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Konzertüber Unaussprechliches: Schicksal von Gerd Landsberg in der Herderschule

Gesehen, wie Menschen Tote angebissen haben

Bückeburg (bus). Das Schicksal des Zeitzeugen und Holocaust-Überlebenden Gerd Landsberg hat im Mittelpunkt einer Veranstaltung der Herderschule gestanden. Die Erlebnisse Landsbergs wurden während eines rund 90 Minuten dauernden "Konzerts mit Worten über Unaussprechliches" von Matthias Horndasch (Klavier und Sprecher) sowie Roland Baumgarte (Cello) vorgestellt.

veröffentlicht am 16.11.2007 um 00:00 Uhr

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Als Grundlage der vom Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport geförderten Vorstellung diente Horndaschs Buch "Du kannst verdrängen, aber nicht vergessen", in dem der Autor unter anderem den Transport Landbergs von Buchenwald nach Dachau schildert: "Ohne Verpflegung und ohne etwas zu trinken waren wir drei Wochen unterwegs. Mindestens. Alle waren ausgehungert. Von den fünftausend Mann, die auf diesen Transport gekommen waren, kamen nur rund einhundertfünfzig lebend in Dachau an! Du bist morgens aufgewacht und lagst unter Toten! Ich habe gesehen, wie die Menschen die Toten angebissen haben ..." Horndasch und Baumgarte griffen immer wieder auf eindringliche (Eigen)-Kompositionen aus dem Grenzbereich zwischen Klassik und neuem Jazz zurück, um die aufrüttelnden Schilderungen von Angst und Ausgrenzung, von Folter und Mord aber auch von Hoffnung, Mut und unermüdlichem Einsatz für Toleranz und freiheitlich-demokratische Grundwerte musikalisch zu unterstreichen. Musik und die ruhige Stimme des Vorlesers trugen dazu bei, dass die Realschüler von den erschütternden Erinnerungen nicht vollends überwältigt wurden. Landsberg konnte nach dem Ende des Holocausts zur Verurteilung mehrerer Kriegsverbrecher und Mörder beitragen. Von fünfzig Männern, die ihm damals zur Erkennung präsentiert worden seien, habe er "zwölf eindeutig als Täter identifizieren" können, bestätigt er im Buch und fügt erklärend hinzu: "Nicht unbedingt anhand der Namen, aber durch ihre Gesichter." Das sei für ihn keine Genugtuung gewesen, sondern er habe lediglich den Wunsch gehabt, "dass die für ihre Taten bestraft werden sollten." Ob er ihnen damals den Tod gewünscht habe? "Nein!", entgegnet Gerd Landsberg spontan. Er sei gegen die Todesstrafe, und so könne er "auch diesen Leuten nicht den Tod wünschen." Weitere Informationen unter www.weiterleben-im-gespraech.de und www.holocaust-survivors.eu



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