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Für Irmgard und Gerhard Meyer gab es ein Leben lang nur großen Fleiß und große Sparsamkeit

Gnadenhochzeit – schon sieben Jahrzehnte hält ihr Ehe

Hameln. Es ist ein Ehejubiläum, das nur selten gefeiert werden kann, die Gnadenhochzeit für 70 Jahre Ehe. Irmgard Meyer, geb. Kämpfer, und ihr Mann Gerhard haben es geschafft, sieben Jahrzehnte miteinander zu verbringen. Am 8. Juli 1944 haben sie den Bund fürs Leben miteinander in Munster geschlossen, wo der Ostfriese damals bei der Wehrmacht war und Menschenversuchen mit dem Kampfgas Lost ausgesetzt wurde. Seine künftige Ehefrau lernte er kennen, als er sie als Wache schiebender Soldat in die Kaserne begleiten musste, weil sie einem anderen Soldaten eine Nachricht von einer Freundin überbringen sollte.

veröffentlicht am 10.07.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 15.11.2016 um 08:39 Uhr

Die Papiere für die Eheschließung hatten sie schnell beisammen, nur eines fehlte: die schriftliche Genehmigung ihres Vaters, denn Irmgard Kämpfer war noch nicht 21 Jahre alt. „Reicht denn nicht die Unterschrift der Mutter?, fragten wir auf dem Standesamt“, erinnern sich beide. „Der Vater ist doch an der Front.“ Geheiratet wurde dann doch – die Genehmigung kam telegrafisch.

Fünf Jahre war Gerhard Meyer in russischer Gefangenschaft, ehe er Ende August 1949 nach Hause zurückkehren durfte. Krank und arbeitslos kämpfte er vergebens um eine Versehrtenrente wegen seiner Lost-Vergiftungen, die er bei den streng geheimen Versuchen erlitten hatte. „Nicht einmal ich durfte von den Versuchen etwas wissen“, erzählt Irmgard Meyer, die in wenigen Tagen 91 Jahre alt wird und wie ihr 93-jähriger Mann im Kopf total fitt ist. „Wir gehen ja auch regelmäßig zum Gehirntraining“, berichtet das Ehepaar, das noch ganz selbstständig in einer eigenen Wohnung im Tönebön am Klüt lebt und sich gegenseitig hilft.

Durchgeschlagen haben sich die beiden mit großem Fleiß und großer Sparsamkeit. Ohne Ausbildung ins Leben geworfen, „haben wir uns doch finanziell gut über Wasser gehalten“. Notfalls mit dem Sammeln und Verkaufen von Blaubeeren und Pilzen. Und: „Ich habe Tag und Nacht gearbeitet und nur sehr wenig geschlafen.“

Die Hochzeit wurde am 8. Juli 1944 in Munster gefeiert

Neben seiner Beschäftigung erst bei den Briten und später der Standortverwaltung der Bundeswehr in Munster, spezialisierte er sich gemeinsam mit seiner Frau darauf, Gärten anzulegen. Urlaub habe es höchstens bei Verwandten gegeben. „Den ersten richtigen Urlaub haben uns unsere Kinder im vergangenen Jahr in St. Peter Ording geschenkt.“ Vier Söhne hat das Jubilarpaar, acht Enkel und fünf Urenkel. wft



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