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Im Arbeitsagenturbezirk Hameln braucht man trotz der Krise in vielen Branchen neue Mitarbeiter

Gesucht: Pfleger, Maler, Elektriker, Ärzte

Hameln (TT). Trotz der Wirtschaftskrise sind derzeit fast 2000 offene Arbeitsstellen gemeldet, die die Agentur für Arbeit im Bezirk Hameln nicht besetzen kann. Die Palette der Jobs, die auf eine Neubesetzung warten, reicht von Sozialpflegern (202 offene Stellen) und Kellnern (126) über Landarbeitskräfte (79) und Köchen (67) bis zu Verkäufern (59) und Ärzten (30).

veröffentlicht am 15.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Vor allem im Handwerk und in verschiedenen Sozialberufen suchen Chefs neue Mitarbeiter. Michael Stolpe von der Arbeitsagentur Hameln: „Im Handwerk wird immer nach qualifizierten Mitarbeitern gesucht, das Handwerk ist von der Krise nicht so betroffen wie die Industrie. Und im Pflegebereich ist ohnehin immer Bedarf.“

Das bestätigt Karsten Ger-hardy, Niederlassungsleiter der Hamelner S&D Service und Dienstleistungen GmbH: „Wir suchen seit längerem Altenpfleger und Pflegehelfer. Wir haben Aufträge ohne Ende – aber wir finden keine geeigneten Pflegemitarbeiter.“ Dabei würde Gerhardy gerne auch Langzeitarbeitslose einstellen. Für ihn sei nicht entscheidend, ob ein Bewerber längere Zeit arbeitslos war, sondern „die Motivation und Qualifikation des Bewerbers“.

Gute Leute werden immer gesucht

Auch der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Ulrich Wichmann, erzählt: „Gute Mitarbeiter werden immer gesucht. Vor allem werden derzeit Elektriker benötigt und es gibt eine gewisse Dynamik im Friseurbereich.“ Offenen Stellen gibt es bei Malern/Lackierern (55), Maschinenbautechnikern (33), Kfz-Mechanikern (32), Elektroinstallateuren (29), Schlossern (25) und Maurern (12).

Das Phänomen gilt bundesweit: Im Handwerk und in der Pflege geht noch was. In ganz Deutschland sind in diesen Bereichen 130 000 Arbeitsstellen unbesetzt. Die Bundesagentur für Arbeit hat zusammen mit dem Zentralverband des Deutschen Handwerks eine Kampagne gestartet, um die Chancen von Hartz-IV-Empfängern auf solche Jobs zu erhöhen. „Wir haben in der Grundsicherung viele motivierte und engagierte Fachkräfte“, erklärte Bundesagentur-Vorstand Heinrich Alt. 80 000 Menschen, die von Hartz IV leben, kämen aus Sozial- und Gesundheitsberufen oder wollten in diesen Berufen arbeiten. Weitere 200 000 hätten handwerkliche Berufsqualifikationen. Ein Vermittlungshindernis ist aus Sicht der Agentur der „vermeintliche Makel Hartz IV“ und damit verbundene Vorurteile. Eine Informationskampagne soll nun helfen, „in den Köpfen der Unternehmen Vorurteile abzubauen“.

Qualität der Bewerber nimmt deutlich zu

Allerdings wächst auch die Zahl der Bewerber pro Stelle. Wie Thomas Mahrenholtz von der Hamelner Unternehmensberatung Transforma Syndikat erläutert, „haben wir immer noch ziemlich viele Bewerbungen auf ziemlich wenige Stellen“. Mahrenholtz tritt aus folgendem Grund auf die Euphoriebremse: „Die Qualität der Bewerber zieht an. Das bedeutet, dass die Zahl der qualitativ hochwertigen Arbeitssuchenden steigt. Die Situation am Arbeitsmarkt entspannt sich eben noch nicht. Das zeigt sich auch darin, dass auf der Bewerberseite die Kompromissbereitschaft zum Beispiel in Gehaltsfragen ansteigt.“ Die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Niedersachsen-Bremen, Heidrun Schulz, bestätigt: „Selbst gut geeignete Bewerber haben es bei Arbeitgebern oft schwer, eine Chance zu erhalten.“ Das treffe auch auf die 160 000 niedersächsischen Empfänger von Arbeitslosengeld II zu, von denen „61 000 eine abgeschlossene Berufsausbildung vorzuweisen haben“.

Der Vorsitzende des Arbeitgeberverbandes der Unternehmen im mittleren Wesergebiet (AdU), Dieter Mefus, ist nicht nur deshalb eher zurückhaltend, was die momentane wirtschaftliche Lage und die weiteren Aussichten angeht: „Wir beobachten zwar eine leichte Beruhigung am Markt. Gegen Jahresende könnte es besser werden. Aber da müssen wir zum jetzigen Zeitpunkt vorsichtig bleiben.“



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