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Rektor des Schulzentrums geht von Bord / Wolfgang Fließ bleibt ein Befürworter der Gesamtschule

Größte Niederlage: Keine IGS für Obernkirchen

Obernkirchen (sig). Nach außen wirkt er so, als sei für ihn das Abschiednehmen vom Berufsleben das Selbstverständlichste der Welt. So nach dem Motto: Alles hat eben einen Anfang und ein Ende. Mögen dazwischen auch ganz unterschiedliche Zeiträume liegen. Im längeren Gespräch jedoch merkt man, dass Wolfgang Fließ, Rektor des Schulzentrums "Am Ochsenbruch", die Uhr durchaus noch gern etwas zurück gestellt hätte.

veröffentlicht am 18.06.2007 um 00:00 Uhr

Auf die Frage nach einer beruflichen Alternative ist ein unmissverständliches "Nein" zu hören. Er hätte sich nicht vorstellen können, irgendetwas anderes zu machen. Wolfgang Fließ wollte von Beginn an Lehrer werden und ist dankbar dafür, dass ihm das gelungen ist - obwohl sich die Schullandschaft in den zurückliegenden Jahrzehnten so sehr geändert hat wie kaum jemals zuvor. Und dieser Prozess ist noch keineswegs zu Ende. Der gebürtige Enzener hatte sein Abitur am Stadthäger Ratsgymnasium abgelegt. Sein Studium an der Pädagogischen Hochschule in Hannover endete 1971. Die berufliche Laufbahn startete Wolfgang Fließ an der damaligen Stadthäger Hauptschule "Hinter der Burg". Dort wurde er Fachseminarleiter und unterrichtete in Mathematik und Sport. Am 1. Februar 1989übernahm er die Rektorenstelle an der Graf-Wilhelm-Schule in Bückeburg, bis er 1996 Leiter des Obernkirchener Schulzentrums wurde. Noch vor der Vollendung seines 61. Lebensjahres beginnt sein Ruhestand. Der wird ihn aber nicht ruhen lassen, darüber nachzudenken, wie die Schule der Zukunft aussehen könnte. Jene Schule, die für größere Chancengleichheit sorgt, wenn es ein solches Erfolgsmodell überhaupt gibt. Das derzeitige dreigliederige System sieht Wolfgang Fließ jedenfalls nicht als die Schule der Zukunft an. Seine Sicht: "Mein Favorit ist die Gesamtschule bis zur 10. Klasse, weil dort die Schwächeren nicht ausgelesen werden, sondern besser gefördert werden können. In den parallel dazu bestehenden Gymnasien sollten Kindervon der siebten Klasse an unterrichtet werden." Unumwunden bekennt Wolfgang Fließ: "Dass die Kooperative Gesamtschule (KGS) nicht nach Obernkirchen kam, war meine größte Niederlage. Diese Entscheidung, die der Kreistag vor fünf Jahren gefällt hat, verstehe ich noch heute nicht. Das wäre eine wichtige Strukturverbesserung für die Bergstadt gewesen, und räumlich hätten wir hier alles durchaus unterbringen können." Heute gehen an die 50 Prozent der Kinder zum Gymnasium. "Und das werden auch noch 60 Prozent", prognostiziert Fließ. Die Hauptschulen liegen nur noch zwischen 12 bis 15 Prozent. Mehr als eine Klasse pro Jahrgang gäbe es auch in Obernkirchen nicht mehr, und die werde zudem immer kleiner. Einen Fortschritt konnte der scheidende Schulleiter auf diesem Feld zumindest noch verbuchen - das ist die Einführung des Ganztagsbetriebs. Natürlich befürwortet er eine Ausweitung des pädagogischen Angebotes. Aber immerhin kann sich das Betreuungsprogramm durchaus sehen lassen. Das ist auch das Verdienst der Sozialarbeiterin Julia Wiersig, die gute Kontakte zum Jugendzentrum, zur Jugendpflege und zu den örtlichen Vereinen unterhält. Sie hat auch mit Hilfe der Eltern die Mittagsverpflegung der Schulkinder organisiert. Als vorbildlich kann man zudem die Zusammenarbeit des Schulzentrums mit den heimischen Kirchen bezeichnen. Nicht zu vergessen sind die Ausbildung von Scouts und Streitschlichtern und deren erfolgreicher Beitrag zum Schulklima sowie die Spendenaktionen für eine afrikanische Dorfschule. Das Feld ist bestellt. Der Kapitän kann vor dem Beginn des nächsten Schuljahres von Bord gehen. Ein Haus mit großem Garten, ein Tourenrad und etliche Reiseziele warten auf ihn. Und dann hat er noch mehr Zeit, darüber nachzudenken, was alles hätte besser sein können, wenn Obernkirchen vor fünf Jahren eine KGS bekomme hätte.



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