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Halme bis zum Boden hin abgenagt

Getreideräuber: Landwirt muss Gänse verjagen

Steinhuder Meer (ade). Das Wintergetreide haben die Gänse am Steinhuder Meer den Winzlarern Heiko und Anke Wilkening angeknabbert. Die Landwirte wünschen sich mehr Verständnis von Seiten der Naturschützer und Lösungsvorschläge von der Politik.

veröffentlicht am 10.01.2008 um 00:00 Uhr

Nur noch einen Zentimeter lang sind die Halme des Wintergetreide

"Es ist ja schön, wenn die Gänse über unser Haus fliegen", meint Anke Wilkening. Sie freut sich gemeinsam mit den Naturschützern darüber, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Gänse am Steinhuder Meer eine Zwischenstation auf ihrem Weg nach Süden einlegen oder die Weiten der Meerbruchswiesen gar zum Überwintern nutzen. Als weniger schön empfindet das Ehepaar es, wenn die Gänse sich zu Tausenden auf ihren Äckern niederlassen und die jungen Halme fressen. Gerste, Weizen und Tritical, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen, hat Heiko Wilkening auf den rund 16 Hektar Land angebaut, die er nahe der Meerbruchswiesen neben dem Rundwanderweg um das Steinhuder Meer bewirtschaftet. Im Herbst hat er ausgesät, bis zum Jahreswechsel schauten die Halme rund zehn Zentimeter aus dem Boden. Dann kamen die Gänse. Auf Futterknappheit in den Wiesen führt Wilkening deren "Überfall" zurück. Thomas Brandt, Biologe bei der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM) in Winzlar vermutet einen Zusammenhang mit dem Frost. Auf den feuchten Wiesen sei die Futtersuche dann schwierig, die Äcker böten den Gänsen einfachere Möglichkeiten, Futter zu finden. Für Wilkening bedeutete das, über zehn Tage mehrmals täglich zu seinen Flächen zu laufen und die Gänse - nach Zählungen von Brandt rund 2500 Stück - zu verscheuchen. Das Ehepaar, die Kinder, selbst der Hund haben dabei geholfen - mit recht wenig Erfolg, wie Anke Wilkening erzählt: Auf dem Acker blieben die Pflanzen mit bis auf einen Zentimeter abgenagten Halmen zurück. Seine Anfragen bei der Bezirksregierung, was denn dagegen getan werden könne, hätten nicht mehr als den Rat "wegscheuchen" eingebracht, erzählt Heiko Wilkening. Das Ehepaar empfindet das als ärgerlich. In einigen Bereichen an der Elbe bekommen Landwirte Ausgleichsflächen, wissen sie. Warum nicht auch sie? Auch Thomas Brandt beobachtet seit Jahren die Gänse auf den Äckern, einige Landwirte sind bereits zu ihm gekommen, um sich zu beschweren. Einen nachweislichen Schaden bei der Ernte habe er bisher aber nicht feststellen können, sagt Brandt. Wenn das anders sei oder werde, dann würde er sich dafür einsetzen, dass die Landwirte entschädigt werden. Ob ihm ein tatsächlicher Schaden entstanden ist, kann auch Wilkening nicht sagen. Geärgert hat sich das Ehepaar allerdings vor einigen Jahren, als bei einer der ersten Anfragen nach Abhilfe der Ratschlag eines Naturschützers darin bestand, Schilder aufzustellen, dass hier für Gänse das Fressen verboten sei...

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