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Ein prächtiges Leben in den Geschäftsnischen: Andreas Schmidt-Probst und sein "House of Whisky"

Goldgelber Genuss - nicht nur aus Schottland

Krainhagen. Die Leidenschaft für den Whisky hat er als junger Mann entdeckt, als er in Österreich zwei Flaschen mit den goldgelben Destillat kaufte - einfach, weil ihm die Flaschen gefielen. Denn damals war Andreas Schmidt-Probst noch Antialkoholiker. Irgendwann hat er natürlich trotzdem probiert, danach folgten in der kalten Jahreszeit viele Abende mit Freunden, an denen der gebürtige Hesse und in Bückeburg aufgewachsene Schmidt-Probst schottischen Lachs, irischen Ceddar und selbstgebackenes Brot zu seinem Whisky präsentierte. Und irgendwann fiel der entscheidende Satz: "Verkauf doch mal Deinen Whisky." Das war leichter gesagt als getan, denn gerade mal eine Handvoll Verkaufststellen, bei denen Schmidt-Probst ordern konnte, gab es damals in Deutschland.

veröffentlicht am 10.02.2007 um 00:00 Uhr

Whisky wird nicht getrunken, sondern genossen: Andreas Schmidt-P

Autor:

Frank Westermann

Schmidt-Probst baute sich dennoch einen kleinen, feinen Kreis von Whisky-Kennern auf, die bei ihm orderten. Mit 800 Mark Ersparten hat er angefangen, denn natürlich gab es bei keiner Bank Kredit. Richtig in Schwung kam das Hobby durch das Internet. Schmidt-Probst erkannte sehr früh die Möglichkeiten, die das weltweite Netz bieten würde. Und sicherte sich eine Domain, die alles sagt: www.houseofwhisky.de. DasÜberleben im Nischendasein, es hat sich gelohnt für den 43-Jährigen. Seine Stundenzahl als Taxifahrer konnte er in den letzten Jahren immer stärker reduzieren, wenn das Geschäft mit der "Quintessenz Schottlands" weiter so gut läuft, dann wird er irgendwann den dem Taxi-Beruf goodbye sagen können: "Das ist das Ziel, darauf arbeite ich hin. " Natürlich hat er auch zu kämpfen gehabt, vor allem zu der Zeit, als die Ich-AGs durch Deutschland schwappten. "Das war schon eine Wettbewerbsverzerrung, die vor allem über die Preise lief", erinnert er sich, und so ganz sauber schien ihm der eine oder andere Whisky-Anbieter auch nicht zu sein. Aberder Markt hat sich schnell wieder bereinigt, auch wenn es heute mehrere Internet-Anbieter gibt, die das "house of whisky" im Titel tragen. Schmidt-Probst hat sie jetzt alle angeschrieben; nicht um ihnen mit einer Abmahnungen zu drohen, sondern um einen losen Händler-Zusammenschluss aufzubauen, derin ganz anderen Mengen bestellen und dann die Preisersparnis an den Kunden weitergeben könnte. In Amerika hat er das schon geschafft, dort hat er einen Händler, der ihn mit Whisky aus den USA beliefert. Denn auch wenn der schottische Single Malt, die unvermischte Abfüllung einer einzigen Brennerei, unter Kennern als Krönung einer 500 Jahre alten Tradition gilt, so wird Whisky auch in den USA, Kanada, Japan, Australien, Spanien, Deutschland und natürlich Irland hergestellt. Aber der Angebots-Schwerpunkt des Krainhägers liegt ganz klar auf schottischem Whisky:: "Mit jedem Schluck lässt er etwas von seinem Ursprungsland lebendig werden." Er mag Schottland nicht nur, ihm gehört auch ein kleiner Teil es Landes: 30 mal 30 Zentimeter, ein "Squarefeet", erklärt Schmidt-Probst. Und fängt an zu erzählen: Von seiner Mitgliedschaft in der "Scotch Malt Whisky Society", von der schottischen Idee, den Naturschutz durch eigene Whiskyflaschen zu finanzieren ("National Trust for Scotland" prangt es auf dem Etikett), von den Kopfnoten, auf die jeder Whisky zurückzuführen ist, von seiner Liebe zu Bückeburg und dem "Weihnachtszauber", der einzigen Veranstaltung, auf der er selbst aufritt und seinen Whisky präsentiert. "Die alten Wurzeln", meint er. Und sogar ein eigenes Fass voller Whisky hat er einst gekauft und in Flaschen abgefüllt. 336 Stück mit dem eigenen "house of whisky"-Etikett, die sich verkauft haben wie das sprichwörtliche geschnitten Brot. Eine hat er behalten, eins seiner liebsten Souvenire. Und auch wenn Andreas Schmidt-Probst den Hauptumsatz per Internet macht, so sind Kunden in Krainhagen in der "Ackerbeeke 6" (nach Absprache) immer willkommen. Denn das beste Argument für Whisky ist immer noch der Geschmack, die wunderbare Vielfalt der Aromen. "Wer den Weg findet, wird durch Kostproben belohnt", sagt Schmidt-Probst. Erfahrungsgemäß fahren die meisten Besucher nach der Kostprobe mit dem Taxi nach Hause. Und sind Whisky-Fans.

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