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Cornelia Kurth spricht mit Sippenführer Eike Quast vom Stamm der "Helmburgis"

Gilt das Motto noch: Jeden Tag eine gute Tat?

Im Juli 1907, vor hundert Jahren, hatte der Gründer der Pfadfinderbewegung, Robert Baden-Powell, zum ersten Mal eine Gruppe Jugendlicher zu einem Jugendzeltlager ein. Ein Jahr später erschien sein berühmtes Buch "Scouting for boys", in dem er die Idee des "Learning by doing" beschrieb.

veröffentlicht am 18.06.2007 um 00:00 Uhr

Eike Quast (18) ist Sippenführer im Stamm "Helmburgis" des "Bund

Eike Quast (18) aus Fischbeck ist Sippenführer im Stamm "Helmburgis" des "Bundes der Pfadfinderinnen und Pfadfinder" (BdP).Cornelia Kurth hat ihn zur Situation der Pfadfinder heute befragt. Gilt bei den Pfadfindern noch das Motto: "Jeden Tag eine gute Tat?" Eike: Na ja, diese Forderung stammt aus der Pfadfinder-Urzeit. Ganz bestimmt ist es nicht so, dass wir, wie das "Fähnlein Fieselschweif" von Walt Disney, auf Teufel komm raus jeden Tag irgendeine gute Tat erledigen müssen. Aber es bedeutet, dass wir uns für die Gemeinschaft einsetzen. Zwei unserer Regeln heißen: "Ich will hilfsbereit und rücksichtsvoll sein" und "Ich will mich für die Gemeinschaft einsetzen, in der ich lebe". Das heißt: Es gibt so was wie die "Pfadfinder-Ehre"? Eike: In gewisser Weise schon. Wir haben neun ausformulierte Regeln, die alle in die Richtung gehen, Respekt vor anderen zu haben, kritisch zu sein, Schwierigkeiten nicht auszuweichen, und Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Und das freie Leben in der Natur? Eike: Pfadfinder werden oft darauf reduziert, dass sie ständig im Wald sind und fürs Survival trainieren. Natürlich sind die Lager und Sippenfahrten sehr wichtig, das Wandern, Zelten, Feuermachen. Wir wollen die Natur kennenlernen und helfen, sie zu erhalten, auch das ist eine der Regeln. Aber das ist nicht unser Hauptthema. Unser Ziel ist es, so zusammen zu sein, dass jeder einzelne lernen kann, eine politische Meinung zu bilden und sich sozial und ökologisch zu engagieren. Robert Baden-Powell war Soldat. Ist das noch spürbar in der Organisation der Pfadfinder? Eike: Nun, er hatte durchaus militärische Vorstellungen von den Pfadfindern. Er war der Erfinder des "Systems der kleinen Gruppen" und fasste damals in Afrika sechs bis acht Soldaten zu kleinen selbständigen Teams zusammen, was sehr gut funktionierte. Aber wir halten klare Distanz zu allem Militärischen, das haben wir im Laufe der Jahre längst abgeworfen. Eure "Kluft" wird von manchen als Uniform angesehen Eike: Unsere Kluft ist keine Uniform im militärischen Sinn, sondern eher so was wie eine Schuluniform, die dazu dient, soziale Unterschiede auszugleichen. Als Robert Baden-Powell das erste Pfadfinderlager organisierte, waren Jugendliche aus allen gesellschaftlichen Schichten dabei - das war etwas Besonderes und es prägt die Pfadfinder bis heute. Du bist "Sippenführer" - was bedeutet das? Eike: Es bedeutet nicht, ein Befehlshaber zu sein. Sippenführer sind Leitfiguren und Vorbilder für die Sippe. Sie geben Hilfestellungen, damit ein guter Gruppenzusammenhalt entsteht. Wenn man seine Sache gut macht, dann wird man bald überflüssig und die Gruppe kann selbständig und demokratisch ihre Entscheidungen treffen. Was Dich persönlich betrifft: Denkst du daran, jeden Tag eine gute Tat zu tun. Eike: Ja, ich mache mir oft Gedanken, wie ich diese alte Idee ins Heuteübertragen kann. Für mich bedeutet es, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und meine Mitmenschen zu sehen. Die "guten Taten" kommen dann von ganz allein.



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