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Feuerwehrverband tagt in Rinteln / Bevölkerungsentwicklung bereitet Sorgen / Zukunft sichern

Grote: Kleine Ortsfeuerwehren erhalten!

Landkreis/Rinteln (who). Die alljährliche Verbandsversammlung ist für die Schaumburger Feuerwehren die Entsprechung zum Kreistag auf der politischen Ebene. Für das Forum aus Stadt-, Gemeinde- und Ortsbrandmeistern und ihren Stellvertretern, das am Freitag im Rintelner Brückentorsaal getagt hat, hat vor allem die Frage nach derZukunft der Feuerwehr im Vordergrund gestanden.

veröffentlicht am 05.03.2007 um 00:00 Uhr

Die Zukunft ist unmittelbar mit der rückläufigen Entwicklung der Bevölkerungszahlen verbunden, machte Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote anhand statistischer Daten deutlich. Der vorausberechnete Bevölkerungsrückgang in Deutschland um 16 Prozent von zurzeit 82,4 Millionen auf 69 Millionen im Jahr 2050 lasse die Alarmglocken klingen. Bei steigender Lebenserwartung werde sich der Anteil der über 80-Jährigen in 44 Jahren von jetzt knapp vier auf 10 Millionen verdreifacht haben mit der Konsequenz, "dass auch die Zahl der potenziellen Feuerwehrleute um bis zu einem Drittel abnimmt und gleichzeitig der Altersschnitts stark ansteigen wird". Bei vielen Feuerwehren sei deshalb beispielsweise damit zu rechnen, dass die Hälfte der aktiven Feuerwehrleute über 50 Jahre alt wäre und deshalb nicht mehr als Atemschutzgeräteträger zur Verfügung ständen. Grote sieht fatale Folgen für die Einsatzbereitschaft voraus, wenn die Tendenz anhält und die Zahl der verfügbaren Einsatzkräfte weiter zurück geht. Fehlendes Interesse am ehrenamtlichem Engagement in der Feuerwehr sei allerdings nicht das Problem, denn: "Umfragen zu Folge ist das Gegenteil der Fall." Der Kreisbrandmeister warnte vor einer Zerstörung des bisherigen Feuerwehrsystems: "Die flächendeckende Ausstattung mit Ortsfeuerwehren ist unverzichtbar, wir brauchen jede Feuerwehrkameradin und jeden Feuerwehrkameraden. Die umfangreichen Aufgaben müssen auf viele Schultern verteilt werden", sagte Grote und fügte hinzu: "Mir fehlt jegliches Verständnis dafür, dass teilweise über Auflösungen von Freiwilligen Feuerwehren nachgedacht wird." Grote bekam in diesem Zusammenhang zusätzliche Unterstützung: Zum einen hat offensichtlich das Orkantief Kyrill vom 18. Januar die Stimmung für die 110 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Schaumburg gewendet. Zum anderen war es Schaumburgs Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier, der bei der Verbandsversammlung hören und spüren wollte, "was die Männer und Frauen bewegt". Da wohl künftig nahezu jedes Jahr mit Großschadenslagen zu rechnen sei, würden weiterhin auch die kleinen Ortsfeuerwehren und "jede Feuerwehrfrau und jeder Feuerwehrmann vor Ort gebraucht", bekräftigte der oberste Dienstherr der Schaumburger Feuerwehren. Man wolle generell keine Zusammenlegung der kleineren Feuerwehren und damit deren Erhalt als "ein gutes Stück der Dorfgemeinschaft". Trotz knapper Haushaltslage werde der Landkreis die nötigen Finanzmittel zur Verfügung stellen und "Signale in die richtige Richtung setzen", mit Schwerpunkt-Bezuschussung bestimmter Vorhaben, etwa durch verstärkte oder zusätzliche Förderung für Einsatzfahrzeuge von Feuerwehren mit besonderer Belastung. Dass der Kreis seine Feuerwehren ernst nehme, so Schöttelndreier, zeige unter anderem der Netzaufbau für die digitale Alarmierung mit Kosten von bislang 248 000 Euro. Kreisbrandmeister Klaus-Peter Grote sieht im Aufbau von Kinderfeuerwehren einen Weg für die Zukunftssicherung des Feuerschutzes. Und weiterhin gelte: "Das Grundgerüst für die flächendeckende Ausstattung mit Freiwilligen Feuerwehren sind außer Zweifel unsere 92 Jugendfeuerwehren im Landkreis Schaumburg." Da es kaum noch Seiteneinsteiger gebe, werde der Bestand der Freiwilligen Feuerwehren ausschließlich durch die Übernahmen aus den Jugendfeuerwehren gesichert. Des Weiteren, so Grote, müsse die Anzahl der Übernahmen von den Jugendfeuerwehren in die aktiven Abteilungen verbessert werden. Feuerwehr heiße insgesamt nicht nur "Retten, Löschen, Bergen und Schützen, sondern auch kulturelles Engagement in den Ortschaften". In vielen Orten sei die Feuerwehr die treibende Kraft. Deshalb Grotes Appell, "das Erfolgsmodell Freiwillige Feuerwehr" zu sichern. Der Kreisbrandmeister warnte zudem vor der Streichung und Kürzung der Zuschüsse für bestimmte Feuerwehren. Der Kreisfeuerwehrverband erwarte eine Gleichbehandlung aller Feuerwehren. Darüber hinaus warnte er vor den Bestrebungen auf Bundesebene, die Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen mit anderen Verbänden zusammenzuschließen. "Eine solche Einrichtungzerschlägt man nicht, sondern man optimiert sie. Von Herrn Landrat Schöttelndreier und mir wurde eine gemeinsame Erklärung verfasst, die den Erhalt der Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen fordert." Verwunderung hätten bei der Feuerwehr auch die Aussagen von Polizeipräsident Wargel ausgelöst, dass der Sitz einer weiteren gemeinsamen Leitstelle im Weserraum nur bei der Polizeiinspektion in Nienburg angesiedelt sein könne. Diese Feststellung widerspreche den bisherigen Aussagen des Innenministers.



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