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825 Jahre Marktprivileg in der Bergstadt / Teil 2 unserer Serie

Geschickte Schachzüge des Bischofs in der Reichspolitik

Obernkirchen. Im Jahre 1153 wurde mit Werner ein Vertreter der Adligenfamilie von Bückeburg aus Obernkirchen als Mindener Bischof eingesetzt. Lehnsrechtlich gehörte ihr Obernkirchener Stammhaus, das Castrum Buccaburg, in den Besitz der Askanier. Der Chef dieses Hauses, Markgraf Albrecht der Bär, war bis 1142 auch Herzog von Sachsen und verlor die Herzogswürde an Heinrich den Löwen. Zwischen diesen beiden kam es in der Folgezeit zu ständigen Streitigkeiten, die Anfang der 1150er Jahre mit kleineren Gefechten und wechselseitigen Verwüstungen begannen. Im Bereich Obernkirchens trafen welfischer und askanischer Eigenbesitz eng aufeinander, gut möglich, dass es auch hierzu Waffengängen gekommen ist, bei denen die Bückeburg durch Zerstörungen wehrtechnisch unbrauchbar gemacht wurde. Das sind jedoch Vermutungen, interessante Ansätze, aber nicht belegbar. Die Familie baute sich jedenfalls Mitte des zwölften Jahrhunderts ein neues festes Haus in der Aueniederung bei Petzen, das "Hus Aren". Sie nannten sich nach diesem Wohnsitz später auch "Arnheimer".

veröffentlicht am 06.10.2006 um 00:00 Uhr

Autor:

Rolf-Bernd de Groot

Leider existiert weder ein Bild noch irgend eine Beschreibung von der "alten Bückeburg". Über ihre Größe und ihr Aussehen gibt es viele Spekulationen. Jahrhundertelang wurde die Anlage von Obernkirchener Bürgern als Steinbruch zum Bau ihrer eigenen Häuser genutzt und so das ursprüngliche Aussehen stark verändert. Der einzige, halbwegs seriöse Hinweis, ist ein kleines Detail im Rüstmeister Grenzatlas aus dem Jahre 1733. Er zeigt die Burg als rechteckige Anlage auf dem Sporn des Bückeberges liegend, mit zwei Wehrtürmen zur westlichen Steilkante hin. Bischof Werner von Bückeburg war ein in der Reichspolitik hoch angesehener, politisch geschickter, überaus tatkräftiger Mann. Für die Mindener Bischöfe bestand seit Gründung des Bistums stets die Notwendigkeit, zum sächsischen Herzog ein gutes Verhältnis zu haben, gleichzeitig dem König die Treue zu halten und die Beschlüsse des Kirchenoberhauptes in Rom umzusetzen. Bevor die Spannungen zwischen dem Welfen und dem Staufer, sowie zwischen dem Staufer und dem Papst eskalierten, schaffte Werner diesen Spagat recht locker. Bei allen historischen Topereignissen dieser an dramatischen Höhepunkten reichen Zeit finden wir den "Obernkirchener Bischof" mittendrin. 1159 ist er beim 2. Italienzug Friedrich I. dabei. Auf dem Konzil zu Pavia gehört er zu den deutschen und lombardischen Klerikern, die dem Ruf Barbarossas zur Kirchenversammlung gefolgt sind und Gegenpapst Viktor IV. unterstützen - der Rest der Christenheit blieb der Synode fern. Werner befindet sich auch im Gefolge des Kaisers bei der Belagerung von Mailand 1161 und in Lodi, als das stolze, abtrünnige lombardische Zentrum sich mit Mann und Maus bedingungslos dem Kaiser unterwerfen musste. Zwei Jahre später nahm Werner am Fürstentag in Hannover teil und begleitete 1164 mit einem kleinen Aufgebot an Rittern Heinrich den Löwen auf seinem Slawenfeldzug. Den bei diesen Kämpfen gefallenen Grafen Adolf von Schaumburg bringt er nach Minden und lässt ihn im Dom "porticu ecclesia Mindensis" beisetzen. Am Weihnachtsfest 1165 ist der Bischof wieder im Gefolge des Kaisers anzutreffen. Er nimmt in Aachen an der Heiligsprechung Karls des Großen durch Papst Paschalis III. teil. Die guten Kontakte zu Kaiser und Herzog nutzt er selbstverständlich auch in eigener Sache. Natürlich stärkte die Anlage eines Klosters und der Bau einer Kirche die Stellung seiner Familie in Obernkirchen, aber sie verbessert auch den politischen Einfluss desBistums. 1167 verfügt Werner die Gründung eines Frauenklosters nach den Regeln der Augustiner in seinem Obernkirchen. Er lässt die alte Kirche abreißen und beginnt mit dem Bau einer großzügigen Basilika, als kleinere Kopie des Mindener Domes. Ein altes Ausstattungsstück dieser Basilika, ein romanischer Kruzifix, existiert noch und wird im Museum auf der Philippsburg in Marburg gezeigt.

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