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Bückeburger Keramik-Spezialist beliefert alle fünf Kontinente / Seniorchef ist seit 50 Jahren im Betrieb

"Grothe, Bückeburg, ist ein Begriff in der Welt"

Bückeburg (tw). Nach einem Mann wie Martin Grothe muss man - nicht nur - in seiner Branche lange suchen: Der 72-jährige Seniorchef des gleichnamigen Keramik-Spezialisten mit Sitz an der Kreuzbreite, der sich die Geschäftsführung mit Sohn Uwe (51) teilt, hat am 1. April sein 50. Jubiläum als Mitarbeiter des Betriebes begangen; er trat 1957 in die von Bruno Grothe gegründete Firma ein, übernahm sie 1966.

veröffentlicht am 03.04.2007 um 00:00 Uhr

Herr der Ziegel: Senior-Chef Martin Grothe im Auslieferungslager

Der findige Betrieb, der heute 44 Köpfe zählt, darunter auch eine Auszubildende, die Werkstoffprüferin lernt, hat sich seit dem Tag, an dem "Bruno" im "Bienenkorb" mit einer Handelsfirma für Keramik-Rohstoffe startete, prächtig entwickelt. Jüngster Beleg: Die jüngste der Versuchsnummern im Grothe-Entwicklungslabor trägt die Nummer "103 000"; nicht weniger als 16 000 Rezepturen für Engoben, Glasuren und Anlauffarben befinden sich im Eigentum des Unternehmens. Was die Firma, die auf einer Gesamtproduktionsfläche von 8500 Quadratmeter pro Jahr über 10 000 Tonnen Keramik-Farben produziert, in der Lage ist zu leisten, können Bückeburger aktuell an der Orangerie betrachten: Das Dach des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes trägt Großflächenziegel aus Keramik, die in Struktur, Farbe und Form Schiefer nachempfunden sind. Die jüngsten Entwicklungen des Unternehmens, das einen Exportanteil von 35 Prozent hat, fünf Kontinente beliefert und mit 13 Auslandsvertretungen zusammen arbeitet, wird man dagegen in Bückeburg, ja in Deutschland nur selten antreffen: "Das sind Engoben mit Metall-Effekt", sagt Martin Grothe. Besagten Effekt gibt's zum Beispiel in Gold-, Silber- oder Perlmutt-Tönen. "Die Koreaner lieben das", sagt der Ingenieur und Großhandelskaufmann, der noch heute Kunden vornehmlich im Ausland betreut, während Sohn Uwe in erster Linie für Deutschland und den Part Technik zuständig ist. Lange vorbei sind die Jahre, da sich die aus allen Nähten platzende Firma mit dem Gedanken trug, ihren Sitz ins Auetal oder nach Luhden zu verlegen. "Grothe, Bückeburg", sagt Uwe Grothe, "ist ein Begriff in der Welt". Mit "Grothe, Luhden" könnten die Kunden nichts anfangen. Selbst der Versuchung, in ein Schwellenland oder aber nach Polen umzusiedeln (dort sitzt ein Teil der Grothe-Großkunden) gibt die Familie trotz der Lohnkosten- und Preissteigerung hierzulande nicht nach. Es wäre eine Milchmädchen-Rechnung: "Auch dort steigen die Löhne, zum Teil sogar zweistellig." Und wer von den Bückeburger Top-Fachkräften würde den Schritt überdie Grenze schon mitmachen ... Was der Traditionsfirma derzeit Bauchschmerzen macht, ist die seit etwa einem Jahr zu beobachtende Preisexplosion auf dem Rohstoff-Sektor, gerade was Zinn, Zink, Kobalt und Kupfer angeht. "Dafür Ersatzprodukte zu entwickeln, ist nicht einfach", wissen Junior- und Seniorchef. Martin Grothe: "Wenn uns jemand sagt: ,Dann mischt doch etwas Blei bei, das gibt auch Glanz', dann werden wir keine Partner." Denn mit Rohstoffen, die mit einem Totenkopf gekennzeichnet sind, wird an der Kreuzbreite schon den Mitarbeitern zuliebe grundsätzlich nicht gearbeitet. Abgesehen davon versteht sich die Grothe Rohstoffe GmbH& Co. KG auch nicht als billiger Jakob, der in die Trickkiste greift um - im Wortsinn - um jeden Preis Geschäfte zu machen: "Unser Anspruch ist Qualität, und von diesem Ross wollen wir nicht runter", sagen beide Grothes übereinstimmend. Auch ein Beleg dafür: Die Reklamationsquote liegt unter 0,5 Prozent. Schön gleichwohl: Die Zukunft der Firma gilt selbst in der vierten Generation als gesichert. "Irgendwann", freut sich der Senior-Chef, "wird Joachim Grothe (36) mit in die Geschäftsführung eintreten". Der jüngste Grothe-Spross, Diplom-Betriebswirt und Marketing-Experte, hat bereits in seiner Studienzeit Produkte der Firma in Skandinavien verkauft. Übrigens: Am Freitag, 20. Juli, können Ferienkinder bei Grothe an der Hans-Neschen-Straße zwischen 10 und 12 sowie zwischen 15 und 17 Uhr in zwei Gruppen einmal mehr nach Lust und Laune töpfern.

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