Richie-Platte" einführen. Filmvorführung, Reime, Sketche, Lieder - die IGS-Lehrer hatten sich zum Abschied für "Richie" mächtig ins Zeug gelegt. Die Schulband "Soulosophy" unterhielt 13 Mann stark mit Livemusik. Unter der Leitung von Richard Wilmers habe sich die IGS etabliert, sei "regional undüberregional eine Vorzeigeschule" geworden, so der stellvertretende Schulleiter Eberhard Koch. Dirk Tack von der Landesschulbehörde stellte Wilmers' "demokratisches Grundverständnis von Unterricht" heraus, das sich durch sämtliche Beurteilungen des engagierten Pädagogen ziehe. Eva Burdorf, Erste Kreisrätin, mutmaßte, dass sich Wilmers auch künftig für die Gründung weiterer Integrierter Gesamtschulen im Landkreis einsetzen wird. Scharf kritisierte sie das Gründungsverbot der Landesregierung. Auchr der ehemalige Kultusminister Rolf Wernstedt (SPD) nahm zu diesem Thema Stellung. Busemanns Vorschlag, die IGS in Stadthagen könne sich doch einfach erweitern, nannte Wernstedt "Volksverdummung." Er forderte: "Das Gründungsverbot muss weg!" In Anspielung auf Richard Wilmers als "James Bond" - dieser Vergleich war in anderem Zusammengang in vergnüglicher Weise gezogen worden - meinte Wernstedt: "Die Lizenz zum Töten dieses Paragraphen hast du auf jeden Fall."

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