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Die LG Fastflitzer startete beim 13. Untertage-Marathon in Sondershausen in 700 Meter Tiefe

„Glückauf“ beim tiefsten Marathon

Osterwald. Die Laufgruppe Fastflitzer aus Osterwald ist in den vergangenen Monaten außerordentlich aktiv gewesen und konnte bei vielen Wettkämpfen sportlich überzeugen, so z. B. beim Harzgebirgslauf, Magdeburg-Marathon und dem Survival-Run im Serengetipark. Beim Nachtlauf in Hannover im September gehörte die Gruppe mit 22 gemeldeten Läufern zu den teilnehmerstärksten Vereinen und belegte einen respektablen 9. Platz von 74 gemeldeten Teams.

veröffentlicht am 27.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 14.11.2016 um 17:16 Uhr

Als großen Saisonausklang haben sich die Läufer Dirk Sanderschäfer, René Severith und Eike Dempewolf etwas ganz Besonderes ausgesucht, die Teilnahme am sogenannten Untertage-Marathon, dem weltweit einzigen Langstreckenlauf in 700 Metern Tiefe. Schauplatz ist die Kaligrube „Glückauf“, ein großes Erlebnisbergwerk im thüringischen Sondershausen.

Der Lauf hat den Ruf, einer der härtesten Marathonläufe überhaupt zu sein, als besondere Herausforderung gelten die Strecke und das Klima unter Tage: Das Rennen wird auf einem Rundkurs absolviert, der Steigungen und Gefälle von bis zu 20 Prozent (20 Meter Höhenunterschied pro 100 Meter Strecke) sowie erhebliche Höhenunterschiede aufweist. Auf der vollen Marathondistanz fallen so immerhin mehr als 1000 Höhenmeter an. Die Temperatur erreicht in Abhängigkeit von der Tiefe Werte zwischen 22 und 30 Grad, dazu kommen eine geringe Luftfeuchtigkeit von maximal 30 Prozent und ein permanenter feiner Salzstaub im Stollensystem. Diese surrealen Bedingungen, die denen von Trockengebieten der Erde ähneln, ziehen regelmäßig viele Extremsportler an. Der Lauf ist aus sicherheits- und logistischen Gründen auf 500 Teilnehmer begrenzt und wie in jedem Jahr schon lange vorher ausgebucht. Alle Läufer müssen Helme tragen, eine Sicherheitsvorschrift seitens des Veranstalters. Nach einer mehrminütigen Fahrt mit einem rustikalen Förderkorb in die Tiefe begeben sich die Teilnehmer zu dem von einer Bergmannskapelle lautstark angekündigten Startbereich in einer großen Kaverne, sie werden dort von Fahnenträgern mit den Flaggen der 15 vertretenen Nationen empfangen.

Severith und Sanderschäfer hatten sich für den Halbmarathon gemeldet, Dempewolf gehörte zu den Sportlern, die sich der vollen Marathondistanz stellen wollten, für alle erfolgte der Start um 10.30 Uhr zeitgleich. Schon nach der ersten Kurve gelangte das Läuferfeld in eine Wunderwelt aus halbdunklen Kali-Stollen, bizarren geologischen Formationen, düsteren Seitengängen und mit einer dicken Salzkruste belegten Spezialfahrzeugen und Gerätschaften, teilweise noch aus DDR-Beständen, die irgendwo im verzweigten Stollensystem abgestellt wurden. René Seve-rith, der erst kürzlich das Spartan Beast Race gemeistert hat, ein schwerer Hindernislauf in Vermont (USA), absolvierte die 21 Kilometer lange Strecke in für diese Bedingungen respektablen zwei Stunden, bald gefolgt von Dirk Sanderschäfer in 2:14 h. Eike Dempewolf feierte im Brügmann-Schacht ein kleines Jubiläum, war es doch sein insgesamt 20. Wettkampf über die 42 Kilometer lange Marathondisziplin. Vor wenigen Wochen noch auf dem flachen Kurs des Berlin-Marathons in 3:28 h erfolgreich, musste auch er besonders ab Kilometer 35 den harten, stickigheißen Bedingungen unter Tage Tribut zollen und erreichte nach 4:58 h unter Anfeuerung seiner Lauffreunde das Ziel weit unter der Erdoberfläche.

Die drei Osterwalder Fastflitzer sind stolz, ihr Ziel erreicht zu haben.

Die heimischen Läufer sind schließlich froh gewesen, dieses Laufabenteuer ohne größere Blessuren überstanden zu haben, hat doch so mancher Läufer seinen Lauf dehydriert und von Wadenkrämpfen geplagt abgebrochen. „Die Strecke mit ihren kernigen Steigungen war hammerhart und der Flüssigkeitsverlust in der Hitze enorm“, so die Läufer aus Osterwald. Bis zu sechs Liter haben die Aktiven während des Wettkampfes zu sich genommen. Trotz der Anstrengung war es nicht nur für die Fastflitzer ein einmaliges Erlebnis auf einer besonderen Laufstrecke, denn der Untertage-Marathon hat in diesem Jahr zum letzten Mal stattgefunden. Durch Versatzarbeiten im Bergwerk steht im kommenden Jahr leider kein für einen Marathon geeigneter Rundkurs mehr zur Verfügung. Aber es gibt ja viele noch andere spannende Laufziele, die es zu entdecken gilt.



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