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Ernüchterung für Unternehmensberater: Gerade zwölf von 60 Ärzten kommen zum Seminar

Gesundheitszentrum: Nachfrage gleich Null

Bad Nenndorf (ede). Ist das Gesundheitszentrum auf dem Thermalbadparkplatz vom Tisch? Die Frage wird sich Günter Müller nach dem Seminar für die örtlichen Mediziner wohl stellen müssen. Zumindest den ersten Reaktionen der Ärzte nach. Denn die blockten ab, zeigten sich nach Müllers Ausführungen eher skeptisch. Gerade zwölf der mehr als 60 angeschriebenen Ärzte waren der Einladung des Unternehmensberaters ins Parkhotel gefolgt. Nicht einer signalisierte an diesem Abend, in das Gesundheitszentrum ziehen zu wollen.

veröffentlicht am 30.06.2007 um 00:00 Uhr

Unternehmensberater Günter Müller

Ernüchterung bei den Planern des Gesundheitszentrums: Für Klarheit hatte der Krefelder Unternehmensberater Günter Müller am Mittwoch im "Parkhotel" sorgen wollen. Doch am Ende des Seminars blieben eine Menge Fragezeichen. "Da kommt was auf uns zu, was wir noch gar nicht verstehen", begründete dieHautärztin Elisabeth Schubert ihre Zurückhaltung. Tatsächlich sei das Ganze sehr komplex, gab Müller zu. Doch er prophezeite: Die Mediziner würden nicht umhin kommen, sich mit derartigen Geschäftsmodellen auseinander zu setzen. 90 Minuten nahmen sich Betriebswirt Müller, Rechtsanwalt Bodo Kühn sowie Architekt Thomas Duprée Zeit, um den Nenndorfer Medizinern ihr Konzept vom Gesundheitszentrum auf dem Thermalbadparkplatz vorzustellen. Dass dieÄrzte langfristig umdenken müssten, betonte Müller mehrfach: "Die Landschaft wird sich verändern", sagte er. Und: "Sie müssen sich Gedanken machen zur künftigen strategischen Ausrichtung", ergänzte Kühn. Unterm Strich gehe es darum, Kosten zu senken und Umsätze zu erhöhen. Und dafür sei,so betonte Müller, das Konzept vom Gesundheitszentrum "einegute Sache". Klar sei für ihn, dass es den Arzt als Einzelkämpfer künftig kaum mehr geben wird. Müller: "Es ist Eigeninitiative gefragt." Ärzte müssten sich mit neuen Geschäftsmodellen befassen, wollten sie konkurrenzfähig bleiben. Zumal sich in ihrer Budgetierung einiges ändern werde und Zweigpraxen keine Alternative seien. Das für das Jahr 2009 geplante Honorarsystem, erklärte Kühn, werde zwar für mehr Transparenz sorgen. "Mehr Geld wird es dadurch aber nicht geben." Im Gegenteil: In Ballugnsräumen sinke die Vergütung. Das System werde Ärzte dazu zwingen, in unterversorgte Gebiete zu gehen, weil nur noch diese dann finanziell interessant seien. Mit Zweigpraxen wiederum sei kein Geld zu machen, weil es dafür kein zusätzliches Budget gebe. Die Filialen seien ein "Gedankenspiel", würden wohl lediglich "in Einzelfällen umgesetzt". Müller führte die "Synergieeffekte" von Gesundheitszentren ins Feld. So ließen sich etwa Kosten sparen durch einen Empfang für alle Praxen oder die gemeinsame Nutzung der Ressourcen. Angeschlossene Nahversorger, so ein weiteres Beispiel, könnten die Kundenfrequenz erhöhen. Die nötigen Umsätze wiederum ließen sich durch Kooperationen mit anderen Ärzten oder aber durch interdisziplinäre Zusammenarbeit erreichen. Zudem könnten sich Ärzte an separaten Wirtschaftsbereichen, etwa dem Pflegedienst oder der Physiotherapie beteiligen. Allerdings dürften sie hier "nicht in die Gewerblichkeit abdriften", warnte Kühn. Letztlich seien Gesundheitszentren in erster Linie Wirtschaftsmodelle, brachte es Müller abschließend auf den Punkt. Wirklich überzeugen konnte er an diesem Abend jedoch nicht. Als er die finale Frage stellte, wer denn bereit wäre, in ein Gesundheitszentrum zu ziehen, gab es nicht eine Meldung.



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