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Grimme-Preis: Keine Skandale, viele Gewinner

Marl (dpa) - Joko Winterscheidt, eines der bekanntesten Fernseh-Gesichter Deutschlands, zeigt am Eingang des Marler Theaters brav seine Einladungskarte vor und wartet bis er durchgewunken wird.

veröffentlicht am 14.04.2018 um 00:31 Uhr
aktualisiert am 14.04.2018 um 13:45 Uhr

Jan Böhmermann gewinnt wieder einmal einen Grimme-Preis. Foto: Henning Kaiser

Autor:

Claudia Bonati, dpa

Schauspieler Ronald Zehrfeld macht auch im Foyer noch geduldig Selfies mit Fans. Kida Khodr Ramadan aus der ausgezeichneten Serie «4 Blocks» (TNT Serie) steht rauchend auf dem roten Teppich und scherzt mit den Fotografen.

Am Freitagabend wurden wieder einmal Grimme-Preise verliehen - zum 54. Mal. Ohne Skandale wie am Abend zuvor beim Echo in Berlin, wo die Rapper Kollegah und Farid Bang trotz einer als antisemitisch kritisierten Liedzeile ausgezeichnet wurden.

Als eine Art Gütesiegel für anspruchsvolles Fernsehen versteht sich der undotierte Grimme-Preis. Auf der Gala wurden 71 Einzelpreisträger geehrt. Das sind so viele wie noch nie zuvor.

Traditionell zeigt bei der Grimme-Gala ein kurzer Trailer die Arbeit jedes Preisträgers, bevor die Akteure auf die Bühne gebeten werden. Die kurzen Einspieler sind humorvoll, eindrücklich, aufwühlend und machen oftmals betroffen. Bei fiktionalen Arbeiten genauso wie bei dokumentarischen.

Still wird es im Marler Theater, als der Publikumspreis der Marler Gruppe übergeben wird. Ausgezeichnet wird der Film «Eine unerhörte Frau» (ZDF/Arte). Er zeigt die wahre Geschichte einer Bäuerin, die gegen ignorante Ärzte für ihre kranke Tochter kämpft. Schauspielerin Rosalie Thomas kann auf der Bühne die Tränen kaum unterdrücken, als Angelika Nachtmann, die sie im Film verkörpert, die Bühne betritt. Nachtmann berichtet kurz, dass es ihrer Tochter inzwischen besser, aber noch nicht gut gehe. 

Auf der Grimme-Gala geht es im Minutentakt weiter. Atemloses Schweigen in Marl, als der Einspieler zu «Alles gut - Ankommen in Deutschland» (NDR/SWR) läuft. Filmemacherin Pia Lenz begleitet in ihrem Film über ein Jahr zwei Flüchtlingskinder. Die beiden Jungs sprechen schnell deutsch und möchten in die Schule gehen. Integration gelingt nur bedingt, auch weil der Familie die Abschiebung droht. Eindrückliche Szenen zeigten die große Einsamkeit der Flüchtlinge, begründet die Jury. Lenz stelle die Probleme des Ankommens in den Mittelpunkt und mache klar, dass Integration Hoffnung und Unterstützung der Gesellschaft brauche.

Aber auch humorvolle Momente kommen auf der Grimme-Gala nicht zu kurz. Für ihr «Gosling-Gate» konnten Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf die Auszeichnung entgegennehmen. Ihnen gelang es, für eine Ausgabe der Sendung «Circus HalliGalli» einen Doppelgänger von US-Schauspieler Ryan Gosling in die Verleihung der Goldenen Kamera zu schleusen. Die Jury attestierte eine «denkwürdige» Ausgabe, die «gleichermaßen packendes Unterhaltungsfernsehen im gewohnten Stil der Sendung wie auch bitterböse Medienkritik» liefert. Das Ziel sei eigentlich gar kein Preis, sondern nur der Spaß gewesen, scherzte Winterscheidt am Rande des roten Teppichs. 

Zu den dritten Grimme-Ehren kommt das «Neo Magazin Royale» (ZDFneo) für die Folge «Eier aus Stahl - Max Giesinger und die deutsche Industriemusik». Jan Böhmermann erklärt darin, wie das «durchkalkulierte Industrieprodukt» deutsche Popmusik zustande kommt. Die Folge gehört «zu den raren Unterhaltungshöhepunkten des Jahres 2017», urteilte die Jury. «Marl wird nie langweilig», bedankte sich Böhmermann beim Publikum.

Der Grimme-Preis zählt zu den renommierten Auszeichnungen für deutsche Fernsehsendungen. Die Preise werden seit 1964 jährlich vom Grimme-Institut verliehen.

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