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Die Wahl wird nicht nur am Münsterkirchhof entschieden

Griese mit grüner Hilfe

Der Wahlkampf geht in die Verlängerung, und ganz unerwartet kommt die Nachspielzeit nicht. Weder Wilde noch Griese ging als klarer Favorit ins Rennen, und keiner hat es geschafft, im Laufe des Wahlkampfes etwas daran zu ändern. Dezent gesagt: Durch Inhalte zu punkten, war nicht das dringendste Anliegen der Kandidaten. Im Wettbewerb um programmatisches Profil hätte keiner den Sieg verdient.

veröffentlicht am 26.05.2014 um 06:00 Uhr

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Gleichwohl überrascht der deutliche Vorsprung, mit dem Griese die erste Runde für sich entschieden hat. Viele Beobachter haben dem Hamelner SPD-Bonus vertraut, der beim Europawahlergebnis auch durchscheint. Dass sich Griese so deutlich nicht nur vom Kontrahenten, sondern auch von der eigenen Partei absetzen konnte, darf er persönlich nehmen. Sein größerer Bekanntheitsgrad und Hamelner Stallgeruch dürften den Ausschlag gegeben haben.

Und noch etwas hat Griese paradoxerweise erheblichen Rückenwind verliehen: das Kandidatenvakuum der Grünen. In der üblichen Farbenlehre wäre das eine Steilvorlage für jeden SPD-Bewerber, aber in diesem Fall hat die grüne Basis die schwarz-grüne Koalition im Rat augenscheinlich als Wahlempfehlung für den gemeinsamen Gruppenchef verstanden.

Oder wurde die Wahl am Münsterkirchhof entschieden? Wilde selbst schließt das nicht aus. Und gewiss hat sein Wahlkampf-Gau Stimmen gekostet. Aber war der Asphalt am Münster tatsächlich allein ausschlaggebend? Wildes größerer Fehler war wahrscheinlich, der grünen Wählerschaft zu wenig geboten zu haben.

Für Griese hat es gereicht, fehlerlos zu bleiben und sich als smarter Kandidat zu präsentieren. Und so plätscherte der Wahlkampf ohne größere Kontroverse und inhaltliche Debatte dahin. Wer steht eigentlich für welches Thema? Und wo liegen die Unterschiede? Natürlich muss man „Standards senken“, „familienfreundlich“ denken und alles „sorgfältig prüfen“. Aber wer nur Floskeln abbrennt, macht sich am Ende austauschbar. Über weite Strecken haben sich Griese und Wilde einen Überbietungswettbewerb der Unverbindlichkeit geliefert. Geschadet hat es vor allem dem SPD-Kandidaten, der viel eher als Griese gezwungen gewesen wäre, durch klare Themen Kontur zu gewinnen.

Mangelnde Programmatik muss sich Anke Blume nicht vorwerfen lassen: Sie gestand Unkenntnisse und fehlende Erfahrung offen ein. Als Neuling auf der Ratsbühne wirkte die FDP-Kandidatin so, als wolle sie ihre politische Unschuld noch nicht ganz verlieren. Sie hat, in weiterhin düsteren Zeiten, Sympathiepunkte für die FDP gesammelt.

Und jetzt? Griese geht als Favorit in die Stichwahl. Aber zu viel Siegesgewissheit kann zur Gefahr werden. Denn es geht nun vor allem darum, die eigene Klientel zu mobilisieren und von der Notwendigkeit des Wahlgangs zu überzeugen. Ein Selbstläufer wird die Stichwahl mitnichten. Nur zur Erinnerung: Bei der letzten OB-Wahl lag zunächst auch CDU-Kandidat Klaus Frede vorn. Am Ende siegte Susanne Lippmann mit fünf Prozentpunkten Vorsprung.

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