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Großer Spaß, große Gefahr

Sommer, Sonne, Strand … Die großen Ferien stehen vor der Tür, und bei diesem Traumsommer mit seinen hohen Temperaturen freuen sich alle auf eine coole Abkühlung im Badesee. Vor allem junge Leute stehen auf das lockere Freizeitvergnügen am Teich. Der 17-jährige Felix bringt es für sich und seine Kumpels auf den Punkt: „Die meisten Schwimmbäder sind doch langweilig, am Badeteich ist es viel cooler, da können wir uns einfach freier bewegen.“

veröffentlicht am 24.07.2014 um 00:00 Uhr

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Die warmen Temperaturen locken jede Menge Sonnenanbeter an die Baggerseen. Doch viele unterschätzen die Gefahren im Wasser: Bundesweit ertranken im letzten Jahr 446 Menschen, im Jahr davor waren es laut DLRG-Statistik 383. Unter den Opfern sind übrigens vier Mal so viele Männer wie Frauen – Männer sind offenbar risikofreudiger, Frauen in mancherlei Hinsicht vernünftiger. Als besonders gefährdet gelten übrigens Männer über 60, wie DLRG-Sprecher Martin Janssen sagt: „Leichtsinn gepaart mit einem geschwächten Herz-Kreislauf-System führen häufig zu Herzversagen, Krämpfen oder schneller Erschöpfung.“

Angesichts der unverhältnismäßig hohen Zahl der Badetoten am vergangenen Wochenende ruft die DRK-Wasserwacht zur Vorsicht auf. Besonders gefährdet sind Kleinkinder – für sie wird selbst ein Gartenteich oder ein Planschbecken zum Risiko, wenn sie dort unbeaufsichtigt spielen. Immerhin ist Ertrinken bei Kindern die zweithäufigste Todesursache. „Eltern dürfen am Wasser spielende Kinder, die nicht sicher schwimmen können, keinen Augenblick aus den Augen lassen“, so Andreas Paatz, stellvertretender Bundesleiter der Wasserwacht. „Das gilt auch, wenn das Gewässer durch Wasserretter abgesichert ist. Wasser zieht Kinder magisch an und nur ein Moment der Achtlosigkeit kann fatale Folgen haben“, so Paatz. „Ein Kind, das nicht schwimmen kann, geht im Wasser unter wie ein Stein. Auch Schwimmflügel und andere Hilfen helfen nur beim Schwimmenlernen, schützen aber nicht zuverlässig vor dem Ertrinken.“ Eltern sollten sich bei der Aufsicht abwechseln, um selbst auch entspannen zu können. Für Bootstouren sind ohnmachtssichere Rettungswesten Pflicht. Auch größere Kinder müssen auf Gefahren aufmerksam gemacht werden. „Ein Trugschluss wäre, zu glauben, dass das Seepferdchen oder Jugendschwimmabzeichen in Bronze Kinder zuverlässig vor dem Ertrinken schützen“, erklärt Paatz. Wichtig ist, den Kindern Regeln für den Spaß im und am Wasser zu geben. Dazu gehört: Andere nicht schubsen, sie untertauchen oder auf sie springen.

Generell ist ein Großteil der Badeunfälle vermeidbar. „Mutproben wie Kopfsprünge in unbekannte Gewässer, zu viel Alkohol oder das Überschätzen der eigenen Kraft führen häufig zu lebensgefährlichen Situationen im Wasser“, sagt Kersten Enke, Leiter der Johanniter-Akademie in Hannover. Selbst Erwachsene sollten sich unbedingt an gewisse Regeln halten: Nicht durch Wasserpflanzen, in der Nähe von fahrenden Booten, an Brücken, Buhnen oder technischen Anlagen schwimmen. Nicht ins Ungewisse springen, also zum Beispiel nicht von Brücken oder Felsen in trübe Gewässer. Nicht mit vollem Bauch oder ohne Abkühlung ins Wasser. Und: Längere Strecken immer mit anderen schwimmen, nie allein.

Übrigens können immer weniger Kinder richtig schwimmen. Wenn ein neun- bis zehnjähriges Kind nicht sicher auf dem Niveau des Jugendschwimmabzeichens schwimmen kann, sollten Eltern aktiv werden und selbst mit dem Kind üben oder noch besser einen Schwimmkurs besuchen.

Gerät ein Mensch im Wasser in Not, sollten Ersthelfer zuallererst den Rettungsdienst über die 112 alarmieren. „Retter bringen sich leicht selbst in Gefahr, wenn sie versuchen, Ertrinkende aus dem Wasser zu ziehen, sofern sie keine ausgebildeten Rettungsschwimmer sind“, warnt Enke von den Johannitern. „Direkten Körperkontakt sollte man nach Möglichkeit vermeiden, denn in seiner Angst kann der Ertrinkende um sich schlagen oder durch Klammern den Rettenden unter Wasser ziehen. Lieber sollte der Helfende der Person einen schwimmenden Gegenstand reichen – zum Beispiel einen Rettungsring – und sie damit an Land ziehen.“ Schnelle Erste Hilfe ist lebenswichtig: Bewusstlose mit vorhandener Atmung werden in die stabile Seitenlage gebracht. „Dafür wird der Kopf überstreckt, der Mund geöffnet und das Kinn auf dem Handrücken abgelegt. Das untere Knie ist angewinkelt. Dann die Atmung regelmäßig überprüfen“, erläutert Enke. Wenn der Gerettete nicht atmet, müssten Ersthelfer sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen, bis der Rettungsdienst eintrifft. „Wir wollen alle Menschen ermutigen, die Wiederbelebung durchzuführen“, sagt Gesundheitslehrer und Notfallsanitäter Enke. „Dabei kann man nichts falsch machen. Nichts zu tun, ist für den Patienten viel gefährlicher, denn Sauerstoffmangel verursacht irreparable Hirnschäden.“



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