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Vor Gericht: Auftakt zum Prozess um den Tod am Bornbrink

Grausam: Würger drückt 30 Minuten immer wieder zu

Bückeburg (ly). Im Prozess um den mysteriösen Tod einer Bückeburgerin (49) hat der Angeklagte gestern zugegeben, dass er in der fraglichen Nacht mit dem späteren Opfer zusammen war. Er bestreitet jedoch, seine damalige Geliebte in deren Wohnung am Bornbrink im Oktober 2006 erwürgt zu haben.

veröffentlicht am 11.01.2008 um 00:00 Uhr

"Als ich das Haus in der Morgendämmerung über den Balkon wieder verließ, hat sie noch gelebt", erklärte der 43 Jahre alte Handwerker zum Auftakt vor dem Bückeburger Schwurgericht. Über fast zwei Jahre will er mit der Frau "eine rein sexuelle Beziehung" gehabt haben, von der die Lebensgefährtin des Mannes zumindest am Ende angeblich auch wusste. "Danach sah ich immer zu, dass ich nach Hause kam." Zu Sex mit Gewalt soll es während der Affäre niemals gekommen sein, wie der Angeklagte behauptet. Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Dr. Birgit Brüninghaus, ob er seine Geliebte jemals gewürgt habe, antwortete er ebenfalls mit nein. Erst fünf Tage nach dem Tod der früheren Kleinenbremerin will der 43-Jährige davon erfahren haben. "Ich war geschockt", sagte er vor Gericht. Als bei der Polizei "auf irgendeinem Zettel" das Wort "Mord" gestanden habe, "spürte ich den Boden unter meinen Füßen nicht mehr". Dabei ist von Mordüberhaupt keine Rede. Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein wirft dem Bückeburger Körperverletzung mit Todesfolge vor. Darauf stehen mindestens drei und im äußersten Fall bis zu 15 Jahre Haft. Der Handwerker soll die Frau beim Geschlechtsverkehr erwürgt haben. Dass er der Täter ist, müsste ihm in dem Indizienprozess nachgewiesen werden. Dies könnte schwierig werden, weil am Hals der Leiche DNA-Spuren von zwei weiteren Männern festgestellt worden sind, die bisher nicht zugeordnet werden können. Der Würger hatte so fest zugedrückt, dass Zungenbein und Kehlkopf gebrochen sind. Nach einem gestern erstatteten Gutachten ist die Frau mit Unterbrechungen bis zu 30 Minuten lang gewürgt worden. Das Opfer erstickte vermutlich im eigenen Bett. Fest steht derzeit, dass der Angeklagte zumindest "in der Vergangenheit ein Problem mit Gewalt gegen Frauen hatte", so Richterin Dr. Brüninghaus in Anspielung auf frühere Verfahren: Wegen Vergewaltigung ist der Handwerker bereits zweifach vorbestraft. In dem Fall, um den es seit gestern geht, war der Verdächtige fünf Tage nach der Tatnacht zum 10. Oktober 2006 vorläufig festgenommen worden, bevor er Anfang Dezember desselben Jahres wieder aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Ein dringender Tatverdacht sei nicht gegeben, hieß es damals seitens der Staatsanwaltschaft. Grund: Am Leichnam warnoch die DNA-Spur eines zweiten Mannes gefunden worden. Jetzt gibt es sogar eine dritte. Belastet wurde der Angeklagte von einem der letzten Liebhaber des Opfers, einer Art Nebenbuhler. "Sie hat mir erzählt, dass er sie fast zu Tode gewürgt habe", berichtete der Student, ohne jedoch eigene Beobachtungen zu Protokoll geben zu können. Offenbar hatte die Frau am Ende einen sozialen Abstieg hinter sich, trank zu viel und wechselte häufig die Bekanntschaften. "Sie hatte ein gewisses Alkoholproblem", so Richterin Brüninghaus nach einem Blick in die Akten. Einer der Männer soll sie geschubst und geschlagen haben. Der Prozess wird am heutigen Freitag, 11. Januar, fortgesetzt.

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