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Finanz- und Wirtschaftskrise Thema bei Maikundgebungen / Lenze gilt als Negativbeispiel

Gewerkschaften streiten für einen Neuanfang

Hameln-Pyrmont (CK/fn). „Arbeit für alle bei fairem Lohn!“ So lautet in diesem Jahr das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes zum Tag der Arbeit am 1. Mai. Regionssekretär Volker Eggers forderte bei der zentralen Kundgebung am Hochzeitshaus einen Neuanfang und eine Wirtschaftsordnung mit mehr Mitbestimmung und Teilhabe, die dem Wohl aller Menschen diene. „Daher verlangen die Gewerkschaften Mindestlöhne, um ein Abrutschen in die Armut zu stoppen“, sagte er. Angesichts der geplanten Aufmärsche von Neonazis forderte Eggers ferner ein Verbot der NPD und machte auf das in Hameln gegründete Bündnis „Bunt statt Braun“ aufmerksam.

veröffentlicht am 01.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Mit Transparenten verschiedener Art hatten sich die Kundgebungst

Die „Gier und Skrupellosigkeit von Konzernlenkern und Managern“ prangerte Uwe Mebs, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim an. „Ihr habt die Karre in den Dreck gefahren, jetzt holt sie auch wieder raus“, forderte er in Richtung Banker zum Handeln auf. Den Rettungsschirm für die Banken nannte er zwar „notwendig“, sagte aber, es könne nicht sein, dass die Kosten auf die Steuerzahler abgewälzt würden.

Die Krise ist nach Mebs Worten inzwischen in vielen Betrieben angekommen. In der Region Hameln seien 4000 Menschen in über 130 Betrieben inzwischen von Kurzarbeit betroffen; aber die Gewerkschaften hätten sich dafür eingesetzt, um Entlassungen zu vermeiden. Den Mühen der Betriebsräte und Vertrauensleute sei es vor allem zu verdanken, das betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen worden seien, etwa bei Phoenix in Bad Pyrmont, bei Haworth Dyes in Bad Münder oder bei Rexnord in Hameln.

Es gebe aber auch Arbeitgeber, die versuchen, sich aus der sozialen Verantwortung zu stehlen, so Mebs und nannte als Beispiel dafür die Firma Lenze, wo weltweit 600 Mitarbeitern gekündigt werden solle. „Die Herren aus der Chefetage wollen die Krise nutzen, um Ergebnissicherung auf dem Rücken ihrer Beschäftigten zu betreiben“, warf er der Führung vor. Nicht zuletzt angesichts des Drucks auf Arbeitnehmervertretungen sagte Mebs: „Wir werden das nicht hinnehmen. Wir werden um jeden einzelnen Arbeitsplatz kämpfen. Die Anwesenden forderte er auf, sich mit ihrer Unterschrift an einer Solidaritätsaktion für die Lenze-Mitarbeiter zu beteiligen. Und „Wütend“ macht Mebs noch etwas: „die radikale Senkung der Alterseinkommen.“ „Wir sagen, Rente muss für ein gutes Leben reichen“, so der IG-Metaller.

Torsten Schulte schlug in Hessisch Oldendorf einen Bogen von den Anfängen bis heute.

„Gute Arbeit bei fairem Lohn!“ lautete auch in Hessisch Oldendorf das Motto der diesjährigen Maikundgebung. Das kühle Wetter passte sich den noch kühleren Wirtschaftsprognosen an und war sicher mit ein Grund, weshalb die DGB-Ortsverbandsvorsitzende Marlies Schattenberg lediglichz rund 70 Teilnehmer zur Kundgebung begrüßen konnte. „Nun ist die Finanz- und noch mehr die Wirtschaftskrise bei den Beschäftigten und deren Familien angekommen. Die Arbeitslosigkeit bedroht auch jene, für die dieser Begriff beinahe ein Fremdwort war“, so Schattenberg.

Einen Bogen von den Anfängen der Maifeiern 1856 in Australien über die aktuelle Wirtschaftspolitik bis hin zu den kommunalen Problemen zog Mai-Redner Torsten Schulte. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Postbank ging in seinen Worten auch auf die Bedeutung zur Einführung von weiteren Mindestlöhnen ein: „Der Mindestlohn ist ein wichtiger Bestandteil in der Regelung von Arbeitsbedingungen, aber kein Allheilmittel“, sagte er.

Als Hauptredner auf dem Steinhof in Bad Münder skizzierte ver.di-Landesvorsitzender die direkte Wirkung der Finanzkrise auf die Arbeitsplätze. Banken würden den Kredithahn zudrehen und damit viele Betrieb in die Knie zwingen. „Von den 200 Milliarden, die als Rettungspaket in die Banken geflossen seien, ist bisher nichts bei uns angekommen“, so Hohmeier. Er forderte Rettungsschirme für gesunde Unternehmen, auch die Verstaatlichung dürfe kein Tabu mehr sein. Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung sei allerdings noch nicht ausreichend.

„Kein bisschen leise“ ist der gestandene Politiker und Gewerkschafter Wolfgang Schultze. So präsentierte er sich auf der mobilen Bühne auf dem Holzmindener Marktplatz, und 250 Zuhörer verfolgen den eindringlichen Appell des gestandenen IG BCE-Mitglieds und ehemaligen heimischen SPD-Landtagsabgeordneten, der maßgeblich an politischen Stellschrauben mitgedreht hat und auf dem Marktplatz – gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise – ein Zeugnis für die Einheitsgewerkschaft ablegt. Schultze: „Der DGB ist die Stütze der Arbeitnehmer“ und: „Wir sind in einem neuen Verteilungskampf.“



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