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Gedanken zur Einschulung

Grauenhaft oder unvergesslich schön?

Im Jahr 1957, „es war ein grauenhafter Tag!“ Werner Heuers Urteil über jenen Tag klingt herzzerreißend, immerhin spricht er von seiner Einschulung.

veröffentlicht am 09.09.2014 um 00:00 Uhr

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Autor:

von birte hansen

All die Monate zuvor habe er oft Fragen von Bekannten beantwortet: „Wie alt bist du denn, wann kommst du denn in die Schule?“ Wenn sich die halbe Welt dafür interessiert, muss dieser bevorstehende Abschnitt wohl ein ganz wichtiger sein – das galt damals, das gilt heute. Und doch sind die Unterschiede riesig.

Heute nimmt die Einschulung in vielen Familien Formen an, die mindestens an Konfirmationen erinnern. Groß, viele Gäste, gemeinsames Essen in einem Restaurant, viele Geschenke, Zusammensein den ganzen Tag. Auch die Grundschulen selbst haben viel zu tun mit der Vorbereitung auf diesen besonderen Tag.

Die kleinen alten Hasen der zweiten bis vierten Klassen üben Theaterstücke ein, Musikstücke, Sketche, es gibt Reden und für die Eltern und andere Angehörige reichlich Kuchen mit reichlich Kaffee. Vielerorts werden ganze Turnhallen für die Einschulungsfeier in Anspruch genommen, weil so viele Verwandte ihre Schulanfänger auf diesem wichtigen Schritt begleiten wollen.

Vor 57 Jahren sah das anders aus. „Da gab’s keinen Rahmen“, erzählt Werner Heuer. „Man wurde hingebracht, wir haben die Schultüte abgegeben“, danach sei es gleich in den Unterricht gegangen. Und da passierte das, was den Tag für zu einem „grauenhaften“ machte: „An dem Tag ist mir klar geworden, dass ich Linkshänder bin.“ Alles wurde getan, damit der kleine Werner mit der rechten Hand schreibt. Mit dem Ergebnis, dass er in „Schönschrift“ eine Sechs hatte und er sich an dem Tag einfach nur schlecht gefühlt habe.

Heute gilt es, den Kindern den Schuleinstieg so schön wie möglich zu machen. „Es ist toll, wenn sich die Kinder darauf freuen“, findet Karsten Petersen, ein junger Lehrer und zweifacher Vater, der nicht mit richtigem Namen genannt werden möchte. „Und ich finde, das kann man gebührend feiern“, sagt er.

Es sei schön, wenn alle mitkommen, inklusive Freunde und Paten und sich interessieren für das neue Umfeld des Kindes. Dass dieser Tag „groß“ gestaltet wird, hält er für angemessen. Noch viel wichtiger ist es laut Heuer, dass vor allem an den Tagen danach jemand für die Kinder da ist. Dann, wenn es ab Montag, 15. September, richtig losgeht. „Viele Kinder sind gestresst und alleingelassen“ mit all den Veränderungen. Die Eltern sollten dann als Ansprechpartner da sein.

Lehrer Petersen ist überzeugt davon, dass jedes Kind aus sich heraus hoch motiviert ist, zu lernen und zur Schule zu gehen. „Nie schlecht über die Schule reden!“, gibt er als Devise aus. Auch solche Unheil verheißenden Sätze wie „jetzt freust du dich noch, aber warte mal ab“ schürten völlig unnötig Ängste. Ebenso heikel: zu Hause schlecht über den Lehrer reden. Die meisten kleinen Schüler lieben ihren Lehrer und „kommen in einen Gewissenskonflikt“, wenn die geliebten Eltern ihn madig machen, so Petersen.

Den heute üblichen sanften Übergang zwischen Kindergarten und Schule, weil beide Seiten eng miteinander kooperieren, schätzt Heuer nach eigener Aussage.

Auch Petersen sagt, es gebe eigentlich kein Kind, das nicht schon vor der Einschulung mit der Schule in Berührung gekommen sei. So sollen Ängste genommen und der Kulturschock umschifft werden.



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