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„Glücklichere Ziegen hab ich noch nie gesehen“

Polle (fhm). Die Diskussion verlief zum großen Teil sachlich, die Informationen waren ausführlich, die Befürchtungen von Bürgern stark. Mehrere Stunden lang ging es am Dienstagabend in der Aula der Ritterhofschule Polle um das Ziegenprojekt auf dem Heidbrink.

veröffentlicht am 02.09.2009 um 19:37 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 04:41 Uhr

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Polle (fhm). Die Diskussion verlief zum großen Teil sachlich, die Informationen waren ausführlich, die Befürchtungen von Bürgern stark. Mehrere Stunden lang ging es am Dienstagabend in der Aula der Ritterhofschule Polle um das Ziegenprojekt auf dem Heidbrink.
 Ottensteins Bürgermeister Manfred Weiner übernahm es, das Projekt der Firma Petri vorzustellen. „Wir haben uns bemüht, Stefan Petri hierhin zu holen. Wenn sich aber jemand in Polle nicht mehr auf die Straße traut, weil er angegriffen wird, wird er hier auch nicht sprechen.“ Seit 33 Jahren sei er Bürgermeister und habe das Werden und Wachsen der Firma Petri begleitet. Zurzeit seien dort 121 Menschen beschäftigt. Zusammen mit anderen Kommunalpolitikern und Vertretern des Landkreises habe er sich in Holland vor Ort ein Bild gemacht, wie eine solche Ziegenfarm aussehen könnte. „Ich habe glücklichere Ziegen eigentlich noch nicht gesehen.“ Wenn Petri mit diesem Projekt starten würde, wären es anfangs etwa 1000 Ziegen. Erst nach etwa sechs Jahren wäre die volle Stärke von 7000 Ziegen erreicht. Er könne sich die Ziegenfarm auf dem Heidbrink nach der Besichtigung in Holland gut vorstellen. „Es ist sauber, es riecht nicht, und die Ziegen fühlen sich wohl.“ Er rechne damit, dass etwa zwei Lastwagen innerhalb von drei Tagen die Milch vom Heidbrink zur Molkerei in Glesse bringen.
 Michael Buschmann von der Naturschutzbehörde des Landkreises Holzminden erklärte das Verfahren, wie das Gebiet des Heidbrinks aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgenommen werden kann. Würde Heidbrink Landschaftsschutzgebiet bleiben, wäre dort die Ziegenfarm nicht möglich. Bei diesem Verfahren hätten sowohl Bürger als auch Verbände die Möglichkeit, ihre Bedenken einzubringen. Walter Dormann, Leiter des Amtes für Planung, Naturschutz und Bauaufsicht beim Landkreis, bestätigte, dass bisher kein Bauantrag vorliege. Er erklärte, dass bei einer solchen Größe eines gewerblichen Betriebes das klassische Antragsverfahren nach Baurecht durchgeführt werde. Das bedeute, dass auch Verbände Klagerecht gegen dieses Projekt hätten und bis zur letzten Instanz streiten könnten. Besonders das Recht der Nachbarn müsse berücksichtigt werden.
 Kreis-Veterinärin Dr. Susanne Rauth stellte sich den Fragen der Tierschützer. Aus tierschutzrechtlicher Sicht gebe es keine Bedenken, so Dr. Rauth. „Eine ganzjährige Stallhaltung von Ziegen ist möglich.“
 Am Ende der Vorträge zogen Polles Bürgermeister Hans-Alexander Meinders und Kreisdirektor Rainer Becker die Aufmerksamkeit auf sich. Meinders machte klar, dass die Gemeinde bei den Genehmigungen beteiligt wird. Die Diskussion werde im Ort sehr intensiv geführt. „Aber ich verwahre mich dagegen, dass ich als Erfüllungsgehilfe von Petri bezeichnet werde. Es reicht.“ Die letzte Entscheidung liege nicht bei der Verwaltung, sondern bei der Politik, erklärte Becker. Der Kreistag wird bei der Teillöschung aus dem Landschaftsschutzgebiet den Grundsatzbeschluss pro oder contra Ziegenfarm fällen. „Sicherlich vernichtet man eine der fünf schönsten Stellen im Landkreis“, sagte Becker, wenn man sich für das Ziegenprojekt entscheide. Allerdings werde der Kreistag auch den Aspekt der Wirtschaftsförderung und Arbeitsplätze im Auge haben.
 Georg Petau und Reiner Sandow als Vertreter der Anwohner des Heidbrinks äußerten ihre großen Sorgen über die Ziegenfarm. Die Einschätzung eines Gutachters, dass keine Geruchsemission zu befürchten sei, könnten sie nicht nachvollziehen. Außerdem habe dieser Gutachter zuletzt vor Gericht Niederlagen erlitten. Am schlimmsten sei für sie die Zerstörung der Natur und die Missachtung der Heidbrink-Bewohner.

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