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Derälteste Baum ist vor Christus geboren / Zweimonatige Trappe-Ausstellung in der Info-Galerie

Gesucht: Bäume, die ein eigenes Gesicht haben

Obernkirchen. Er hat schon so manches von der Welt gesehen und viele Motive mit der Kamera festgehalten, an denen sich später andere Menschen erfreuen konnten. Häufig hatten es ihm historisch interessante Plätze und Bauten angetan, aber Henner Trappe hat auch einen Blick für das, was anderen nicht auffällt, was sie übersehen, weil es in ihren Augen belanglos und alltäglich erscheint. Wenn sie genauer hinschauen würden, wäre das jedoch ganz anders. Die Besucher der Info-Galerie werden sich daran erinnern, dass er seine Objektive schon häufig auf Spuren im Sand gerichtet hatte. Spuren, die nicht einmal für die Dauer eines Herzschlags Bestand hatten, weil der Wind sie sofort veränderte oder gar zerstörte. Den Rest erledigten dann die Brandungswellen.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 09:48 Uhr

Henner Trappe

Autor:

Siegfried Klein

Henner Trappe hielt seine Augen eben nicht nur dort auf, wo der Mensch scheinbar Bleibendes geschaffen hat wie bei Pyramiden und Tempeln, und auch nicht nur bei den großen Wundern, die wir der Natur zu verdanken haben. "Mich faszinieren die stummen Geschichten, die Bäume aus ihrem Leben erzählen - wie sie aus kleinem Samen gewachsensind, wie Rehe ihre Triebe geknabbert und ihre Früchte andere Tiere ernährt haben, wie Spechte und Eulen Höhlen in ihren Stämmen bewohnten und dort ihre Jungen aufgezogen haben, wie schließlich Pilze und andere Parasiten sich von ihrer Borke und ihrem Holz zu ernähren begannen und den Verfall einleiteten." Soweit Trappe, der Hobbyfotograf, der sich auf diesem Feld nicht als Künstler eingeordnet wissen will, obwohl er es im Grunde ist. Liselotte Dehler-Schmahl eröffnete am vergangenen Sonnabend in der Info-Galerie bereits die 23. Ausstellung seit ihrer Eröffnung in der Stadtmitte. Und diesmal stand wieder einmal die Gabe von Henner Trappe im Vordergrund, scheinbar nebensächlichem Geltung und Ausdruck zu verschaffen. Bei einer Wanderung durch den Wald nimmt er die Bäume offensichtlich ganz anders wahr als viele seiner Zeitgenossen. Den meisten Menschen genügt es, sich über das frische Grün beim erwachenden Frühling zu freuen, im Sommer über das dichte schützende Dach und im Herbst über die durch nichts zu übertreffende Farbenvielfalt der Blätter. Vielleicht fasziniert noch das vielstimmige Konzert der gefiederten Waldbewohner und ein äsendes Reh, das sich vorsichtig ein Stück auf eine Lichtung wagt. Nichts von alledem ist es, was Henner Trappe im Sinn hatte, als er mit seiner Kamera auf die Pirsch ging. Anfangs eher zufällig, später immer gezielter, galt sein Jagdfieber den stummen und hoch aufragenden Waldbewohnern, den Bäumen. Trappe: "Ich versuchte, in ihren Gesichtern zu lesen, in ihren Fratzen und Grimassen; mich faszinierte vor allem der immerwährende Prozess des Vergehens und gleichzeitig Werdens neuer Gewächse, die sich aus den Zerfallsstoffen versorgen; so gesehen, sterben Bäume eigentlich nie". Auch diese "unendliche Geschichte" ist es, die er mit seiner Bildauswahl in der Info-Galerie dokumentieren will. Bäume sind ohnehin deutlich langlebiger als Menschen. Das wohl älteste Exemplar hat der Obernkirchener ebenfalls fotografisch eingefangen. Dieser Baum steht in Mexiko, hat einen Umfang von fast 50 Metern und ist (durch Bohrungen von Fachleuten festgestellt) rund 2300 Jahre alt. Die anderen Motive stammen aus dem irischen Killarney-Nationalpark, aus den Wäldern am großen Eutiner See und am Kellersee, aus dem Wäldchen, das auf der Insel Juist angelegt wurde, vom Müritz-Nationalpark und aus der heimischen Region. Im Buchenwald nahe der Lieth-Halle, am Lönsweg und im Sonnenbrink fand Trappe das, was er suchte: Bäume, die ein Gesicht haben. Das muss nicht immer ein freundliches sein, stets aber möglichst ausdrucksstark. Und das sind die Fotos, die jetzt noch für zwei Monate zu sehen sind.

Fratzen, Grimassen und Gesichter: Henner Trappe sucht bei den Bä
  • Fratzen, Grimassen und Gesichter: Henner Trappe sucht bei den Bäumen das Außergewöhnliche. Foto/Repro:sig


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