weather-image
Zweites WeserMassiv-Festival im Steinbruch Steinbergen: Torch und Toni L. rocken das Party-Volk

Gestern Stars, heute Vorbilder, morgen Legenden

Steinbergen. Die fette Kohle greifen heute im Milliardengeschäft HipHop andere ab. "Aber schlecht haben wir ja auch nicht verdient", sagt Toni L. beim Frühstück im "Schaumburger Ritter" und dreht seine Kaffeetasse nachdenklich in den Händen. "Stimmt", meint auch Frederic Hahn aka Torch: "Wir können von unserer Musik leben." Und, so Toni L., der gerade zum zweiten Mal Vater geworden ist, "wir können eine Familie unterhalten und haben immer noch die Freiheit, gut dotierte Deals abzulehnen, wenn uns der Kontext nicht passt". Torch: "Wir sind nach all den vielen Jahren immer noch nicht bestechlich."

veröffentlicht am 04.09.2006 um 00:00 Uhr

Lokalmatador: Gitarrist Maik Schöllner von den Rintelner "Triscu

Autor:

Frank Westermann

In der Nacht zuvor hatten die beiden Ex-Mitglieder von "Advanced Chemistry" als Hauptakt des zweiten "Weser Massiv-Festivals" das partywillige Publikum ziemlich gerockt: Wie ein altes, gut aufeinander eingespieltes Ehepaar hatte das Duo die Toni-L.-und-Torch-Show so perfekt dargeboten, dass die Meute schon vor dem Durchdrehen stand, ehe einer der beidenüberhaupt auf der Bühne stand. Danach folgten Hits, Hits, Hits - sogar "Wir waren mal Stars", in dem die Heidelberger ihren früheren, hart erarbeiteten Status als Pioniere des deutschen HipHop auf die Schippe nehmen. Mächtig gerockt mit ihrer merkwürdigen Ska-Crossover-Mischung haben auch Hammerhai aus Hannover, denen nach knapp zehn Jahren auf der Bühne ein Ruf wie Donnerhall folgt. Die Band hatte quasi ein Heimspiel: Sänger Christian Sölter stammt aus Stadthagen, Bassist Stefan Otto aus Obernkichen, Susann Liere, die die Orgel spielt, kam in Bückeburg zur Welt. Vor allem Sölter ist auf der Bühne eine Rampensau, deren Charisma, verbunden mit seiner Röhre, sich kaum entziehen kann. Den Auftakt hatten gegen 19 Uhr zwei Punkbands gemacht. "Safety First Gonzales" mischten ihren musikalischen Cocktail zu gleichen Teilen aus Punk und Rock, bei den Rintelner Lokalmatadoren "Triscuits"überwiegt der Punkanteil, aber das könnte sich künftig ändern. Die dreiköpfige Band um Chris Schmidt, Markus Hanke und Maik Schöllner wird demnächst von einem zweiten Gitarristen verstärkt, auch über eine CD-Produktion wird ernsthaft nachgedacht. Im Tonstudio waren sie schon: Die Band hat zwei halb-professionelle CDs aufgenommen, die zurzeit in kleiner Menge kursieren. Ganz entspannt kam Lowrider aus Minden daher, die mit Dalia Ferreirinha da Silva mittlerweile eine Sängerin gefunden haben, die bestens zu ihrer Auffassung von modernen Soulfunk passt. Ein paar Klassiker gab es natürlich auch: "Use me" von Bill Withers und wiederholte Anklänge an den Sound der Crusaders, was indes kein Wunder ist: Lowrider haben mit der US-Band mal gejammt. Wer Lowrider hörenmöchte: Am nächsten Sonnabend spielen sie im Jazzclub Minden, in dieser Woche werden auf ihrer Homepage ein paar Titel der nächsten CD freigeschaltet. Den Abschluss bildete das Skaos, die den Rest der Menge noch lange unterhielt. In den frühen Morgenstunden gibt es kaum etwas Besseres als Ska, um die müden Glieder noch einmal zum Tanzen zu bringen. Der Veranstalter "Rinteln in Aktion" (RIA) wird sich für das nächste Jahr einen neuen Cheforganisator suchen müssen: Hendrik Kubitzky will nach zwei Festivals nicht mehr. Für das, was er mit rund 50 ehrenamtlichen Helfern im Steinbruch zweimal auf die Beine gestellt hat, gibt es gar nicht genug Dankesworte. An diesem Wochenende haben die meisten rund um das Festival durchgearbeitet - 48 Stunden rund um die Uhr. Und Torch und Toni L.? Waren mit dem Auftritt und dem Publikum bestens zufrieden, wie sie betonten, ehe sie nach Heidelberg zurückfuhren. Dort werden sie weiterhin bleiben, was sie immer waren: Vorbilder, die uns gelehrt haben, dass Würde wichtiger ist als Geld und dass es jenseits von Sex& Drugs& Rock'n'Roll noch etwas gibt, das man Haltung nennt. Nur wer die Fackel in sich trägt, der kann auch durch das Dunkel gehen.

Die Ausgezeichneten, Neugewählten und Verabschiedeten mit den ne
  • Die Ausgezeichneten, Neugewählten und Verabschiedeten mit den neueingetretenen Nico Hillmann, Adelina Keßler und Sabrina Uhlenbrock sowie der Spitze der Reinerbecker Jugendfeuerwehr. Foto: wj
Ortsfeuerwehr Reinerbeck und Vertreter aus der Politik. F: wj
  • Ortsfeuerwehr Reinerbeck und Vertreter aus der Politik. F: wj

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare